Eisert: Erlanger Institution für Mode und Sport

Die Modehaus Eisert GmbH in Erlangen kann in diesem Jahr auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken. Das Unternehmen entstand 1919, als die Kaufleute Ludwig und Margarete Eisert einen Großhandel für Weiß-, Woll- und Kurzwaren in der Hauptstraße gründeten, dem fünf Jahre später das erste Ladengeschäft folgte.

1949 eröffnete die erste Sport-Filiale als Herren- und Sportartikelgeschäft, ebenfalls in der Hauptstraße. Zehn Jahre später entstand der Neubau des Textil- & Sporthaus Eisert am heutigen Standort in der Hauptstraße 1, nun allerdings unter der Geschäftsführung von Fritz Hennes, dem Sohn der Firmengründerin, und damit in der zweiten Generation.

Der dritte Generationswechsel erfolgte 1973, als dessen Tochter Heidi Menapace und ihr Ehemann Horst Menapace gemeinsam die Nachfolge antraten. 1991 baute Eisert das Stammhaus grundlegend um, zudem trat mit Thilo Menapace die vierte Generation des Familienunternehmens die Geschäftsführung an. Im Lauf der 90er Jahre öffneten weitere Niederlassungen in Herzogenaurach und Erlangen, darunter das Sportfachhandelsgeschäft Intersport Eisert GmbH in der Sedanstraße mit 2 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Anja Menapace folgte ihrem Bruder Thilo 1997 in die Geschäftsführung. Eine besondere Ehre wurde der Erlanger Firma 2004 zuteil, als sie vom Handelsverband Bayern als „Unternehmen des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

Ein Schicksalsschlag ereilte die Unternehmerfamilie Ende 2011, als Thilo Menapace plötzlich verstarb. Christian Bier, Ehemann von Anja Menapace, trat daraufhin 2012 in die Geschäftsführung ein. Unter seiner Leitung reagierte Eisert in den folgenden Jahren auf das veränderte Kundenverhalten sowie die zunehmende Digitalisierung in der Branche: 2014 startete das Unternehmen, bei dem aktuell rund 100 Mitarbeiter arbeiten, einen Online-Shop für Intersport und verpasste heuer der Webseite des Modehauses einen neuen Anstrich.

Nutricia: Astronautenkost im Permafrost

Ihre Produkte ernährten schon Grönland-Abenteurer – heute ist die Erlanger Firma auf medizinische Nahrungsmittel spezialisiert.

Drei Südtiroler Bergsteiger starteten 1983 ein waghalsiges, ja lebensgefährliches Abenteuer: Als erste Menschen durchquerten sie, ganz ohne externe Hilfsmittel, das grönländische Inlandeis an seiner breitesten Stelle. 88 Tage lang gab es an der 1 400 Kilometer langen Strecke keinerlei Ansiedlung, kein Versorgungsdepot – nur eine einzige weiße Eiswüste, im Extremfall mit minus 73 Grad Gefrierschrank-Kälte und 300 Stundenkilometern Hurrikan-Windgeschwindigkeit. Sie überlebten, wie fünf Jahre später zwei weitere Bergsteiger-Kollegen, dank ihres einzigen Proviants, den sie dabei hatten: Biosorbin MCT, eine synthetische Nahrung von Pfrimmer, älteren Erlangern bekannt als traditionsreiche einheimische Pharma-Firma. Sie war 1919 von Jacques Pfrimmer in Nürnberg gegründet worden. Nachdem die Fabrikanlage 1943 zerstört wurde, siedelte er das Unternehmen acht Jahre später nach Erlangen um. Das Nachfolgeunternehmen Nutricia, heute im Erlanger Röthelheimpark beheimatet, feiert deshalb in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen.

An Pfrimmer, das ursprünglich chirurgisches Nahtmaterial hergestellt hatte, erinnern medizinische Meilensteine: Ein Beispiel ist Tutofusin, das 1925 als erste industriell hergestellte Blutersatzlösung der Welt produziert wurde. Entwickelt wurde sie in Zusammenarbeit mit Prof. Wolfgang Weichardt, dem damaligen Bakteriologen der Erlanger Universität. Unzählige Verwundete des Zweiten Weltkriegs dürften dieser Infusionslösung ihr Leben verdanken. Dann wandte sich Pfrimmer der enteralen Ernährung zu und schuf schließlich 1959 mit Aminofusin eine Nährlösung für Kliniken im In- und Ausland. Darauf wurde die US-amerikanische Weltraumbehörde Nasa aufmerksam und interessierte sich Mitte der 60er Jahre für eine spezielle Trinknahrung, die Reisende im Weltall auf langen Flügen und unter Extrembedingungen mit allen nötigen Nährstoffen versorgen sollte. Es war die Geburtsstunde der sogenannten Astronautenkost.

Grundlage für Sondennahrung

Die Pfrimmer-Entwicklung fand zwar nie Anwendung in der Raumfahrt, denn sie soll wegen des unangenehmen Geschmacks von den Astronauten abgelehnt worden sein. Doch sie schuf die Grundlage für die moderne medizinische Trink- und Sondennahrung. 1969 wurde Vivasorb als erstes Präparat zur Verwendung in der enteralen Ernährung in Deutschland eingesetzt. In Wasser gelöst, lieferte ein Päckchen 300 Kalorien. Heute ist die künstliche Ernährung ein essenzieller Bestandteil, wenn man Patienten erfolgreich behandeln bzw. ihre Therapie möglichst positiv gestalten will, die nicht ausreichend essen können, dürfen oder wollen. Dazu gehören Menschen mit Stoffwechselstörungen oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Krebskranke und Pflegebedürftige. Grundsätzlich werden Patienten dem Unternehmen zufolge immer dann enteral ernährt, wenn die normale orale Nahrungsaufnahme nicht oder nur teilweise möglich ist. So leiden etwa 1,5 Mio. Menschen in Deutschland, vor allem Alte und chronisch Kranke, unter einer Mangelernährung. Nutricia liefert hierfür das Gegenmittel. Auch der Raucher-Entwöhnungskaugummi „Nicorette“ entstammt den Labors in Erlangen. 2009 kam die Fortimel Compact Trinknahrung mit der damals höchsten Energiedichte auf den Markt: 2,4 Kilokalorien pro Milliliter. 2018 folgte eine weitere Innovation mit einer Spezialnahrung für Säuglinge mit Kuhmilchprotein-Allergie („Neocate Syneo“).

