Auto Berlacher: Auf Mercedes-Klassiker spezialisiert

Die Auto Berlacher GmbH in Erlangen blickt auf 50 Jahre Firmengeschichte zurück. Spezialisiert hat sich das von Ernst Berlacher gegründete Unternehmen auf Wartung und Reparatur sowie Restauration und Handel von Auto-Klassikern von Mercedes-Benz.

Dazu gehören Oldtimer aus den 50er- und 60er-Jahren und Youngtimer von den 70er bis Anfang der 2000er Jahre. Damit ist das Autohaus, das über 4 000 Fahrzeuge pro Jahr betreut, eine Anlaufstelle für Nostalgie-Fans aus der Metropolregion Nürnberg und dem gesamten Bundesgebiet. Seit 2019 ist Auto Berlacher einer von bundesweit 46 zertifizierten „Classic Partnern“ von Mercedes-Benz.

Der heutige Geschäftsführer Frank Minnich und Standortleiter Michael Stünzendörfer haben den Betrieb in den letzten zwei Jahren deutlich umgestaltet: So wurde eine zweite Fahrzeughalle für die Pflege und Aufbereitung der Oldtimer errichtet, der Bereich für den Kundenkontakt modernisiert und die Dialogannahme erneuert. Insgesamt wurde die Betriebsfläche um 30 Prozent erweitert. Auch beim Dienstleistungsangebot gibt es Neuerungen: So stellt die Erlanger Firma beispielsweise Leihtaxis für selbstständige Taxifahrer zur Verfügung, wenn sich ihr Fahrzeug wegen eines Unfallschadens in Reparatur befindet und daher nicht einsatzfähig ist. Aktuell beschäftigt Auto Berlacher knapp 20 Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende.

HempAge: Mode aus Hanf

Das Adelsdorfer Unternehmen setzt auf Kleidung aus einem Rohstoff, der in der Modebranche bisher wenig Beachtung findet.

Mode aus Hanf führt hierzulande ein Nischendasein. Das liegt daran, dass die Pflanze überwiegend mit illegalem Cannabiskonsum und Drogenkriminalität assoziiert wird. Das kritisiert Robert Hertel, Alleinvorstand der HempAge AG in Adelsdorf. Der Hanf-Pionier beschäftigt sich beruflich seit gut einem Vierteljahrhundert mit diesem Textilrohstoff. Aber auch die vielseitige Geschichte der Pflanze mit einjährigem Lebenszyklus hat es ihm angetan – immerhin wurde das Nutzgewächs schon vor Jahrtausenden kultiviert. Im mittelalterlichen Nürnberg verarbeitete die erste Papiermühle auch Hanffasern zu Papier, auf dem dann die Bibel gedruckt wurde. Entdeckertouren per Schiff waren ohne die Segel, Takelage und andere Seile aus dem gegen Salzwasser widerstandsfähigen Material nicht denkbar. Und selbst manche Könige, so weiß es Hertel, hätten sich in Gewänder aus Hanf gekleidet.

Sein Geschäft startete er Anfang der 1990er Jahre, als der gelernte Zentralheizungs- und Lüftungsbauer mit Freunden eine Firma gründete, mit der sie sogenannte Dritte-Welt-Produkte aus fairem Handel verkauften, u. a. auch Bekleidung aus Alpaka-Wolle. Ein paar Jahre später kamen Produkte aus Hanf dazu. Allerdings sei in der westlichen Welt mit dem Cannabisverbot in den 1940er Jahren die Verarbeitungstechnik weitgehend verloren gegangen, berichtet Hertel. In der Mode traten Baumwolle und Kunstfaser ihren Siegeszug an. In Rumänien fand er dagegen Mitte der 90er Jahre noch eine funktionierende Hanflandwirtschaft mit der dazugehörigen Verarbeitungsindustrie, die aber nach der Wende im Zuge der Privatisierung der Betriebe weitgehend vom Markt verschwunden sei: „Das Land spielt heute in diesem Bereich keine Rolle mehr.“

Auf der Suche nach Betrieben

1999 gründete Hertel, Jahrgang 1964, die HempAge AG als Modespezialisten für Hanf. Zugleich sollten unter dem Dach der AG Neuentwicklungen rund um Hanf gebündelt und das Netzwerken mit anderen nachhaltigen Firmen gestärkt werden. Anfang der 2000er Jahre entdeckte er zufällig im Norden Chinas eine Baumwollnäherei, die auch Hanf aus lokalem Anbau verarbeiten konnte. Zwar gibt es in Süden Chinas eine florierende Hanfindustrie, mit der war Hertel aber nicht zufrieden. Man durfte die Fabriken bis dato nicht selbst besuchen, erinnert er sich. Er wollte sich aber bei potenziellen Geschäftspartnern vor Ort überzeugen, ob seine ökologischen und sozialen Ansprüche auch eingehalten werden. Außerdem hatte er zuvor nur Stoffmuster bekommen, die entgegen der Angabe als reines Hanfprodukt nur rund ein Drittel Hanfgewebe enthielten. Die Stoffmuster des nordchinesischen Betriebes waren dagegen einwandfrei. Doch während die Produktion in Fernost anlief, kam es in der Heimat zu einem heftigen Konflikt: Eine Auseinandersetzung mit dem Aufsichtsratschef legte das Geschäft praktisch für Jahre lahm. „Wir waren wegen der Sperrminorität nicht handlungsfähig“, erklärt Hertel. Eine der Lektionen nach dieser Hängepartie ist für ihn, heute keine Beteiligungen mit Sperroptionen innerhalb der Gesellschaft mehr zuzulassen.

Im vergangenen Geschäftsjahr machte HempAge mit 16 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2,2 Mio. Euro, ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von gut zehn Prozent. Der Großteil des Geschäfts wird mit dem Einzelhandel gemacht. Rund zehn Prozent werden über den eigenen Online-Shop verkauft, der erst 2019 an den Start ging. Der digitale Vertriebskanal hat zwar in Corona-Zeiten zweistellig zugelegt, kann aber das Minus im stationären Handel nicht kompensieren. Staatliche Corona-Hilfe kommt für die kleine AG allerdings nicht in Frage. Eigentlich wollte der Vorstand in diesem Jahr auf einem naheliegenden Grundstück ein größeres Firmengebäude bauen – das Eigenkapital für den Bau muss jetzt als Puffer in der Krise herhalten.

