Schaeffler Gruppe: „Bremsen und Gasgeben zugleich“

Der weltweite Automobil- und Industriezulieferer stellt sich auf mehr Elektromobilität und veränderte Märkte ein.

Zwei Drittel des Geschäfts von Schaeffler beziehen sich auf die Automobilindustrie, die aktuell sowohl mit technischen als auch mit Welthandelsproblemen (USA, China, Brexit) zu kämpfen hat. Das schlägt auf die Zulieferer durch, weshalb man in Herzogenaurach die ursprüngliche Prognose für Umsatz und Ertrag bereits im Herbst letzten Jahres deutlich zurücknehmen musste. Die ganze Branche habe Gegenwind sagte Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender der Schaeffler AG, bei der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens Anfang März. Die korrigierten Ziele habe Schaeffler im Geschäftsjahr 2018 aber insgesamt erreicht. Der Umsatz stieg auf 14,2 Mrd. Euro (Vorjahr 14,0 Mrd.), die Marge betrug 9,7 Prozent (2017: 11,3 Prozent). Das Konzernergebnis lag mit 881 Mio. Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 980 Mio. Euro.

Effizienzprogramm „Race“

Der Ergebnisrückgang sei dem Bereich Automotive zuzurechnen und betraf insbesondere die Erstausrüstung der Fahrzeughersteller, aber auch die Produktion von Ersatzteilen. Dies konnte durch die gute Entwicklung der Sparte Industrie nicht kompensiert werden. Vor allem das schwierige Markt- und Wettbewerbsumfeld sowie der zunehmende Veränderungsdruck seien dafür verantwortlich. Daneben gebe es hausgemachte Faktoren, weswegen ein Programm namens „Race“ gestartet wurde, das auf Effizienzsteigerung und Portfolio-Optimierung ausgerichtet ist. Im Klartext stehen fünf kleinere Werke in Europa zur Disposition, 900 Stellen sollen abgebaut werden, 700 davon in Deutschland. Sozialverträgliche Lösungen ohne betriebsbedingte Kündigungen werden angestrebt. Aber Race sei kein reines Sparprogramm, betonte Rosenfeld, sondern „Bremsen und Gasgeben zugleich, wie in der Formel 1“. Es gehe um langfristige Wertschaffung in drei Phasen bis 2024. Mit der Umsetzung ist der Chef der Automobilsparte Matthias Zink betraut, dessen Vertrag um fünf Jahre verlängert wurde. Er will insgesamt das Margenniveau nachhaltig verbessern und die hohe Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor weiter reduzieren.

Vorsichtiger Ausblick

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Schaeffler mit einem moderaten Umsatzwachstum von ein bis drei Prozent, obwohl die weltweite Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen voraussichtlich um ein Prozent zurückgehen werde. Als Personalentscheidung wurde bekanntgegeben, dass der Aufsichtsrat der Schaeffler AG den bisherigen F&E-Leiter Uwe Wagner mit Wirkung zum 1. Januar 2020 als Nachfolger von Prof. Dr. Peter Gutzmer zum Technologievorstand bestellt hat. Das Herzogenauracher Familienunternehmen mit 170 Standorten in über 50 Ländern beschäftigt insgesamt 92 500 Mitarbeiter. Es fertigt Präzisionskomponenten und Systeme in Motor, Getriebe und Fahrwerk sowie Wälz- und Gleitlager für Industrieanwendungen.

Method Park: Umsätze wachsen zweistellig

Das Geschäftsjahr 2018 war für die Method Park Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben das erfolgreichste der Firmengeschichte.

Demnach erzielte der Erlanger IT-Dienstleister einen Gesamtumsatz von fast 19 Mio. Euro und damit ein Plus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. So belief sich der Umsatz im Bereich Ingenieurdienstleistungen, etwa für medizinisch-technische Geräte oder Komponenten im Automobil, auf knapp acht Mio. Euro und damit 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Noch stärker, nämlich um 18 Prozent, stieg der Umsatz mit Beratungsdienstleistungen, mit denen Method Park mehr als sechs Mio. Euro erzielte.