Pfrimmer ging 1991 mit der holländischen Nutricia-Gruppe zusammen, seit 2007 gehört es zur medizinischen Sparte des Danone-Konzerns, der zuletzt insgesamt 24,7 Mrd. Euro umsetzte und in über 50 Ländern weltweit vertreten ist. Ebenfalls 1991 zog das Unternehmen von der Hofmannstraße nach Tennenlohe, 2011 bezog es dann den aktuellen Standort im Röthelheimpark. Hier arbeiten neben den Geschäftsführern Ulrich Zihla und Steffen Iff etwa 200 der insgesamt 400 Beschäftigten in Deutschland, die zusammen einen Umsatz von 120 Mio. Euro erzielen.

Große Chancen für Ernährungsprodukte

Sie wirken in Erlangen im Vertrieb, aber auch im seit 1986 bestehenden Ernährungsteam mit heute 55 Personen, das gemeinsam mit Angehörigen, Ärzten und Pflegekräften die Patientenversorgung sicherstellt. Es unterstützt alle Beteiligten bei der Erstellung von Ernährungsempfehlungen, erleichtert das Entlassungsmanagement in Kliniken und sichert so einen reibungslosen Übergang in den ambulanten Bereich. Eine halbe Mio. Menschen sind in Deutschland zwingend auf enterale Ernährungsprodukte angewiesen. Die Zahl der Betroffenen steigt weiter an, darauf weist schon die demografische Entwicklung hin. Das wiederum eröffnet dem Unternehmen im Hinblick auf seine wirtschaftliche Zukunft große Chancen.

Im konzerneigenen Forschungszentrum in Utrecht arbeiten mehr als 400 Mitarbeiter, die sich auf die Therapiefelder Onkologie, Gebrechlichkeit, Schlaganfall, Intensivmedizin, Alzheimer und Kinderheilkunde mit Gedeihstörung und Epilepsie konzentrieren. Die Nutricia GmbH unterhält darüber hinaus eine eigene Akademie und bietet damit ein breites Seminarangebot für Angehörige entsprechender Fachdisziplinen. Sie lobt seit 2002 jährlich – auch zu Ehren der wissenschaftlichen Arbeit von Werner Fekl, der von 1957 an fast 30 Jahre lang wissenschaftlicher und technischer Leiter von Pfrimmer war – den Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler im Bereich klinische Ernährung aus. Der Preis ist mit 5 000 Euro dotiert und wird in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin und der Gesellschaft für klinische Ernährung der Schweiz verliehen.

Autor: (ug.)

Der Beck: Der Weggla-Riese

Das Erlanger Unternehmen gehört zu den 30 größten Backwaren-Filialisten in Deutschland und hat dafür seine ganz eigenen Erfolgsrezepte.

Es begann einst mit der 1895 gegründeten Bäckerei Ziegler in Tennenlohe. Aus dieser entstand „Der Beck“ in Erlangen, einer der größten Gastrobetriebe in Deutschland, und die Inhaberfamilie Beck baut das Unternehmen weiter aus: Es verzeichnet jährlich wachsende Umsatzzahlen, zuletzt 87 Mio. Euro im Jahr und betreibt rund 150 Filialen mit inzwischen 1 550 Beschäftigten, davon 1 250 im Verkauf und 88 als Bäcker. Der Erlanger Großbetrieb setzt mit seinen Filialen sowie der Marke „Casa Pane“ in Nürnberg, Erlangen und Fürth und demnächst Forchheim allein 28 Mio. Euro um. Zusätzliche drei Mio. generieren sieben Standorte der Tochterfirma „Mr. Bleck Coffeeshop“.

Der Warenumschlag ist enorm: Pro Stunde können 6 300 Brezen produziert werden, täglich 92 500 Semmeln und 59 000 Teile Kleingebäck, allein am Faschingsdienstag 150 000 Krapfen. 27 000 Brote in bis zu 28 verschiedenen Sorten – vom fränkischen Bauernlaib bis zum Bamberger Rustikus, vom Dinkelvollkorn- bis zum Roggen-Buchweizenbrot, vom Ciabatta bis zum dänischen Kernebröd, vom Nussknacker bis zum Gassenhauer, vom Walliser Dinkelwurz bis zum Käsefreund mit Aprikosen. Diese und andere Sorten wurden jeweils bei sogenannten „Genussaktionen“ angeboten, um die Resonanz bei den Kunden zu testen. Die Backwaren werden von der Lkw-Flotte über 25 Touren in die Filialen gebracht – dazu selbstproduziertes Eis, Zutaten für das Snack-Angebot sowie Getränke. Das Bäckereiunternehmen wartet immer wieder mit Innovationen auf. So versucht es sich ständig an neuen Produkten und greift Geschmackstrends auf, z. B. Bagels oder Muffins. Siegfried Beck weiß um die Vorbehalte gegenüber Fließbandprodukten, pocht aber gerade deswegen auf Qualität. Denn bei großen Mengen ließen sich Gewürze, Körner, Mehlanteile und Backzeiten am besten ausbalancieren. „Ein Bäcker muss gut, ehrlich und konsequent sein, dann kommt er auch weiter“, sagt der Geschäftsführer. „Und du musst immer einen Schritt schneller laufen, um vorne zu bleiben.“