Das Sortiment der bunten Ökohanf-Mode für Damen und Herren plus Accessoires umfasst rund 250 Artikel. Darunter findet sich auch ein besonders fein gewebter Schal aus Hanf. Das Garn ist so fein gesponnen, dass ein einziges Gramm Hanfgarn 40 Meter Länge erreicht. „Das fühlt sich an wie Seide“, schwärmt Hertel. Zudem lässt er aus chinesischer Rohware in Ungarn Socken und in Tunesien Jeans produzieren. Seine Vision zu der aktuell im Vergleich zu Baumwolle deutlich teureren Mode: „Jeder Schüler soll sich das einmal leisten können.“

Hertel führt das Geschäft nach seinen eigenen Wertvorstellungen. Ein Grund dafür ist ein prägendes Erlebnis beim Besuch einer südindischen Spinnerei in den 1990er Jahren: Mit dem Garn der Inder nähten soziale Initiativen Produkte für seine erste Firma. Doch bei dem Rundgang in dem Betrieb entdeckte er auch tote Arbeiter, an denen sich keiner störte. „Das war eine traumatische Erfahrung“, sagt er. Sie bestärkte Hertel in seinem fairen Handels- und Lieferkettenansatz: 2009 wird HempAge das zweite Mitglied der „Fair Wear Foundation“ in Deutschland. In dieser Stiftung arbeiten Bekleidungsunternehmen und Nichtregierungsorganisationen zusammen, um faire Arbeitsbedingungen entlang der Wertschöpfungskette bei der Textilproduktion rund um den Globus zu schaffen.

Potenzial von Hanf aufzeigen

Hertel sieht sich selbst weniger als Kaufmann, sondern als Techniker, auch wenn er vor seiner Ausbildung die beiden Studiengänge Maschinenbau und Bauingenieur abgebrochen hat. Er beschäftigt sich mit der Maschinentechnik, die quasi auf dem Stand von vor über 70 Jahren stehen geblieben ist. HempAge würde zwar gern in Europa produzieren, aber moderne Strickmaschinen laufen nur mit einem Hanf-Kunstfasergemisch. Den Einstieg in die Produktion mit Hanf und recyceltem Polyester verwirft er aus ökologischen Gründen, weil sich beim Waschen zu viele Plastikfasern lösen.

Zu HempAge gehört auch eine Minderheitsbeteiligung an der Bast und Faser GmbH in Adelsdorf, eine Art Denkfabrik für Hanfprodukte. „Wir wollen das Potenzial von Hanf für die Wirtschaft aufzeigen“, sagt Hertel. So wurde aktuell ein Prototyp für eine Maschine entwickelt, mit der sich bei einer Hanfpflanze vollautomatisch das äußere Fasermaterial schonend vom hölzernen Kern trennen lässt. Außerdem wird an einem Hanfverbundwerkstoff für die Automobilindustrie getüftelt. Dieser habe wegen seiner robusten Faserstruktur Vorteile gegenüber Glasfaser- oder Carbonbauteilen, weil Hanf sich zwar verforme, aber nicht splittere. Hertel will außerdem die Möglichkeiten von Hanf als Baumaterial demonstrieren, beispielsweise als Hanfdämmung, -ziegel oder auch -gips. Der anstehende Neubau des Firmengebäudes ist dafür eine gute Gelegenheit.

Autor:

tt.

Siemens Healthineers: Im Dienst der Medizin

Die Erlanger Siemens Healthineers AG stellt in der Corona-Krise Technologie, Innovation und Know-how bereit.

Seit Monaten schränkt das Corona-Virus das öffentliche Leben in Deutschland ein. Weder ein bewiesenermaßen wirksames Gegenmittel noch ein zugelassener Impfstoff existieren bisher. Die Furcht vor einer zweiten Infektionswelle bremst Teile der Wirtschaft aus. Während Betriebe einerseits trotz staatlicher Hilfe von Insolvenz bedroht sind, erleben andere eine gestiegene Nachfrage nach ihren Produkten – auch in Mittelfranken.

Eines dieser Unternehmen ist die Siemens Healthineers AG mit Sitz in Erlangen. Im April beauftragte das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege den mit gut 53 000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 14,5 Mrd. Euro (2019) weltweit führenden Hersteller für Medizintechnik mit der Ausstattung bayerischer Krankenhäuser. Zuvor hatte die Staatsregierung beschlossen, die Kapazitäten zur Diagnostik und Therapie von Covid-19-Patienten massiv aufzustocken.

„Dort zu unterstützen, wo immer wir können, um die so wichtige technologische Infrastruktur unserer Kunden aufrecht zu erhalten und weiterzuentwickeln, ist in der aktuellen Situation das oberste Ziel unseres Unternehmens“, bekräftigt Bernd Ohnesorge, Leiter Europa, Mittlerer Osten und Afrika bei der Siemens Healthineers AG. Neben Computertomographen (CT), mobilen Röntgengeräten und Blutgas-Analysesystemen lieferten die Mittelfranken auch molekulardiagnostische Tests zur Erkennung des Erregers Sars-CoV-2 an Kliniken im Freistaat.

Weltweite Nachfrage

Der Ausbau der medizinischen Infrastruktur erweist sich im Kampf gegen Corona als einer der zentralen Hebel, um das Virus besser kontrollieren zu können. Aus diesem Grund hat die Landesregierung unter Führung von Ministerpräsident Dr. Markus Söder der Ausstattung von Kliniken und Laboren hohe Priorität eingeräumt.

Die Healthineers sind dabei zu einem wichtigen Akteur in der Corona-Pandemie geworden – und zwar weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Mit den CT-Scannern des Global Players etwa überwachen Ärzte die Lungen von schwer erkrankten Patienten in Österreich, Portugal, dem Vereinigten Königreich und Polen. In China, wo Ende vergangenen Jahres die ersten Infektionen mit dem neuartigen Corona-Virus bekannt geworden waren, kamen die Geräte schon zu Beginn der Pandemie zum Einsatz.