Zum Dienstleistungs-Portfolio gehören Prozessmanagement, Einhaltung von Normen und Standards sowie Einführung neuer Technologien oder Entwicklungsmethoden. Zudem veranstalten die Fachleute des IT-Dienstleisters  Seminare, Trainings und Workshops. Infolgedessen stiegen auch die Umsätze des Method Park Training Centers weltweit um 71 Prozent auf eine Mio. Euro. Europa blieb für das Erlanger Unternehmen umsatzstärkster Kernmarkt, gefolgt von Asien. Die Belegschaft von Method Park wuchs um 25 Mitarbeiter auf über 190 Beschäftigte.

Elektrobit: Vom Auto zum Netzfahrzeug

Technik aus Erlangen lässt Autos kommunizieren – innerhalb und außerhalb des Wagens.

Wenn Autofahrer ihrem Fahrzeug Fragen stellen, Musik abspielen, Nachrichten, Wetter- und Verkehrsberichte hören und ihr Smart Home vom Lenkrad aus steuern – dann könnte es sein, dass das in Erlangen ansässige Unternehmen Elektrobit Automotive GmbH die dafür notwendige Technik geliefert hat. Anfang des Jahres zeigte es auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, wie der intelligente Sprachassistent „Amazon Alexa“ in Automobile integriert werden kann – schneller und einfacher, als es bisher möglich gewesen ist. Als eine „neue Ära der Sprachbedienung mit natürlicher Spracherkennung“ bezeichnete es damals Christian Reinhard, der bei Elektrobit für internationale Projekte zuständig ist.

Doch auch die Entwicklung von Augmented-Reality-Funktionen in automatisierten Fahrzeugen, also die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, erlebte auf dem CES-Messestand des Erlanger Unternehmens ihre Aufführung. Sie unterstützt sogenannte Head-Up-Displays, die relevante Daten zum Fahrmanöver im Sichtfeld des Insassen anzeigen. Die Folge: Der Fahrer bekommt prägnante Hinweise und ist weniger abgelenkt, wodurch sich die Unfallgefahr reduziert. Und zusammen mit der israelischen Tochtergesellschaft Argus wurde das branchenweit erste Software-Hardware-Komplettprodukt für Cyber Security vorgestellt, das Fahrzeuge selbst vor raffinierten Internet-Angriffen umfassend schützen soll.

Der Premierenort in den USA dokumentiert die internationale Welt von Elektrobit mit rund 2 400 Beschäftigten an 23 Standorten. In Deutschland ist das Unternehmen neben dem Hauptsitz in Erlangen noch in Böblingen, Braunschweig, Ingolstadt, Radolfzell, München und Ulm vertreten. Im Ausland gibt es Niederlassungen in den USA, China, Japan, Korea, Indien, Israel, Frankreich, Finnland, Rumänien und Österreich.

Ursprung in der Medizintechnik

Die Unternehmensgeschichte beginnt mit der 1988 gegründeten Software-Schmiede „3Soft“, die sich ursprünglich mit Medizintechnik befasst hatte, dann aber zum Spezialisten für automotive Steuergeräte wurde. 2004 übernahm die finnische Elektrobit-Gruppe das Unternehmen. Deren Automotive-Bereich wurde dann 2015 wiederum vom Dax-Konzern Continental – bei einem damaligen Umsatz von 171 Mio. Euro – zum Preis von 600 Mio. Euro aufgekauft. Das Technologieunternehmen stärkte damit sein Wachstumsfeld „Vernetztes Fahren“, denn Fahrzeuge enthalten immer mehr Sensoren für automatisierte Fahrfunktionen und entwickeln sich so zunehmend zu Bestandteilen einer komplett vernetzten Verkehrswelt.