Immer Neues ausprobieren

Einer der „Schrittmacher“ ist Brotsommelier Harald Pommer, der seit zwei Jahren von der Geschichte des Brotes erzählt, in die Geheimnisse der Herstellung einweiht, Degustationen mit Käse von „Maître Affineur“ Volker Waltmann sowie mit Rot- und Weißweinen veranstaltet. Brot lässt sich erleben, erschmecken und erriechen, auch mit Schinken und Bier. Die Kulinarik-Seminare mit dem Sommelier sind ebenso beliebt wie die Führungen durch die Produktion mit Schulklassen und Erwachsenengruppen. „Wenn der Betrieb nicht sauber wäre, würden wir das nicht machen können“, betont Siegfried Beck, der 28 Jahre lang als Kreishandwerksmeister bzw. dessen Stellvertreter das Handwerk an vorderster Front vertreten hat. Er weiß den Trend zur Größe richtig einzuschätzen: „Das Gestern ist vorbei. Und den Kunden kann niemand ändern“, sagt er. „Wer ihn halten will, muss eben etwas anbieten, was ihm besser schmeckt und gefällt als anderswo.“ Ein Bäcker müsse sich mit seiner eigenen Premium-Qualität vom Supermarkt bzw. Discounter absetzen und auch die Möglichkeit bieten, nach dem Einkauf ein Café-Erlebnis zu genießen, erklärt Beck. Sein Betrieb verarbeitet übrigens 80 Tonnen Kaffee im Jahr.

Drei bis sechs Filialen werden pro Jahr geschlossen – und an anderen Standorten, wo sich Chancen etwa durch Neubaugebiete ergeben, wieder eröffnet. Gutes Scouting macht sich da bezahlt – vergleichbar mit Fußballvereinen. Apropos Sport: „Der Beck“ unterstützt die SpVgg Greuther Fürth, den Erlanger Handball-Club, die IceTigers sowie den Erlanger Inklusionsdienst „Access“, bei dem sich Ehefrau Petra und Sohn Dominik Beck als Beiratsmitglieder engagieren und den das Unternehmen mit Arbeitsplätzen für Behinderte unterstützt. Weitere von der Bäckerei geförderte Projekte sind das Therapiereiten („Leila“) für behinderte Kinder in Röthenbach bei Altdorf, eine offene Fahrradwerkstatt („Beckwheel“) mit dem Don-Bosco-Jugendwerk Nürnberg für Jugendliche und das Palliativteam der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen.

Gesellschaftliches Engagement

Mit der „Der-Beck-Kinderfonds-Stiftung“, die 1998 gegründet und in Erinnerung an den 2017 tödlich verunglückten Sohn der Familie in „Alexander-Beck-Kinderfonds-Stiftung“ umbenannt wurde, wird Kindern und Jugendlichen auf vielfältige Weise Hilfe zuteil. „Soziales Handeln verankern wir im Unternehmen – so wie das Handwerk in der Gesellschaft verankert ist“, sagt Petra Beck über dieses umfangreiche Engagement. Da ist es nicht verwunderlich, dass Siegfried Beck schon das Bundesverdienstkreuz erhielt und Petra Beck den Ehrenbrief der Stadt Erlangen. Außerdem gingen bereits der Marketing-Oscar vom Marketing-Club Nürnberg und der „Service-König“ vom Magazin „Focus“ an das Unternehmen, ebenso der „Große Preis des Mittelstands“ der Leipziger Patzelt-Stiftung und dreizehn Mal das Urteil „Sehr gut“ bei den Qualitätstests 2018 und 2019 des Deutschen Brotinstituts. Auch beim Marketing bleibt der Großbäcker auf Trab, beispielsweise mit Werbeauftritten und Sponsoring-Aktivitäten für Kultureinrichtungen, die auf Brötchentüten beworben werden.

Das Unternehmen führt seinen Erfolg auch auf sein Umweltengagement zurück. Auch der bayerische Umwelt- und Verbraucherminister Thorsten Glauber beurteilte dieses bei einem Firmenbesuch im Sommer positiv. Geschäftsführer Siegfried Beck hat dabei die neueste Maßnahme präsentiert: den Verzicht auf Vinylhandschuhe beim Verkauf und in der Produktion. Damit werden nicht nur etwa 20 Tonnen des schlecht wiederverwertbaren Kunststoffs pro Jahr eingespart, sondern auch – was im ersten Moment überraschen mag – der Hygienestandard verbessert. Denn beim Verkauf werden die Produkte nicht mit bloßen Händen angefasst, sondern immer Hilfsmittel verwendet, z. B. eine Gebäckzange oder eine Serviette bei Imbissprodukten. In Zusammenarbeit mit der Lebensmittelüberwachung wurden Tests durchgeführt, um richtiges Händewaschen zu schulen und zu kontrollieren.