Per Knopfdruck können mithilfe der Scanner in Sekundenschnelle Aufnahmen des Brustkorbs angefertigt und so Erkenntnisse über den Gesundheitszustand von Erkrankten gewonnen werden, teilt das Unternehmen mit. Eine mobile Ausführung erlaubt es zudem, infizierte und nichtinfizierte Patienten räumlich voneinander getrennt zu untersuchen, wodurch das Risiko einer Ansteckung sinke. Und auch der nötige Sicherheitsabstand zum medizinischen Personal bleibt gewahrt: Die Computertomographen lassen sich per Tablet aus der Ferne bedienen.

Schneller Virus-Nachweis

Doch um Covid-19 zu beherrschen, ist bei der Behandlung bereits erkrankter Personen nicht allein modernes Equipment gefragt. Als für Forscher und Behörden nicht minder bedeutsam gelten im Verdachtsfall effiziente Tests auf den Erreger der Krankheit. Laut Robert-Koch-Institut dauerte es bislang zwischen vier und fünf Stunden, Sars-CoV-2 im Labor nachzuweisen. Dass das schneller gehen kann, beweisen die Healthineers mit gleich mehreren Innovationen.

Ein vom eigenen Tochterunternehmen Fast Track Diagnostics mit Sitz in Luxemburg entwickelter Schnelltest auf das Virus liefert ein valides Ergebnis schon in zwei bis drei Stunden – und damit einen wertvollen Zeitgewinn, der sowohl bei der Behandlung als auch dem Verständigen von Kontaktpersonen von Infizierten relevant sein kann.

„Wir wollen einen Beitrag zur Bekämpfung der aktuellen globalen Covid-19-Pandemie leisten, indem wir einen schnellen und genauen Sars-CoV-2-Test bereitstellen“, erklärt Sebastian Kronmüller, Leiter Molekulardiagnostik bei Siemens Healthineers. Mittlerweile ist der Anfang April vorgestellte Test für den klinischen Betrieb in der Europäischen Union zugelassen. Er soll Fachpersonal in Krankenhäusern als Entscheidungsbasis für  die notwendige Behandlung dienen.

25 Mio. Tests pro Monat

Mit welcher Triebkraft und Geschwindigkeit die Healthineers in der Corona-Krise Entwicklungsarbeit leisten, zeigt die Bekanntmachung eines weiteren Tests zur Feststellung von Virus-Antikörpern im Blut. Ab Ende Mai soll er verfügbar sein und binnen 14 Minuten Aufschluss über das Vorliegen einer Covid-19-Infektion geben. Mit der Erweiterung der Produktionskapazitäten sei es möglich, ab Juni rund 25 Mio. Tests pro Monat herzustellen, um künftig noch mehr Menschen in kurzer Zeit auf das Virus testen zu können. „Unser Anspruch, Innovationen voranzutreiben, damit Menschen gesünder und länger leben, ist heute gültiger denn je“, beschreibt Bernd Montag, CEO der Siemens Healthineers AG, die Rolle des Medizintechnikunternehmens in der Krise.

Dass die Erlanger der Corona-Krise bisher nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich trotzen, belegen die aktuellen Geschäftszahlen. So stieg der Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2019/2020 um 3,3 Prozent. Deutliche Zuwächse verzeichneten die Healthineers in den Bereichen Bildgebung und „Advanced Therapies“, zu denen beispielsweise Verfahren zur Bildübertragung während einer Operation gehören. Sie stehen einem krisenbedingten Minus im Segment Diagnostics gegenüber.

Wohin die Reise in den kommenden Monaten führt, ist auch abhängig vom Verlauf der Corona-Pandemie. Wie lange diese die Welt noch beschäftigen wird, können derzeit selbst Experten nicht seriös vorhersagen. International forschen Wissenschaftler mit Hochdruck nach Lösungen, um die Krankheit zu überwinden. Dabei ist weiterhin Geduld gefragt – und das Know-how von Siemens Healthineers.

Autor: ch.

Method Park: Neueinstellungen trotz Corona

Das Erlanger Software- und Systemhaus Method Park Holding AG hat seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr auf über 21 Mio. Euro gesteigert. Das entspricht einem Plus von 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Grund waren die deutlich gestiegenen Umsätze mit Engineering-Dienstleistungen, die Umsatzsteigerungen auf dem US-Markt sowie die Verdopplung der Erlöse mit Inhouse-Trainings. Vom Gesamtumsatz erwirtschaftete der Unternehmensbereich „Products“ 28 Prozent, bei „Training & Consulting“ waren es 32 Prozent. Der Umsatzanteil des Engineering-Bereichs wuchs auf 40 Prozent.

Deutschland bleibt für Method Park der Kernmarkt: Mit knapp 14 Mio. Euro erzielte die Gruppe hier im vergangenen Jahr fast 70 Prozent seines Umsatzes. Großbritannien folgte auf dem zweiten Platz mit rund 2,3 Mio. Euro, was einem Umsatzanteil von elf Prozent entspricht. In den USA waren es rund zwei Mio. Euro und damit zehn Prozent. Auf dem asiatischen Markt legte Method Park vor allem in Südkorea zu, wo der Umsatz um 83 Prozent stieg. Das Erlanger Unternehmen wolle sein Engagement in Asien ausbauen, erklärte Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Bernd Hindel.

Das Software-Haus ist mit einem guten Auftragsbestand von mehr als neun Mio. Euro in das Geschäftsjahr 2020 gestartet. „Gerade in der momentanen Situation gibt uns dieses Auftragspolster die Gewissheit, dass Method Park krisenfest aufgestellt ist“, sagte Finanzvorstand Robin Hees. Um das Wachstum von 2019 fortzusetzen, plant das Unternehmen trotz der Corona-Krise auch im laufenden Jahr weitere Neueinstellungen. Zum Ende des vergangenen Jahres arbeiteten rund 200 Beschäftigte bei dem IT-Dienstleister.

Proleit: Franzosen übernehmen Experten für Prozessleittechnik

Der französische Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric SE übernimmt – vorbehaltlich der kartellrechtlichen Prüfung – die Herzogenauracher Proleit AG.

Peter Herweck, seit 2016 Vorstand des Schneider-Geschäftsbereichs Industrie, will dadurch dessen Konsumgüter-Segment optimieren. Er war früher bei Siemens tätig, zuletzt als Vorstandsvorsitzender der Division „Process Industries & Drives“. In Deutschland zählt der Konzern aus dem Nachbarland knapp 5 000 Beschäftigte in 15 Gesellschaften und Standorten. Weltweit arbeiten rund 135 000 Mitarbeiter bei Schneider, wo in der elektrischen Energieverteilung und industriellen Automation zuletzt 27,2 Mrd. Euro umgesetzt wurden.