Mit dem Kauf übernahm Continental auch 51 Prozent der seit 2009 bestehenden Elektrobit-Tochter „e.solutions“. Sie ist ebenfalls im Gewerbegebiet in Erlangen-Tennenlohe zu finden, wo sie 2018 einen Neubau bezogen hat. Sie ist für den Volkswagen-Konzern tätig und legt den Schwerpunkt auf Komponenten für Informations- und Entertainment-Geräte – einem Bereich, in dem die Software in den letzten Jahren fast schon explosionsartig an Bedeutung gewonnen hat. Sprachbedienung, topographische Navigation oder Bluetooth stehen für eine Vielzahl neuer Funktionen, die vor einigen Jahren noch gar nicht bekannt waren, heute aber als selbstverständlich gelten. „Wir sind überzeugt, dass Daten und Dienste aus der Cloud unser automobiles Erlebnis und den Umgang mit dem Auto grundlegend verändern werden“, so Uwe Reder, Geschäftsführer bei „e.solutions”.

Bordelektronik in Millionen Fahrzeugen

Auf der anderen Straßenseite gegenüber des Neubaus stellt Elektrobit mit 900 Mitarbeitern Software her, die weltweit in mehr als einer Mrd. Steuergeräten in über 100 Mio. Fahrzeugen verbaut ist. Das Unternehmen bietet den führenden Autoproduzenten flexible und innovative Lösungen für die Infrastruktur vernetzter Fahrzeuge, Technologie für Mensch-Maschine-Schnittstellen, Navigations- und Fahrerassistenzsysteme, elektronische Steuergeräte sowie entsprechende Engineering-Services. Das alles findet sich z. B. in Spurwechselassistenten, Verkehrszeichenerkennung und ESP-Steuerungen, die Fahrfehler korrigieren. Und das Wachstum ist ungebrochen. „Die Bedeutung von Software in Autos steigt weiter, die Komplexität explodiert in allen Bereichen“, sagt Geschäftsführer Alexander Kocher, der zusammen mit Finanzchef Gregor Zink das Unternehmen leitet.

Im Gegensatz zu Herstellern von Unterhaltungselektronik oder Haushaltsgeräten wird bei Automobilen absolute Sicherheit und Präzision vorausgesetzt. „Wenn ein Bremsassistenzsystem nicht funktioniert, geht es gleich um Leib und Leben“, erklärt Kocher. Deshalb fließen bei Elektrobit etwa 20 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung – mit der Folge, dass der Umsatz pro Jahr um 20 bis 25 Prozent wächst. Mit der fortschreitenden Einführung des autonomen Fahrens dürften diese Steigerungsraten auch in den nächsten Jahren gesichert sein.

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ug.

Birke & Partner: Kommunikationsagentur schreibt Geschichte

25-jähriges Firmenjubiläum: Das Erlanger Unternehmen hat sich besonders mit History-Marketing einen Namen gemacht.

Die Birke & Partner GmbH in Erlangen sieht sich als eine der großen inhabergeführten Agenturen mit Kunden in Deutschland und im deutschsprachigen Raum. Seit rund 25 Jahren ist sie auf dem Markt und unterhält mittlerweile Büros in München, Hamburg, Weimar und Wien. Aus der Gründermannschaft von damals sind allerdings nur zwei übrig geblieben: Geschäftsführer Ralf Birke und seine Frau Sabine, die als Chef-Controllerin das Qualitätsmanagement betreibt. Auch Sohn Fabian Birke bringt nach einem Kommunikationsdesign-Studium sein kreatives Schaffen ein. Darüber hinaus werden derzeit fünf Volontäre in einem eigenen Ausbildungsprogramm an den Beruf herangeführt.

Mit dem Geschäft im Jubiläumsjahr 2018 zeigt sich die Agentur zufrieden, denn sie erzielte das mit Abstand höchste Wachstum ihrer Firmengeschichte. Die beiden Abteilungen PR/Kommunikation und Geschichts-Marketing generieren je etwa zur Hälfte den Umsatz. Zum Kundenkreis der Agentur gehören prominente Unternehmen und Institutionen, z. B. Bettenrid, Puma, Rehau sowie Bayerischer Industrie- und Handelskammertag und IHK Nürnberg für Mittelfranken, für die Birke & Partner das Jubiläumsjahr zum 175-jährigen Bestehen geschichtlich begleitete.