Der umfangreiche Nachhaltigkeitsbericht 2019 gibt Auskunft über mannigfaltige Bemühungen, z. B.  beim Verpackungsmaterial, wie Siegfried Beck versichert. Unterteile von Salatschalen sind kompostierbar, für die Herstellung der Oberteile werden PET-Flaschen recycelt, Pappteller zum Einpacken von Kuchen stammen aus nachwachsenden Rohstoffen und das Papier für die Gebäcktüten ist aus Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft hergestellt. Beim Einkauf der Rohstoffe wird auf Regionalität geachtet, was Wege verkürzt und Verpackungen reduziert: Das Mehl liefern Mühlen aus Pommersfelden und Scheinfeld, Konfitüren kommen aus Haßfurt, Fruchtsäfte aus Feucht, Gemüse und Salate aus dem Knoblauchsland, 11 000 täglich in der Backstube frisch aufgeschlagene Eier von freilaufenden Hühnern aus Kleinweisach und die Wurst von Traditionsmetzgern aus Bamberg, Dietenhofen und Grafenwöhr – für alle Kunden nachprüfbar.

Vielfältige Umweltmaßnahmen

Übriggebliebenes Brot und Gebäck liefert „Der Beck“ u. a. an zehn Tafeln, Projekte der Obdachlosenhilfe sowie Mudra Nürnberg, Laufer Mühle und Caritas. Zudem werden in der Filiale in der Erlanger Gebbertstraße hygienisch einwandfreie Backwaren vom Vortag mit 50 Prozent Rabatt verkauft. Der Rest dient als Futtermittel bzw. zur Energieerzeugung in einer Biogasanlage. „Jeder Produktionsabfall ist Geld wert und wird weiterverwertet“, sagt Beck. Auch sonst unternimmt der Großbäcker zahlreiche Aktivitäten im Bereich Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Rohstoffeinsparung: Dazu gehören Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Backstube und mehrerer Filialen, ein 2014 erbautes 380-Kilowatt-Blockheizkraftwerk und eine mit zwei Mio. Euro Investitionskosten eingerichtete Korbspülanlage, die für die Reinigung der 25 000 Brotkörbe nur noch ein Drittel der bisher benötigten Energie verbraucht. Hinzu kommt ein elektrischer Streetscooter-Lieferwagen und die finanzielle Förderung der Beschäftigten, wenn sie mit einem E-Bike zur Arbeit kommen. Und nicht zuletzt sorgen allein sechs angestellte Qualitätsbeauftragte in der Zentrale und in den Filialen dafür, dass alle Ziele, die sich das Unternehmen gesteckt hat, auch erfüllt werden.

Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 10|2019, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2019-10/Koepfe/der-weggla-riese

Frör Group: Alles in Form

Der Spezialist für Kunststoffprodukte hat seine Unternehmensnachfolge erfolgreich gemeistert – und wächst seitdem beständig.

Beispielhafte Unternehmensnachfolge und erfolgreiche Neuaufstellung: Damit hat die Frör-Group aus Erlangen den IHK-Gründerpreis 2019 gewonnen. 2015 hatte Johannes Lehmann zusammen mit seiner Schwester Ulrike nach dem Tod der Mutter, der Inhaberin, die Firmen-Gruppe übernommen. Sie besteht heute aus den Erlanger Firmen Frör Kunststofftechnik GmbH (Medizin- und Verpackungstechnik), Frör FVT Verpackungs- und Transportsysteme GmbH (Produktion und Vertrieb von Getränkekisten) sowie Plaho Spielwaren GmbH im thüringischen Steinach (Oberflächenveredlung). Die Unternehmensgruppe wird von Johannes Lehmann, Geschäftsführender Gesellschafter, und  seinem Vater Joachim Lehmann als Geschäftsführer geleitet.

Seit der Umstrukturierung ist die Gruppe beständig gewachsen: Die Mitarbeiterzahl stieg von 125 auf 164, davon etwa sechs Prozent Auszubildende, u. a. Industriekaufleute, Spritzgießer, Werkzeugmechaniker, Fachkräfte für Lagerlogistik oder Lackierer. „Wir bilden auch Mitarbeiter aus, die schon lange Jahre im Betrieb sind, aber keinen Beruf erlernt haben“, sagt Johannes Lehmann. Auch wirtschaftlich steht die Frör-Gruppe sehr gut da: „Wir haben eine Eigenkapitalquote von rund 70 Prozent.“

Die Produktpalette hat sich in der Firmengeschichte immer wieder gewandelt, von Dentaltechnik, Sportschuhsohlen und Spielwaren hin zu Teilen für Medizintechnikgeräte, Bierkästen und Lebensmitteldosen. 1951 gründete Werner Frör, ein gelernter Zahntechniker, in Erlangen sein Unternehmen ursprünglich als Dentallabor. Schon nach kurzer Zeit kam eine eigene Kunststoffspritzerei hinzu. Weil viele Brauereien in dieser Zeit von Holz- auf Kunststoffkästen umstellten, riet ihm ein verwandter Hopfenhändler dazu, Bierkästen zu produzieren. So liefen in den 60er Jahren die ersten Getränkekästen vom Band, die sich anfangs erst noch gegen die bis dahin verwendeten Holzkisten durchsetzen mussten. „Damals waren Getränkekästen aus Kunststoff alles andere als etabliert, doch der Pioniergeist zahlte sich aus“, sagt Geschäftsführer Joachim Lehmann.

Später kamen Spielwaren und Stollensohlen für Fußballschuhe dazu, die aber heute nicht mehr produziert werden. Bierkästen sind dagegen weiterhin ein großes Thema: 18 eigene Modelle hat Frör aktuell im Angebot, rund zwei Mio. Stück stellt das Unternehmen pro Jahr her, überwiegend für regionale Brauereien. Noch größere Stückzahlen fallen im Bereich Dünnwandtechnik an: Für Süßwaren-Hersteller produziert die Firma etwa zehn Mio. Lebensmitteldosen jährlich.