Wolfgang Ebster und Manfred Czepl hatten Proleit 1986 in Erlangen gegründet, sind sechs Jahre später nach Herzogenaurach umgezogen und haben das Unternehmen zu einem der führenden Hersteller von Prozessleittechnik und Steuerungssoftware insbesondere für Brauereien aufgebaut. Aber auch die weitere Getränkeindustrie, Großbäckereien und Hersteller von Kosmetik und Reinigungsmittel sowie von Farben und Lacken zählen zum Kundenstamm. Von Proleit entwickelte Software-Lösungen kommen in über hundert Ländern in der automatisierten Produktion zum Einsatz – beispielsweise bei Coca-Cola, Danone, Müllermilch, Bayer, Heineken, Henkel und Unilever. „Die konsequente Fokussierung auf die Technologien der Kunden und die Spezialisierung auf wenige Kernbranchen sind das Geheimnis unseres Erfolgs“, sagt Ebster. Proleit erzielt mit weltweit rund 570 Beschäftigten einen Umsatz von rund 50 Mio. Euro. In Deutschland hat das Unternehmen vier Standorte in Leverkusen, Halle/Saale, Hannover und Kitzingen. Weitere zehn Dependancen und Tochtergesellschaften gibt es in den USA, den Niederlanden, Ukraine, Mexiko, Russland, Brasilien, Spanien, China und Bulgarien.

Quasi als vorzeitige Morgengabe haben Ebster und Czepl, die bislang rund 85 Prozent der Anteile halten, einen Neubau in die Transaktion eingebracht: Sie vergrößerten im September 2018 die Firmenzentrale in Herzogenaurach durch ein zehn Mio. Euro teures zusätzliches Bürogebäude auf insgesamt knapp 7 000 Quadratmeter Nutzfläche

Autor: ug.

Astrum: Erlanger IT-Tüftler

Von Medizintechnik bis Besuchermanagement: Das Software-Haus ist auf vielen Feldern aktiv.

Das Spektrum an Innovationen, das die Astrum IT GmbH in Erlangen schon hervorgebracht hat, kann sich sehen lassen: Es reicht von der Roboterplattform für autistische Kinder bis zum digitalen Besuchermanagementsystem. 1992 gegründet, kann die Firma als Software-Entwicklungspartner mittlerweile einen reichen Erfahrungsschatz vorweisen. Diesen setzt das Unternehmen nicht nur in der Gesundheits-, Medizin- und Messtechnik ein; auch Anwendungen für Verwaltung und Management gehören zum Portfolio. Zudem entwickelt Astrum IT Software und bietet Services wie Hosting, Beratung sowie Betrieb. Dabei realisiert die Firma  individuelle Kundenprojekte ebenso wie eigene Standardprodukte. Das IT-Haus berät seine Kunden außerdem rund um die Themen Künstliche Intelligenz, Informationssicherheit, Gebrauchstauglichkeit sowie Geschäftsanalytik und unterstützt seine Kunden dabei, Software-Prozesse und –produkte operativ umzusetzen. Damit ist Astrum u. a. in Branchen wie der Automobilindustrie und im öffentlichen Sektor aktiv.

Für Geschäftsführer Gerhard Pölz liegt der Vorteil der breiten Palette auf der Hand: „Unsere Kunden profitieren von dem praktischen Know-how, das die hausinterne Entwicklung mit sich bringt.“ Dabei arbeiten die rund 150 Beschäftigten auch mit Universitäten und Kliniken im Rahmen wissenschaftlicher Forschungsprojekte zusammen. „Wir denken Software vom Wirkungsgrad und vom Wertschöpfungspotenzial her“, erklärt Pölz sein Schlagwort von der „digitalen Vitalität“, mit der sich das Unternehmen von der Vielzahl an Software entwickelnden Wettbewerbern abheben will.

Der Erfolg der GmbH, die pro Jahr rund 13 Mio. Euro umsetzt, ist eng verbunden mit dem Gründer Walter Greul, der im Dezember 2019 in den Ruhestand gegangen ist. Der Diplom-Informatiker begann mit einem Start-up im IGZ Innovations- und Gründerzentrum Nürnberg-Fürth-Erlangen, wo er ein System zur Personaleinsatzplanung entwickelte. Greul erntete zahlreichen Ehrungen: 1996 der IHK-Gründerpreis Mittelfranken, 1997 Finalist „Entrepreneur des Jahres“, 1999 Job-Star der „Region Nürnberg“ für überdurchschnittliches Engagement bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, 2002 Bundesverdienstkreuz, 2014 Erlanger Medizinpreis, 2015 Bayerischer Innovationspreis. 1998 wurde der Grundstein für die neue Firmenzentrale im Gewerbegebiet Erlangen-Tennenlohe gelegt, drei Jahre später wurde die Immobilie bezogen. Auch die früheren Ministerpräsidenten Dr. Edmund
Stoiber und Dr. Günther Beckstein waren schon zu Besuch und informierten sich über das Leistungsspektrum der Firma. Zudem war Greul von 2006 bis 2012 Mitglied im Mittelstandsausschuss des DIHK und lange Jahre Laudator, Sponsor und Jurymitglied des alljährlich vergebenen IHK-Gründerpreises Mittelfranken.