Sich mit historischen Wurzeln von Unternehmen zu beschäftigen, hat eine besondere Bedeutung für das Erlanger Team: Denn Birke & Partner wurde ursprünglich als PR-Agentur gegründet und hat sich seitdem zu einer Kommunikationsagentur gewandelt, die auf Geschichts-Marketing und -Management spezialisiert ist. Dieser Wandel nahm seinen Anfang vor zehn Jahren, als der Historiker Dr. Hans-Diether Dörfler vom Haus der Geschichte in Bonn in die heute insgesamt 30 Mitarbeiter zählende Erlanger Agentur wechselte. Seitdem arbeitet sie die Geschichte von Unternehmen auf. Mit zwölf Historikern im Team vereint Birke & Partner die Kompetenz eines Geschichtsbüros und das Portfolio einer Kommunikationsagentur. Das Münchner Bekleidungshaus Hirmer war der erste Kunde, der Birke den Auftrag erteilte, die Unternehmensgeschichte aufzuarbeiten, das Archiv zu sortieren und die Schnittstellen zur Kommunikation herzustellen. Dabei scheute sich das Modeunternehmen auch nicht davor, die dunklen Kapitel der Firmengeschichte – etwa die Zeit des Nationalsozialismus – zu beleuchten, sondern stellte sich der Verantwortung.

Ein weiterer Teil von Birke & Partner ist der 1780 gegründete Verlag Palm & Enke, der eng mit wissenschaftlichen Archiven, Bibliotheken, Sozietäten und Gesellschaften kooperiert. Ralf Birke baut derzeit eine eigene Redaktion auf, die schwerpunktmäßig Premiuminhalte für digitale und analoge Unternehmenspublikationen produzieren soll. Über die Reihe „Edition Spielbein“ kümmert sich der Verlag um populäre Publikationen vornehmlich aus dem fränkischen Raum.

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ug.

Fink: Autohaus stellt sich neu auf

Die Autohaus Fink GmbH & Co. KG in Erlangen ist kein offizieller BMW-Vertragshändler mehr. Firmenchef Stefan Fink, der den Betrieb 1992 von seinem Vater Werner Fink übernommen hatte, sieht das allerdings als Chance.

Denn nun entfalle der Verkaufsdruck und die Berater könnten die Kunden unabhängig von Herstellervorgaben betreuen. Zudem stelle man sich den Herausforderungen der Branche: Digitalisierung, von Marken unabhängige Neuwagenplattformen und der Direktvertrieb der Hersteller veränderten den Autovertrieb. Ein Schwerpunkt im künftigen Geschäft werde der Servicebereich sein. Bei Wartung, Reparatur und Instandsetzung habe das Autohaus in den letzten Jahren personell aufgestockt und werde dies weiterhin tun, so Fink. Das betreffe auch die Infrastruktur: Die Firma, die 2017 knapp 40 Mio. Euro umgesetzt habe, habe 250 000 Euro in den Werkstattausbau, einen neuen Vermessungsstand und in die technische Ausstattung investiert.

Kündigungen werde es durch die veränderte Konstellation nicht geben: „Jeder Arbeitsplatz bleibt erhalten und wir sind sogar auf der Suche nach Zuwachs im Werkstattbereich“, sagt Fink. Aufgrund der hohen Nachfrage benötige man weitere Kfz-Mechatroniker. Aktuell arbeiten an der Günther-Scharowsky-Straße 60 Mitarbeiter, darunter 18 Auszubildende in technischen und kaufmännischen Berufen.

Gründerzentrum IGZ: Auf weitere 30 Jahre gesichert

Die Gesellschafter der IGZ Innovations- und Gründerzentrum Nürnberg-Fürth-Erlangen GmbH haben den Erbbaurechtsvertrag für den Standort in Erlangen-Tennenlohe um 30 Jahre verlängert. Somit ermöglichen sie den Fortbestand der Einrichtung, die junge Unternehmen mit Arbeitsmöglichkeiten sowie Forschungs-, Entwicklungs- und Beratungs-Angeboten unterstützt.

Das IGZ entstand vor 32 Jahren durch eine Kooperation der Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen sowie der IHK Nürnberg für Mittelfranken und der Handwerkskammer Mittelfranken – mit Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung. Zunächst war das Gründerzentrum nur als Modellversuch für fünf Jahre angelegt, Ende 1988 vereinbarten der Freistaat und die Gesellschafter dann einen dauerhaften Betrieb.