Das wichtigste Standbein ist heute jedoch die Medizintechnik. Frör stellt zum Beispiel Verkleidungsteile für Magnetresonanz-Tomographen her, die bei der Thüringer Tochter weiter veredelt werden. „Wir fertigen von manchen Produktionen nur zehn Stück im Jahr. Unser Kunde schätzt hier die hohe Fertigungstiefe, die wir ihm anbieten“, sagt Johannes Lehmann. Sein Betrieb baut nicht nur die Formen, sondern entwickelt diese auch für die Kunden aus den Designdaten und produziert die Prototypen, erläutert der Geschäftsführende Gesellschafter. Rund 1 950 verschiedene Kunststoffartikel fertigt und veredelt das Unternehmen heute. Etwa 7 500 Tonnen Granulat in 40 verschiedenen Sorten werden dafür jährlich verarbeitet. Dazu liegen mehr als 1 800 verschiedene Werkzeuge – Formen von 20 Kilogramm bis acht Tonnen – im Lager.

Autor: (leo.)

Intego: Maschinen mit Adleraugen

Qualitätsprüfung durch High-tech: Die Anlagen des Erlanger Unternehmens spüren selbst kleinste Fehler in der Produktion auf.

Ökonomische Nischen, in denen man durch einzigartige Kompetenz zum Marktführer wachsen kann, sind in der deutschen Wirtschaft nach wie vor vorhanden – man muss sie nur finden. Die promovierten Ingenieure Thomas Wagner und Peter Plankensteiner wagten nach sechsjähriger Grundlagenforschung im Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) den Schritt in die Selbstständigkeit: Denn 1999 spezialisierten sie sich mit der Intego GmbH auf den Bau von Sondermaschinen für optische Qualitätsprüfaufgaben.

Anfangs war das Unternehmen noch im Innovations- und Gründerzentrum Nürnberg-Fürth-Erlangen (IGZ) angesiedelt. Die mehr als 500 Prüfanlagen, die seither in Erlangen fertiggestellt wurden und die in aller Welt zum Einsatz kommen, spüren kleinste Fehler in der Produktion auf – und ersparen den Auftraggebern durch die frühzeitige Entdeckung Millionenbeträge. Intego entwickelt schlüsselfertige Anlagen und Software, die beim Anwender konfiguriert und in den jeweiligen Produktionsprozess integriert werden.

Begonnen hat alles mit dem weltweiten Handy-Boom: Die Hersteller wollten vermeiden, dass sich die Käufer über nicht ganz klare Display-Abdeckungen oder unsauber ausgestanzte Lautsprecher-Öffnungen ärgern. Also mussten bei der Produktion die Fehler von vorneherein ausgeschlossen werden. Das schaffte das automatische Kameraprüfsystem von Intego: Spritzfehler wie schwarze Punkte, Materialeinschlüsse und Schlieren, Oberflächenfehler wie Staubabdrücke, Kratzer und Lackierfehler oder falsche Abmessungen bei Aufdrucken oder Folien – die in Erlangen entwickelte Technologie konnte solche Unsauberkeiten bis in den Bereich von einem Hundertstel Millimeter erkennen und so schadhafte Teile aussortieren. Dieser Anspruch, Premiumqualität zu garantieren, gilt bis heute. „Unser Markt ist da, wo sehr hohe ästhetische Anforderungen an ein Produkt gestellt werden und eine optische Fehlerfreiheit des Produkts zwingend erforderlich ist“, sagt Dr. Thomas Wagner.

Neue Branchenschwerpunkte

Innerhalb von zwei Jahrzehnten sind freilich andere Branchenschwerpunkte wichtig geworden: Bei der Fertigung von Solarwafern, -zellen und -modulen, von Airbags und LED-Beleuchtungseinheiten in der Automobilproduktion, aber auch in der Halbleiterindustrie gibt es Bedarf. Zunehmend attraktiv wird der von hohen Stückzahlen geprägte Labor- und Medizingerätemarkt, zumal es dabei nicht nur um die Optik, sondern um die Einhaltung von funktionalen Vorschriften geht: „Ein Oberflächenfehler eines Behältnisses kann z. B. zu falschen Laborergebnissen führen“, erklärt Wagner.

Auszeichnungen pflastern den Weg des Unternehmens – so der Gründerpreis der IHK Nürnberg für Mittelfranken im Jahr 2002 oder der „Semikron Innovationspreis 2016“, den Intego als Teil eines Konsortiums gewann, dem auch das Fraunhofer-Institut, die Universität Erlangen-Nürnberg und Infineon angehören. Diesem Quartett war es gelungen, einen kostengünstigen Test zu entwickeln, mit dem sich kleinste Defekte bereits auf Siliziumkarbid-Wafern, dem Rohmaterial für neuartige Bauelemente, nachweisen lassen. Die Entwicklung verfügt im Mikrometer-Bereich über eine Null-Fehler-Toleranz und ist damit hundertprozentig zuverlässig. Bauelemente, die später im Betrieb ausfallen würden, lassen sich so sicher identifizieren und markieren.

Permanent neu erfinden

Der Jahresumsatz von Intego schwankt – je nach Auslastung und Auftragseingang – zwischen fünf und zehn Mio. Euro. „Wir müssen uns permanent neu erfinden“, so Wagner angesichts der unterschiedlichen Anforderungen, die die etwa 30 Kunden pro Jahr stellen. Im Ausland erzielt das Unternehmen 30 bis 40 Prozent des Umsatzes, mit den US-amerikanischen Kunden als hauptsächliche Zielgruppe. 50 Beschäftigte sind für Intego in der 2008 bezogenen Unternehmenszentrale in der Henri-Dunant-Straße tätig, die Hälfte verfügt über einen beruflichen Hintergrund im Ingenieurwesen. 2009 folgte die Gründung einer Tochterfirma in Singapur, 2015 die Beteiligung als Investor an der Erlanger Evosys Laser GmbH und 2016 die Einweihung einer neuen Produktionshalle.