Innovationen im Medizinbereich

Als zertifizierter Entwicklungspartner für Medizinprodukte legen die IT-Spezialisten von Astrum großen Wert auf den sicheren Umgang mit sensiblen Daten. Davon profitierten Kundenprojekte ebenso wie Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist der elektronische Medikationsplan („eMediPlan“), über den alle angeschlossenen Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser die wichtigsten Fakten abrufen können, bis hin zu Apps für Tablet-PCs im Krankenwagen. Die Anwendung erfasst Wechselwirkungen bei der Medikamenteneinnahme und wurde im Nachgang des Lipobay-Skandals Anfang der 2000er Jahre in einer Testphase entwickelt, u. a. mit dem Klinikum Fürth, der Ärztegenossenschaft Mittelfranken und den Pharmawissenschaftlern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Im Verbund mit dem Fraunhofer-Institut IIS und in Partnerschaft mit der Berliner Humboldt-Universität sowie der FAU, wird im Projekt „Erik“ eine Roboterplattform entwickelt, die dabei helfen soll, sich mit autistischen Kindern auszutauschen. Das Verstehen von Signalen wie Gesichtsausdrücken und Stimmenveränderungen ist bei solchen Kindern beeinträchtigt. Sie können dadurch andere Menschen schwer einschätzen, nehmen aber Roboter als vorhersehbar und weniger komplex wahr. Der Roboter „Pepper“ – bei dem Astrum die Datenintegration und -aufbereitung, das Dashboard und die Oberflächen-Umsetzung entwickelt – therapiert die Kommunikationsfähigkeit, erfasst Mimik und Sprache, interpretiert die Signale und leitet Emotionen ab. „Mittels Gesten und Augenbewegungen kann Pepper lebensnah mit Kindern interagieren, wobei Ängste im Umgang mit Menschen reduziert werden“, erklärt Sandra Höck, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Astrum. Das Bundesforschungsministerium übernimmt 92 Prozent der Kosten des Projekts, das über eine dreijährige Laufzeit bis August 2021 angesetzt ist.

Besucherströme managen

Zu einem besonderen Verkaufserfolg ist inzwischen das Besuchermanagementsystem „Visit“ von Astrum geworden. Es hilft Unternehmen dabei, den Überblick zu behalten, wer sich auf dem Betriebsgelände befindet, um unbefugte Personen vom Zutritt abzuhalten und Mitarbeiter und Eigentum zu schützen. Die Anmeldung und Unterweisung erfolgt über ein Bedienterminal oder per Online-Check-in. „Das System kann sowohl mit vorangemeldeten als auch mit spontanen Besuchern umgehen und berücksichtigt ebenso unterschiedliche Szenarien wie auch die individuellen Anforderungen eines Standorts“, sagt Pölz. Bei Bedarf werden etwaige Sanktionslisten geprüft und Ausweise zur Zutrittsberechtigung gedruckt – alles ohne Personaleinsatz. Das System vereint 24 Sprachen – von Arabisch bis Chinesisch – in sich, was sich gerade bei Anlieferungen durch Speditionen aus dem Ausland als Vorteil erweist. „Visit“ wird von Kunden wie Siemens, Infineon, Thyssen-Krupp und Bosch eingesetzt.

Seit 2009 sind rund 20 Mitarbeiter in den Büros in München und Augsburg tätig und kümmern sich u. a. um ein Mitglieder-Management-System für Ärzte, Kammern und Pflegedienste. Sein soziales  Engagement zeigt das Unternehmen auf vielfältige Weise in Erlangen, indem es z. B. die Tagespflege am Ohmplatz, das Ronald-McDonald-Haus, die Alexander-Beck-Kinderfonds-Stiftung und den HC Erlangen unterstützt. Für den Handball-Bundesligisten wirkt Astrum als IT-Supporter und betreut die Infrastruktur des Vereins.

Autor:ug.

Nägel Ideen & Events: Veranstaltungsspezialist aus Erlangen

Das Unternehmen kümmert sich u. a. um Catering und Gastronomie, Technik sowie Veranstaltungslogistik und -organisation.

Wer eine Konferenz, Messe, Preisverleihung oder Firmenfeier durchführen möchte, muss sich dafür oft an viele verschiedene Dienstleister wenden: die Vermieter der Veranstaltungshalle, Künstleragenturen, Catering-Unternehmen und Firmen für die Ton- und Lichttechnik sind einige davon. Bei der Nägel Ideen und Events GmbH & Co. KG in Erlangen bekommt man diese Dienstleistungen aus einer Hand. Das Unternehmen kümmert sich u. a. um Catering und Gastronomie, Technik sowie Veranstaltungslogistik und -organisation.

Die Firma betreut mehrere Veranstaltungsorte in und um Erlangen: Heinrich-Lades-Halle, Redoutensaal, Nägelhof und Schloss Atzelsberg in Marloffstein. Bei letzterem hatte Nägel Ideen & Events im April vergangenen Jahres einen neuen Biergarten und im November das bis dahin leer stehende Atzelsberger Gasthaus wieder eröffnet. Aber auch außerhalb der eigenen Veranstaltungsorte bietet die Firma Nägel ihre Caterings und Veranstaltungsservices an.

Das Unternehmen entstand 1992, als die Brüder Hubert und Norbert Nägel einen Partyservice und eine Metzgerei unter dem Namen Nägelhof OHG gründeten. In den darauffolgenden Jahren betrieben sie mehrere Restaurants in Erlangen und Herzogenaurach. Hubert Nägel, der auch Mitglied im IHK-Gremium Erlangen ist, wurde 2008 Geschäftsführer der Erlanger Kongress- und Marketing GmbH und übernahm diese 2011. Seitdem trägt das Unternehmen auch den heutigen Namen „Nägel Ideen & Events“. Sein Bruder Norbert zog sich schließlich 2018 aus der Firma zurück, seitdem ist er alleiniger Geschäftsführer.

Aktuell arbeiten 50 feste Mitarbeiter und 150 Aushilfen bei dem Erlanger Veranstaltungsdienstleister. Über Fachkräftemangel kann sich Hubert Nägel entgegen vieler Klagen in der Gastronomiebranche nicht beschweren. „Wir müssen uns da ein Stück weit verändern und die Stellen auch mal um die Bewerber herum basteln“, sagt er und meint damit, dass die Stellenprofile an die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst werden sollten. Sein Unternehmen betreibe zudem aktiv Personalentwicklung, gehe an Schulen und informiere über die Jobangebote. Außerdem glaubt Nägel, dass die 16 Nationalitäten seiner Beschäftigten das Unternehmen auch weltoffener gemacht haben: „Wir sind dadurch nicht mehr so festgefahren und probieren neue Dinge aus.“

Eisert: Erlanger Institution für Mode und Sport

Die Modehaus Eisert GmbH in Erlangen kann in diesem Jahr auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken. Das Unternehmen entstand 1919, als die Kaufleute Ludwig und Margarete Eisert einen Großhandel für Weiß-, Woll- und Kurzwaren in der Hauptstraße gründeten, dem fünf Jahre später das erste Ladengeschäft folgte.