Seit 1986 starteten dort fast 170 Firmen und Technologietransfereinrichtungen, wovon nur sechs Insolvenz anmelden mussten. Aktuell arbeiten im IGZ über 40 Firmen, die 2016 einen Umsatz von 17 Mio. Euro erzielten und bei denen rund 220 Mitarbeiter arbeiten.

Bayerisches Laserzentrum in Erlangen: Mit hoher Strahlkraft

Innovationen seit 25 Jahren: Das Bayerische Laserzentrum (BLZ) eröffnet neue Möglichkeiten in der industriellen Produktion.

Lasertechnik, Beleuchtung, Mikroskopie oder Bildgebung: Die Photonikbranche boomt weltweit mit hohen Wachstumsraten, deutsche Unternehmen sind vorne mit dabei. Sie benötigen wissenschaftliche Partner, um Innovationen zu entwickeln und im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. Das Bayerische Laserzentrum (BLZ) in Erlangen, das jetzt sein 25-jähriges Jubiläum feierte und eng mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zusammenarbeitet, ist solch ein Partner. Die Wissenschaftler agieren als anwendungsorientierte Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung.

IHK stark engagiert

Die IHK Nürnberg für Mittelfranken hat die Gründung und den Ausbau des Laserzentrums von Anfang an aktiv unterstützt. Das wird bis heute dadurch deutlich, dass die Geschäftsführung des „Förder- und Freundeskreises für den Ausbau der Lasertechnologie an der FAU e. V.“, dem aktuell 30 Mitglieder angehören, vom IHK-Geschäftsbereich Innovation | Umwelt wahrgenommen wird. Vorsitzender des Vereins ist Prof. Dr. Mathias Glasmacher, bei Diehl in Nürnberg verantwortlich für den Bereich „Zentrale Technologie“. Hauptgesellschafter der Bayerisches Laserzentrum gemeinnützige Forschungsgesellschaft mbH – so die offizielle Bezeichnung – ist der Förder- und Freundeskreis. Die Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA) und die IHK Nürnberg für Mittelfranken sind Gründungs- und Minderheitsgesellschafterinnen der gemeinnützigen GmbH.

Die Photonik mit dem Schwerpunkt Laser gilt als Schlüsseltechnologie in Gegenwart und Zukunft. Drei Nobelpreise aus diesem Bereich in den letzten Jahren dokumentieren die Bedeutung dieses Forschungsfeldes. Erlangen hat sich dabei als ein Zentrum in Deutschland herauskristallisiert – mit Unternehmen wie Erlas, Evosys oder Optocraft. Nach Worten von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wurde Erlangen vor 25 Jahren von der Staatsregierung bewusst als Standort des BLZ gewählt: „Heute ist Erlangen die bayerische Laser-Hauptstadt.“ Flankiert wurde der Aufbau des BLZ durch entsprechende wissenschaftliche Schwerpunktsetzungen an der Universität Erlangen-Nürnberg, an der vor zehn Jahren der Lehrstuhl für Photonische Technologien eingerichtet wurde. Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Michael Schmidt hatte bereits vier Jahre zuvor die Geschäftsführung des BLZ übernommen, das er seit 2010 gemeinsam mit Dr. Stephan Roth leitet. Heute sind 40 Mitarbeiter beim BLZ beschäftigt, das jährlich einen Gesamtertrag von rund drei Mio. Euro erzielt. Das BLZ arbeitet damit eigenständig und kommt ohne öffentliche Grundfinanzierung aus.