Erlangen sei aufgrund der Nähe zur Universität und zum Fraunhofer-Institut nach wie vor der ideale Standort. „Wir sind damit am Puls der Zeit“, sagt Wagner. Das gilt übrigens auch im Solarbereich: Intego baut nicht nur Prüfanlagen für andere, sondern setzt für die eigene Energieversorgung Solarmodule seiner Kunden auf den Gebäudedächern ein. Damit werde über das Jahr gesehen genug Energie für den internen Stromverbrauch sowie für Heizung und Kühlung erzeugt, wodurch Intego kohlendioxidneutral arbeite.

Autor: ug.

Brodos.net: Vernetzte Läden

Die Brodos AG in Baiersdorf ist in der Mobilfunkbranche ein wichtiger Akteur: Das Unternehmen versorgt Mobilfunkläden, Elektronikmärkte, aber auch Dax-Konzerne u. a. mit Smartphones, Festnetztelefonen und Navigationsgeräten. Das Tochterunternehmen Brodos.net GmbH wiederum bietet stationären Händlern eine Art Kiosk-Lösung, mit der sich die Läden kanalübergreifend digital aufstellen können, z. B. mit Online-Shops, Shopping-Apps und digitalen Ladenregalen im Geschäft. Die Tochter des Baiersdorfer Unternehmens will damit Einzelhändler ansprechen, die sich bei der Digitalisierung auf eine bloße Website beschränken, ohne darüber hinaus digitalen Zusatznutzen zu bieten. „Eine Website ist noch keine Digitalisierung“, so Geschäftsführer Udo Latino.

Brodos.net verfolgt dieses Anliegen auch vor dem Hintergrund des in den letzten Jahren stark wachsenden Online-Handels. Dieser fordert die stationären Händler heraus, denn sie müssen gegenüber dem Einkaufen vom Sofa aus einen Zusatznutzen bieten können, etwa persönliche Beratung oder Services wie Reparaturen. Dafür seien Kunden auch bereit, mehr zu zahlen. Gleichzeitig dürften Einzelhändler aber ihre Online-Präsenz nicht vernachlässigen, denn dort könnten die Kunden von zuhause aus im Produktsortiment stöbern, sich informieren und die gewünschte Ware dann im Laden anschauen oder dorthin bestellen. Vielen kleinen Händlern fehle für einen solchen Online-Shop aber das Know-how, die finanziellen Mittel und die Zeit.

Mit dem Omnikanal-Konzept richtet sich Brodos.net nicht nur an Mobilfunkhändler, sondern auch an andere Branchen wie Modeläden, Fahrradgeschäfte und Möbelhäuser. Latino ist sich sicher, mit diesem System ein Alleinstellungsmerkmal zu bieten, da es keine vergleichbaren Anbieter für eine solche kanalübergreifende Lösung für den Handel gebe. „Da die Basis für jedes funktionierende Omnichannel-System immer auch die tagesaktuellen Artikeldaten sind, kommt uns die Erfahrung im Anbinden von Lieferanten und Hersteller als Distributor zugute“.

Datolution: Clevere Brandmeldetechnik

Die Datolution GmbH in Erlangen stellt Software und Web-Anwendungen für Sicherheits- und Brandmeldetechnik her. Sie wurde vor vier Jahren aus der Schraner Holding GmbH in Erlangen ausgegründet, einem Hersteller von Brandschutztechnik. Der Grund hierfür sei der Trend zur Digitalisierung in der Sicherheits- und Brandmeldetechnik gewesen.

Zu den Produkten von Datolution gehört eine digitale mobile Leitzentrale, die den Rettungskräften eine schnelle Orientierung am Einsatzort ermöglichen soll. Dabei überträgt das System sogenannte Feuerwehrlaufkarten auf Smartphones oder Tablets und hilft so, die Melder und damit die Brandherde zu orten. So sind z. B. stille Alarmierungen in Einrichtungen wie Seniorenheimen möglich, um Unruhe unter den Gebäudeinsassen zu vermeiden und die Rettung ruhig durchführen zu können. Ein weiteres Produkt aus dem Hause Datolution ist ein System, mit dem sich Brandmeldeanlagen per Smartphone oder Tablet warten lassen. Dabei werden die für die Wartung relevanten Informationen von der Brandmeldezentrale generiert und auf das Endgerät des Technikers übertragen.

Die junge Firma, die von Dr. Verena Schraner geleitet wird, beschäftigt derzeit sieben Mitarbeiter und betreut mit ihren Produkten Kunden in Deutschland, Österreich und im europäischen Ausland. Die Schraner-Gruppe als Muttergesellschaft wiederum wurde vor 25 Jahren von Geschäftsführer Stefan Schraner gegründet. Zu ihren Produkten gehören u. a. Branddetektoren, Sprachalarmierungen, Signalgeber und Peripherietechnik für Feuerwehren bei Brandmeldeanlagen. Derzeit arbeiten rund 100 Beschäftigte bei dem Unternehmen, das für 2019 einen Umsatz von acht Mio. Euro erwartet.

Michael Müller Verlag: Reiselust analog und digital wecken

Das Erlanger Verlagshaus ist auf Reiseführer spezialisiert und erschließt sich damit Zielgruppen in der digitalen Welt.