1949 eröffnete die erste Sport-Filiale als Herren- und Sportartikelgeschäft, ebenfalls in der Hauptstraße. Zehn Jahre später entstand der Neubau des Textil- & Sporthaus Eisert am heutigen Standort in der Hauptstraße 1, nun allerdings unter der Geschäftsführung von Fritz Hennes, dem Sohn der Firmengründerin, und damit in der zweiten Generation.

Der dritte Generationswechsel erfolgte 1973, als dessen Tochter Heidi Menapace und ihr Ehemann Horst Menapace gemeinsam die Nachfolge antraten. 1991 baute Eisert das Stammhaus grundlegend um, zudem trat mit Thilo Menapace die vierte Generation des Familienunternehmens die Geschäftsführung an. Im Lauf der 90er Jahre öffneten weitere Niederlassungen in Herzogenaurach und Erlangen, darunter das Sportfachhandelsgeschäft Intersport Eisert GmbH in der Sedanstraße mit 2 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Anja Menapace folgte ihrem Bruder Thilo 1997 in die Geschäftsführung. Eine besondere Ehre wurde der Erlanger Firma 2004 zuteil, als sie vom Handelsverband Bayern als „Unternehmen des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

Ein Schicksalsschlag ereilte die Unternehmerfamilie Ende 2011, als Thilo Menapace plötzlich verstarb. Christian Bier, Ehemann von Anja Menapace, trat daraufhin 2012 in die Geschäftsführung ein. Unter seiner Leitung reagierte Eisert in den folgenden Jahren auf das veränderte Kundenverhalten sowie die zunehmende Digitalisierung in der Branche: 2014 startete das Unternehmen, bei dem aktuell rund 100 Mitarbeiter arbeiten, einen Online-Shop für Intersport und verpasste heuer der Webseite des Modehauses einen neuen Anstrich.

Nutricia: Astronautenkost im Permafrost

Ihre Produkte ernährten schon Grönland-Abenteurer – heute ist die Erlanger Firma auf medizinische Nahrungsmittel spezialisiert.

Drei Südtiroler Bergsteiger starteten 1983 ein waghalsiges, ja lebensgefährliches Abenteuer: Als erste Menschen durchquerten sie, ganz ohne externe Hilfsmittel, das grönländische Inlandeis an seiner breitesten Stelle. 88 Tage lang gab es an der 1 400 Kilometer langen Strecke keinerlei Ansiedlung, kein Versorgungsdepot – nur eine einzige weiße Eiswüste, im Extremfall mit minus 73 Grad Gefrierschrank-Kälte und 300 Stundenkilometern Hurrikan-Windgeschwindigkeit. Sie überlebten, wie fünf Jahre später zwei weitere Bergsteiger-Kollegen, dank ihres einzigen Proviants, den sie dabei hatten: Biosorbin MCT, eine synthetische Nahrung von Pfrimmer, älteren Erlangern bekannt als traditionsreiche einheimische Pharma-Firma. Sie war 1919 von Jacques Pfrimmer in Nürnberg gegründet worden. Nachdem die Fabrikanlage 1943 zerstört wurde, siedelte er das Unternehmen acht Jahre später nach Erlangen um. Das Nachfolgeunternehmen Nutricia, heute im Erlanger Röthelheimpark beheimatet, feiert deshalb in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen.

An Pfrimmer, das ursprünglich chirurgisches Nahtmaterial hergestellt hatte, erinnern medizinische Meilensteine: Ein Beispiel ist Tutofusin, das 1925 als erste industriell hergestellte Blutersatzlösung der Welt produziert wurde. Entwickelt wurde sie in Zusammenarbeit mit Prof. Wolfgang Weichardt, dem damaligen Bakteriologen der Erlanger Universität. Unzählige Verwundete des Zweiten Weltkriegs dürften dieser Infusionslösung ihr Leben verdanken. Dann wandte sich Pfrimmer der enteralen Ernährung zu und schuf schließlich 1959 mit Aminofusin eine Nährlösung für Kliniken im In- und Ausland. Darauf wurde die US-amerikanische Weltraumbehörde Nasa aufmerksam und interessierte sich Mitte der 60er Jahre für eine spezielle Trinknahrung, die Reisende im Weltall auf langen Flügen und unter Extrembedingungen mit allen nötigen Nährstoffen versorgen sollte. Es war die Geburtsstunde der sogenannten Astronautenkost.

Grundlage für Sondennahrung

Die Pfrimmer-Entwicklung fand zwar nie Anwendung in der Raumfahrt, denn sie soll wegen des unangenehmen Geschmacks von den Astronauten abgelehnt worden sein. Doch sie schuf die Grundlage für die moderne medizinische Trink- und Sondennahrung. 1969 wurde Vivasorb als erstes Präparat zur Verwendung in der enteralen Ernährung in Deutschland eingesetzt. In Wasser gelöst, lieferte ein Päckchen 300 Kalorien. Heute ist die künstliche Ernährung ein essenzieller Bestandteil, wenn man Patienten erfolgreich behandeln bzw. ihre Therapie möglichst positiv gestalten will, die nicht ausreichend essen können, dürfen oder wollen. Dazu gehören Menschen mit Stoffwechselstörungen oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Krebskranke und Pflegebedürftige. Grundsätzlich werden Patienten dem Unternehmen zufolge immer dann enteral ernährt, wenn die normale orale Nahrungsaufnahme nicht oder nur teilweise möglich ist. So leiden etwa 1,5 Mio. Menschen in Deutschland, vor allem Alte und chronisch Kranke, unter einer Mangelernährung. Nutricia liefert hierfür das Gegenmittel. Auch der Raucher-Entwöhnungskaugummi „Nicorette“ entstammt den Labors in Erlangen. 2009 kam die Fortimel Compact Trinknahrung mit der damals höchsten Energiedichte auf den Markt: 2,4 Kilokalorien pro Milliliter. 2018 folgte eine weitere Innovation mit einer Spezialnahrung für Säuglinge mit Kuhmilchprotein-Allergie („Neocate Syneo“).