Enge Kooperation mit der Universität

Als Vater der Lasertechnologie in Erlangen gilt Prof. Dr. Manfred Geiger, der ab 1982 den neu eingerichteten Lehrstuhl für Fertigungstechnologie (seit 2008 Prof. Dr. Marion Merklein) zur Weltgeltung führte. Zahlreiche Innovationen in den Bereichen Laserstrahlschneiden, -schweißen und -umformen gehen auf Geiger und seine Mitarbeiter zurück und haben sich in der industriellen Praxis durchgesetzt. Am 25. November 1993 gründete Geiger schließlich das BLZ, unter dessen Kunden sich heute so prominente Unternehmen wie Schaeffler, Continental und Diehl befinden. Mit diesen Aktivitäten habe Geiger die Strahlkraft der Universität gestärkt, so FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger anlässlich des BLZ-Jubiläums. Seit der Gründung arbeite das BLZ eng mit Lehrstühlen der Universität Erlangen-Nürnberg zusammen.

Die vom BLZ initiierten Projekte sind vielfältig: So spielt der Laser im Fahrzeugbau als modernes Fügewerkzeug eine Schlüsselrolle, etwa bei der Produktion von Brennstoffzellen. Nach Worten von Vincent Mann, der beim BLZ den Bereich Prozesstechnik Metalle leitet, ermöglicht der Einsatz des Lasers neue Werkstoffkombinationen. Außerdem trage die Integration der Lasertechnik in automatisierte Produktionsanlagen dazu bei, dass auch im Hochlohnland Deutschland eine wirtschaftliche Fertigung möglich sei. Nach Worten laut Tobias Laumer, der beim BLZ für den Bereich Prozesstechnik Kunststoffe verantwortlich ist, eröffnet die Lasertechnik zudem neue Möglichkeiten im Leichtbau.

In den letzten Jahren forscht das BLZ gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Erlangen-Nürnberg auf dem vergleichsweise jungen Gebiet der Ultrakurzpulslaser. Das sind spezielle Laser, die Pulse im Bereich von Piko- und Femtosekunden aussenden und ein großes Potenzial für die Bearbeitung von Mikro- und Nanomaterialien bergen. Weitere Schwerpunkte setzt das BLZ auf Metall- und Kunststoffbearbeitung, Elektronikproduktion und Additive Fertigung. Heute ist der Laser längst als flexibles Werkzeug in der Fertigung angekommen. Um ihn zu beherrschen, braucht es jedoch mehr als klassische ingenieurwissenschaftliche Kompetenzen. Komplexe physikalische, chemische und werkstofftechnische Einflüsse spielen zusammen und stellen hohe Ansprüche an die Anwender. Prof. Dr. Michael Schmidt: „Wir müssen externes Expertenwissen frühzeitig in erforderliche Veränderungen von Fertigungsabläufen und -anlagen einbinden, um technisch und wirtschaftlich geeignete Lösungen zu realisieren.“

Für die wirtschaftliche Entwicklung der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) sei das BLZ ein eminent wichtiger Anlaufpunkt, so Dr.-Ing. Robert Schmidt, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Innovation | Umwelt. Die dort entwickelten Lösungen passten hervorragend zu den Kompetenzfeldern des Entwicklungsleitbilds der EMN. Mit der Querschnittstechnologie „Laser/Optik/Photonik“ würden z. B. die Kernkompetenzen der Region in den Bereichen Automation und Produktionstechnik, Neue Materialien und Medizintechnik bestens unterstützt, so Schmidt.

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ug.

Siemens Healthineers: Neue Unternehmenszentrale eröffnet

Die Siemens Healthineers AG in Erlangen hat ihre neue Firmenzentrale eröffnet. Sie entstand in zwei Jahren Bauzeit für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Das Gebäude bietet über 120 unterschiedlich gestaltete Besprechungsräume für die bis zu 1 000 Mitarbeiter, die am Standort arbeiten. Von dort aus werden 47 000 Mitarbeiter an weltweit 75 Standorten gesteuert, die im vergangenen Jahr 14,2 Mrd. Euro umsetzten.

Die neue Unternehmenszentrale dient architektonisch als Vorbild für alle weiteren Standorte weltweit. An diesen gab es in jüngerer Zeit ebenfalls Grundsteinlegungen und Neubauten, z. B. im indischen Bangalore, in Boston und New Jersey in den USA sowie in Shanghai. Das internationale Geschäft spielt eine gewichtige Rolle für das Erlanger Unternehmen: 90 Prozent der Aufträge kommen aus dem Ausland, rund 600 000 Geräte hat Siemens Healthineers weltweit bisher installiert. Dennoch bleibt die Zentrale in Erlangen, wo auch die Vorläuferfirma Reiniger, Gebbert & Schall ihre Wurzeln hatte. In deren früheren Betriebsgebäuden ist heute das firmeneigene Medizin-Museum untergebracht. Das gelte als Bekenntnis zum Standort in der Metropolregion Nürnberg mit ihrem Medical Valley.