Im Jahr 1979 machte sich der gelernte Kfz-Mechaniker Michael Müller per Anhalter nach Portugal auf, um seinen ersten Reiseführer zu schreiben. Das daraus entstandene Büchlein zum alternativen Reisen hatte ein entsprechendes Layout: Enge Schreibmaschinenschrift und handgezeichnete Skizzen prägten das Erscheinungsbild. Der Portugal-Führer war gegen Vorkasse per Scheck zu bekommen, angesichts des heute durchdigitalisierten Buchmarkts eine skurrile Vorstellung. Der Buchhandel habe damals abgewunken, für die sei es kein richtiges Buch gewesen, erinnert sich Müller. Aber es war der Anfang der Michael Müller Verlag GmbH in Erlangen, die zum Spezialisten für Individualreiseführer wurde.

Denn Müller war von seiner Idee überzeugt, abseits von vermeintlichen oder tatsächlichen Sehenswürdigkeiten viele praktische Tipps zum Reiseziel weiterzugeben. Auf diese Weise sollte auch ein Blick hinter die üblichen Touristenkulissen möglich sein. Zu den praktischen Gesichtspunkten gehörten beispielsweise Infos, in welchen portugiesischen Werkstätten man sein marodes Auto reparieren lassen konnte. Doch für den Autor, Verleger und Vertriebsmanager in Personalunion waren die ersten Jahre hart: „Ich hatte praktisch kein Geld“, erinnert sich der Firmengründer. Die Wende kam mit dem Reiseführer für Kreta, der ein paar Jahre später erschien und sich schnell als „Kreta-Bibel“ für Rucksack-Reisende mit Interrail-Ticket etablierte.

Im Rückblick nennt Müller auch den Einstieg in die digitale Welt vor zehn Jahren eine schwierige Zeit, als das Unternehmen erste Gehversuche mit einer Reise-App machte. Neben den Investitionskosten sei die Suche nach Informatikern eine Herausforderung gewesen: Sie seien von der Traditionsbranche Buchhandel nur schwer zu überzeugen gewesen. Mittlerweile hat der Verlag ein großes Spektrum an digitalen Angeboten aufgebaut: Im Zentrum steht die Mmtravel-App, über die man Zugriff auf 24 digitale Wander- und Stadtführer erhält. Außerdem gibt es über 150 E-Books im Sortiment. Sieben Programmierer beschäftigen sich mit der Transformation der Reiseführer in die Online-Welt und verbessern die Anwenderfreundlichkeit. Außerdem stellte der Verlag den Vertrieb der Reise-Apps um: Hatte er diese früher noch zum Kauf angeboten, können die Kunden sie je nach Bedarf für einen Monat oder länger gegen Bezahlung nutzen.

Digitale Produkte für den Kundennachwuchs

Die digitalen Produkte sollen auch die Zukunft des Verlags sichern, der seit 1989 seine Geschäfte von der ehemaligen Erlanger Gerberei aus betreibt. Bei den klassischen Buchkunden freut sich Müller über eine treue Leserschaft, allerdings altert sie kontinuierlich und es kommen wenig junge Käufer nach. Immerhin entwickle sich das Reisebuchgeschäft besser als der gesamte Buchmarkt. Um eine jüngere Kundschaft zu gewinnen und an das Haus zu binden, ergänzt das Online-Reiseportal des Verlags die bestehenden Produkte. Dort finden sich Reportagen abseits bekannter Routen, Neuigkeiten oder ein Forum, bei dem sich Reiselustige untereinander austauschen können. Auch ein eigenes Portal für Übernachtungen in Hotels, Herbergen, Ferienhäusern sowie auf Campingplätzen soll den Community-Gedanken stärken. Mit diesen digitalen Angeboten und Inhalten sieht sich Müller als führend im Reisebuchmarkt an.

In den letzten Jahren hatten die digitalen Aktivitäten des Verlags die Veröffentlichung neuer Reiseführer auf rund vier Titel pro Jahr zurückgehen lassen. In diesem Jahr sind u. a. mit Albanien, Oslo und Porto sieben neue Publikationen vorgesehen. Bei den neuen Titeln bediene man auch das zunehmende Interesse an Stadtführern, die allerdings in vergleichsweise kleinen Auflagen herausgegeben werden. Hinzu kommt die neue Reihe „Stadtabenteuer“, die sich auf Nischenthemen in den Städten konzentriert. Außerdem will Müller seinen Markennamen auf dem Gebiet der Fernreisen verstärken, im Weltmarkt mitmischen und dafür die beiden Reiseführer für die portugiesischen Ziele Lissabon und Porto ins Englische übersetzen.

Der Umsatz seines Unternehmens sei in den letzten Jahren stabil geblieben, aktuell beziffert Müller ihn auf sechs Mio. Euro. Der Anteil digitaler Produkte rangiere noch im einstelligen Prozentbereich, entwickle sich aber hoch dynamisch, so der Firmenchef. Derzeit hat er 20 Beschäftigte, darunter sieben Informatiker, sowie rund 80 freie Autoren, die für den Verlag arbeiten. Man sei auf der Suche nach weiteren Autoren, um Lücken im Verlagsprogramm zu schließen. Um einen Reiseführer zu erstellen, benötigten die Autoren viel Freiraum, denn ein Buch zu produzieren sei weniger planbar als beispielsweise ein Motorblock.

Pläne für die Zukunft

Der 66-jährige Müller selbst hat im letzten Jahr seine Frau Judit Ladik sowie Katharina Hokema als Geschäftsführerinnen an Bord geholt, um sich selbst zu entlasten. So war es möglich, dass er für die Aktualisierung des Porto-Führers – neben der Toskana sein zweites Spezialgebiet – zwei Monate vor Ort recherchieren und prüfen konnte. Er kenne in der zweitgrößten portugiesischen Stadt praktisch jedes Restaurant. Die nächsten zehn Jahre will er vornehmlich als Autor aktiv sein, als Verleger will er dagegen insbesondere den digitalen Kurs im Blick behalten.