Pfrimmer ging 1991 mit der holländischen Nutricia-Gruppe zusammen, seit 2007 gehört es zur medizinischen Sparte des Danone-Konzerns, der zuletzt insgesamt 24,7 Mrd. Euro umsetzte und in über 50 Ländern weltweit vertreten ist. Ebenfalls 1991 zog das Unternehmen von der Hofmannstraße nach Tennenlohe, 2011 bezog es dann den aktuellen Standort im Röthelheimpark. Hier arbeiten neben den Geschäftsführern Ulrich Zihla und Steffen Iff etwa 200 der insgesamt 400 Beschäftigten in Deutschland, die zusammen einen Umsatz von 120 Mio. Euro erzielen.

Große Chancen für Ernährungsprodukte

Sie wirken in Erlangen im Vertrieb, aber auch im seit 1986 bestehenden Ernährungsteam mit heute 55 Personen, das gemeinsam mit Angehörigen, Ärzten und Pflegekräften die Patientenversorgung sicherstellt. Es unterstützt alle Beteiligten bei der Erstellung von Ernährungsempfehlungen, erleichtert das Entlassungsmanagement in Kliniken und sichert so einen reibungslosen Übergang in den ambulanten Bereich. Eine halbe Mio. Menschen sind in Deutschland zwingend auf enterale Ernährungsprodukte angewiesen. Die Zahl der Betroffenen steigt weiter an, darauf weist schon die demografische Entwicklung hin. Das wiederum eröffnet dem Unternehmen im Hinblick auf seine wirtschaftliche Zukunft große Chancen.

Im konzerneigenen Forschungszentrum in Utrecht arbeiten mehr als 400 Mitarbeiter, die sich auf die Therapiefelder Onkologie, Gebrechlichkeit, Schlaganfall, Intensivmedizin, Alzheimer und Kinderheilkunde mit Gedeihstörung und Epilepsie konzentrieren. Die Nutricia GmbH unterhält darüber hinaus eine eigene Akademie und bietet damit ein breites Seminarangebot für Angehörige entsprechender Fachdisziplinen. Sie lobt seit 2002 jährlich – auch zu Ehren der wissenschaftlichen Arbeit von Werner Fekl, der von 1957 an fast 30 Jahre lang wissenschaftlicher und technischer Leiter von Pfrimmer war – den Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler im Bereich klinische Ernährung aus. Der Preis ist mit 5 000 Euro dotiert und wird in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin und der Gesellschaft für klinische Ernährung der Schweiz verliehen.

Autor: (ug.)

Der Beck: Der Weggla-Riese

Das Erlanger Unternehmen gehört zu den 30 größten Backwaren-Filialisten in Deutschland und hat dafür seine ganz eigenen Erfolgsrezepte.

Es begann einst mit der 1895 gegründeten Bäckerei Ziegler in Tennenlohe. Aus dieser entstand „Der Beck“ in Erlangen, einer der größten Gastrobetriebe in Deutschland, und die Inhaberfamilie Beck baut das Unternehmen weiter aus: Es verzeichnet jährlich wachsende Umsatzzahlen, zuletzt 87 Mio. Euro im Jahr und betreibt rund 150 Filialen mit inzwischen 1 550 Beschäftigten, davon 1 250 im Verkauf und 88 als Bäcker. Der Erlanger Großbetrieb setzt mit seinen Filialen sowie der Marke „Casa Pane“ in Nürnberg, Erlangen und Fürth und demnächst Forchheim allein 28 Mio. Euro um. Zusätzliche drei Mio. generieren sieben Standorte der Tochterfirma „Mr. Bleck Coffeeshop“.

Der Warenumschlag ist enorm: Pro Stunde können 6 300 Brezen produziert werden, täglich 92 500 Semmeln und 59 000 Teile Kleingebäck, allein am Faschingsdienstag 150 000 Krapfen. 27 000 Brote in bis zu 28 verschiedenen Sorten – vom fränkischen Bauernlaib bis zum Bamberger Rustikus, vom Dinkelvollkorn- bis zum Roggen-Buchweizenbrot, vom Ciabatta bis zum dänischen Kernebröd, vom Nussknacker bis zum Gassenhauer, vom Walliser Dinkelwurz bis zum Käsefreund mit Aprikosen. Diese und andere Sorten wurden jeweils bei sogenannten „Genussaktionen“ angeboten, um die Resonanz bei den Kunden zu testen. Die Backwaren werden von der Lkw-Flotte über 25 Touren in die Filialen gebracht – dazu selbstproduziertes Eis, Zutaten für das Snack-Angebot sowie Getränke. Das Bäckereiunternehmen wartet immer wieder mit Innovationen auf. So versucht es sich ständig an neuen Produkten und greift Geschmackstrends auf, z. B. Bagels oder Muffins. Siegfried Beck weiß um die Vorbehalte gegenüber Fließbandprodukten, pocht aber gerade deswegen auf Qualität. Denn bei großen Mengen ließen sich Gewürze, Körner, Mehlanteile und Backzeiten am besten ausbalancieren. „Ein Bäcker muss gut, ehrlich und konsequent sein, dann kommt er auch weiter“, sagt der Geschäftsführer. „Und du musst immer einen Schritt schneller laufen, um vorne zu bleiben.“

Immer Neues ausprobieren

Einer der „Schrittmacher“ ist Brotsommelier Harald Pommer, der seit zwei Jahren von der Geschichte des Brotes erzählt, in die Geheimnisse der Herstellung einweiht, Degustationen mit Käse von „Maître Affineur“ Volker Waltmann sowie mit Rot- und Weißweinen veranstaltet. Brot lässt sich erleben, erschmecken und erriechen, auch mit Schinken und Bier. Die Kulinarik-Seminare mit dem Sommelier sind ebenso beliebt wie die Führungen durch die Produktion mit Schulklassen und Erwachsenengruppen. „Wenn der Betrieb nicht sauber wäre, würden wir das nicht machen können“, betont Siegfried Beck, der 28 Jahre lang als Kreishandwerksmeister bzw. dessen Stellvertreter das Handwerk an vorderster Front vertreten hat. Er weiß den Trend zur Größe richtig einzuschätzen: „Das Gestern ist vorbei. Und den Kunden kann niemand ändern“, sagt er. „Wer ihn halten will, muss eben etwas anbieten, was ihm besser schmeckt und gefällt als anderswo.“ Ein Bäcker müsse sich mit seiner eigenen Premium-Qualität vom Supermarkt bzw. Discounter absetzen und auch die Möglichkeit bieten, nach dem Einkauf ein Café-Erlebnis zu genießen, erklärt Beck. Sein Betrieb verarbeitet übrigens 80 Tonnen Kaffee im Jahr.