Ein Generationswechsel ist allerdings noch offen. Seine beiden Kinder studieren Physik und Geografie, konkret soll es erst in zehn Jahren werden. Zunächst hatte Müller sich auch gefragt, ob er überhaupt angesichts des vermeintlichen Niedergangs des Produkts Buch seinen Kindern guten Gewissens einen Einstieg empfehlen könne. Das gedruckte Buch werde es aber immer geben, ist er sich sicher. Und mit dem Ausbau der Online-Angebote sehe er für seinen Verlag eine positive Zukunft.

Autor: tt.

Brakhoff Getränke: Inhaberwechsel nach 50 Jahren

Maria Brakhoff-Salzmann geht im Alter von 73 Jahren in den Ruhestand. Die von ihr gegründete Brakhoff Getränke und mehr GmbH in Erlangen-Frauenaurach wird unter dem bisherigen Firmennamen von den neuen Besitzern Martin Aman und Felix Merkle weitergeführt, die alle zwölf Beschäftigten übernehmen.

Das auf Wein spezialisierte Unternehmen wurde 1969 im Erlanger Ortsteil Geisberg gegründet und zog fünf Jahre später auf das jetzige Gelände in Frauenaurach um. 1983 ausgebaut und 1999 um eine Halle vergrößert, umfasst es heute 3 000 Quadratmeter Nutzfläche mit 550 Quadratmetern Verkaufsraum. Rund 2 000 Produkte finden sich im Sortiment, das vorwiegend aus Wein, Champagner und Spirituosen in hochwertiger Qualität besteht. Daher stammen die Abnehmer zum Großteil aus der gehobenen Gastronomie und Hotellerie im Umkreis von 40 Kilometern. Mit dem Verkauf an diese Kunden erzielt Brakhoff etwa 50 Prozent seines Umsatzes. Ein weiteres Viertel kommt aus dem Handel mit der Industrie, wo die Spezialitäten des Erlanger Unternehmens u. a. als Werbegeschenke gefragt sind. Für diese Kundengruppe gibt Brakhoff einen Präsentekatalog heraus, der in einer Auflage von 11 000 Exemplaren erscheint. Insgesamt zählt die Liste der Stammkunden etwa 800 Adressen. Abgesehen von diesen Vertriebswegen gehört auch der klassische Einzelhandel zum Geschäft, der auch Getränke wie Bier, Fruchtsaft und Mineralwasser abdeckt und auf den 20 Prozent des Umsatzes entfallen.

Die Nachfolger kennen sich vom Betriebswirtschaftsstudium in Augsburg und betreiben mit 15 Mitarbeitern eine ähnliche Firma im schwäbischen Buchloe, die sie vor vier Jahren übernommen haben. In der Branche kennt man die Inhaber der Aman & Merkle GmbH von einschlägigen Messen als Italien-Experten, die Liebe zum Wein übernahmen sie von ihren Vätern. Künftig wollen sie in Erlangen das Stammpublikum betreuen, aber auch junge Leute ansprechen, z. B. mit einer Hausmesse mit namhaften Winzern. „Wir hoffen auf vielfache Synergieeffekte, die wir aus beiden Standorten ziehen wollen“, sagt Aman.

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ug.

Sparkasse Erlangen: Dem Zinstief trotzen

Die Stadt- und Kreissparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach hat die Zahlen des ersten vollen Geschäftsjahrs seit der Fusion 2017 vorgestellt. Eine leichten Anstieg gab es demnach bei den Gesamteinlagen, die auf 5,1 Mrd. Euro wuchsen, und bei der Kreditvergabe, die auf 3,7 Mrd. Euro kletterte. Bei den Darlehenszusagen verbuchte das Institut einen Zuwachs um ein Drittel, darunter für 34 Existenzgründungen. Auch der Umsatz im Wertpapiergeschäft stieg um zehn Prozent auf 510 Mio. Euro an. Im Immobilienbereich wurden ein Drittel weniger Objekte vermittelt, dagegen verzeichnete die Sparkasse beim Bausparen nach eigenen Angaben ein Rekordjahr.

Beim Zinsgeschäft hat das Kreditinstitut ein Minus von 4,2 Mio. Euro eingefahren. Dies sei durch die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank verursacht. Allerdings konnte die Sparkasse diesen Rückgang durch eine Steigerung der Provisionserträge und durch die Senkung der Sach- und Personalkosten ausgleichen. So blieb das Ergebnis mit 8,5 Mio. Euro auf Vorjahresniveau, die Bilanzsumme wuchs auf knapp über sechs Mrd. Euro. Die Zahl der Beschäftigten ging auf knapp 980 zurück.

Die Sparkassen-Vorstände kritisierten bei der Vorstellung der Zahlen die Regulierungswut im Bankensektor, unter der auch ihr Haus leide. „Die Umsetzung der höheren Informations- und Transparenz- sowie Meldepflichten erfordert hohen Zeitaufwand und bindet erhebliche Mitarbeiterkapazitäten“, sagte Vorstandsvorsitzender Johannes von Hebel. „Die Komplexität und die schiere Menge der regulatorischen Anforderungen ist organisatorisch kaum noch leistbar.“ Dem Kostenblock will die Sparkasse mit intensiven Maßnahmen bei der Digitalisierung begegnen, z. B. mit Videoberatung oder Transaktionen per Sprachassistent.

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