Drei bis sechs Filialen werden pro Jahr geschlossen – und an anderen Standorten, wo sich Chancen etwa durch Neubaugebiete ergeben, wieder eröffnet. Gutes Scouting macht sich da bezahlt – vergleichbar mit Fußballvereinen. Apropos Sport: „Der Beck“ unterstützt die SpVgg Greuther Fürth, den Erlanger Handball-Club, die IceTigers sowie den Erlanger Inklusionsdienst „Access“, bei dem sich Ehefrau Petra und Sohn Dominik Beck als Beiratsmitglieder engagieren und den das Unternehmen mit Arbeitsplätzen für Behinderte unterstützt. Weitere von der Bäckerei geförderte Projekte sind das Therapiereiten („Leila“) für behinderte Kinder in Röthenbach bei Altdorf, eine offene Fahrradwerkstatt („Beckwheel“) mit dem Don-Bosco-Jugendwerk Nürnberg für Jugendliche und das Palliativteam der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen.

Gesellschaftliches Engagement

Mit der „Der-Beck-Kinderfonds-Stiftung“, die 1998 gegründet und in Erinnerung an den 2017 tödlich verunglückten Sohn der Familie in „Alexander-Beck-Kinderfonds-Stiftung“ umbenannt wurde, wird Kindern und Jugendlichen auf vielfältige Weise Hilfe zuteil. „Soziales Handeln verankern wir im Unternehmen – so wie das Handwerk in der Gesellschaft verankert ist“, sagt Petra Beck über dieses umfangreiche Engagement. Da ist es nicht verwunderlich, dass Siegfried Beck schon das Bundesverdienstkreuz erhielt und Petra Beck den Ehrenbrief der Stadt Erlangen. Außerdem gingen bereits der Marketing-Oscar vom Marketing-Club Nürnberg und der „Service-König“ vom Magazin „Focus“ an das Unternehmen, ebenso der „Große Preis des Mittelstands“ der Leipziger Patzelt-Stiftung und dreizehn Mal das Urteil „Sehr gut“ bei den Qualitätstests 2018 und 2019 des Deutschen Brotinstituts. Auch beim Marketing bleibt der Großbäcker auf Trab, beispielsweise mit Werbeauftritten und Sponsoring-Aktivitäten für Kultureinrichtungen, die auf Brötchentüten beworben werden.

Das Unternehmen führt seinen Erfolg auch auf sein Umweltengagement zurück. Auch der bayerische Umwelt- und Verbraucherminister Thorsten Glauber beurteilte dieses bei einem Firmenbesuch im Sommer positiv. Geschäftsführer Siegfried Beck hat dabei die neueste Maßnahme präsentiert: den Verzicht auf Vinylhandschuhe beim Verkauf und in der Produktion. Damit werden nicht nur etwa 20 Tonnen des schlecht wiederverwertbaren Kunststoffs pro Jahr eingespart, sondern auch – was im ersten Moment überraschen mag – der Hygienestandard verbessert. Denn beim Verkauf werden die Produkte nicht mit bloßen Händen angefasst, sondern immer Hilfsmittel verwendet, z. B. eine Gebäckzange oder eine Serviette bei Imbissprodukten. In Zusammenarbeit mit der Lebensmittelüberwachung wurden Tests durchgeführt, um richtiges Händewaschen zu schulen und zu kontrollieren.

Der umfangreiche Nachhaltigkeitsbericht 2019 gibt Auskunft über mannigfaltige Bemühungen, z. B.  beim Verpackungsmaterial, wie Siegfried Beck versichert. Unterteile von Salatschalen sind kompostierbar, für die Herstellung der Oberteile werden PET-Flaschen recycelt, Pappteller zum Einpacken von Kuchen stammen aus nachwachsenden Rohstoffen und das Papier für die Gebäcktüten ist aus Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft hergestellt. Beim Einkauf der Rohstoffe wird auf Regionalität geachtet, was Wege verkürzt und Verpackungen reduziert: Das Mehl liefern Mühlen aus Pommersfelden und Scheinfeld, Konfitüren kommen aus Haßfurt, Fruchtsäfte aus Feucht, Gemüse und Salate aus dem Knoblauchsland, 11 000 täglich in der Backstube frisch aufgeschlagene Eier von freilaufenden Hühnern aus Kleinweisach und die Wurst von Traditionsmetzgern aus Bamberg, Dietenhofen und Grafenwöhr – für alle Kunden nachprüfbar.

Vielfältige Umweltmaßnahmen

Übriggebliebenes Brot und Gebäck liefert „Der Beck“ u. a. an zehn Tafeln, Projekte der Obdachlosenhilfe sowie Mudra Nürnberg, Laufer Mühle und Caritas. Zudem werden in der Filiale in der Erlanger Gebbertstraße hygienisch einwandfreie Backwaren vom Vortag mit 50 Prozent Rabatt verkauft. Der Rest dient als Futtermittel bzw. zur Energieerzeugung in einer Biogasanlage. „Jeder Produktionsabfall ist Geld wert und wird weiterverwertet“, sagt Beck. Auch sonst unternimmt der Großbäcker zahlreiche Aktivitäten im Bereich Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Rohstoffeinsparung: Dazu gehören Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Backstube und mehrerer Filialen, ein 2014 erbautes 380-Kilowatt-Blockheizkraftwerk und eine mit zwei Mio. Euro Investitionskosten eingerichtete Korbspülanlage, die für die Reinigung der 25 000 Brotkörbe nur noch ein Drittel der bisher benötigten Energie verbraucht. Hinzu kommt ein elektrischer Streetscooter-Lieferwagen und die finanzielle Förderung der Beschäftigten, wenn sie mit einem E-Bike zur Arbeit kommen. Und nicht zuletzt sorgen allein sechs angestellte Qualitätsbeauftragte in der Zentrale und in den Filialen dafür, dass alle Ziele, die sich das Unternehmen gesteckt hat, auch erfüllt werden.

Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 10|2019, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2019-10/Koepfe/der-weggla-riese