Seit Kurzem ist die Siemens-Tochter sowohl im MDax als auch im TecDax vertreten. Zwar garantiert die in Erlangen und Forchheim beheimatete Sparte „Bildgebung“ weiterhin gute Gewinne, die Zukunftsperspektiven liegen allerdings verstärkt auf dem Geschäft mit Daten, Serviceleistungen und Künstlicher Intelligenz. Das Schlagwort auch hier: Digitalisierung. Die Kunden, vor allem Kliniken, fragen nicht nur wie in der Vergangenheit Computer- und Magnetresonanztomografen nach, sondern zunehmend auch Software-Anwendungen, die auf den einzelnen Patienten zugeschnitten sind. Diese sollen das Wachstum auch in den kommenden Jahrzehnten sichern.

www.healthcare.siemens.de
Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 11|2018, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-11/unternehmen/neue-unternehmenszentrale-eroeffnet

Evosys: Mehr Raum für Lasertechnik

Die Evosys Laser GmbH, die in Erlangen Systeme für das Laserschweißen von Kunststoffen fertigt, hat ihre neuen Räumlichkeiten in der Schallershofer Straße bezogen. Damit reagiert das vor drei Jahren gegründete Unternehmen, das in diesem Jahr den IHK-Gründerpreis Mittelfranken gewonnen hat, auf das stete Wachstum bei Mitarbeiterzahl und Umsatz.

Die Belegschaft zählt derzeit über 40 Mitarbeiter und in den nächsten Jahren will Evosys weiter wachsen – allerdings nur bis zu einer Betriebsgröße von rund 80 Mitarbeitern.

Mit der offiziellen Eröffnung, zu der auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Erlangens Bürgermeisterin Dr. Elisabeth Preuß und Wirtschaftsreferent Konrad Beugel zugegen waren, wurde die letzte Phase des Umzugs abgeschlossen. Nun stehen dem jungen Technologieunternehmen nach Angaben der Geschäftsführer Frank Brunnecker und Holger Aldebert mehr als 2 000 Quadratmeter für Entwicklung und Produktion von Laseranlagen zur Verfügung. Evosys ist international bereits stark engagiert und unterhält eine Tochtergesellschaft in China.

KUM | Möbius & Ruppert: In der Welthauptstadt der Bleistiftspitzer

Auf fast jedem Schreibtisch sind Bleistiftspitzer zu finden. Seine Ursprünge hat das Zeichengerät in einer mittelfränkischen Stadt.

Erlangen gehört zu den Städten mit den meisten Patentanmeldungen in Europa. Heute sorgen der Siemens-Konzern sowie die universitären Einrichtungen und wissenschaftlichen Institute für den Erfinderreichtum, doch die Tradition reicht weit zurück. So gilt die Stadt auch als Geburtsort eines so profanen Geräts wie des kegelförmig gebohrten Bleistiftspitzers, 1908 erfunden von dem damals in einer Bürstenfabrik tätigen Konstrukteur Theodor Paul Möbius. Er war es eines Tages leid, seine abgeschriebenen Bleistifte mit dem Taschenmesser anspitzen zu müssen. Daraus hat sich in Erlangen eine kleine Industrie entwickelt, die heute noch durch die Firmen KUM sowie Möbius & Ruppert repräsentiert wird. Sie beliefern zusammen nach wie vor zu etwa 75 Prozent den Weltmarkt für Bleistiftspitzer.

Die Erfindung des heute alltäglichen Gebrauchsgegenstands, in jedem Büro und Schulmäppchen zu finden, gilt als Revolution in der 450-jährigen Geschichte des Bleistifts. Dieser besteht  entgegen dem Volksglauben und Sprachgebrauch nicht aus weichem und giftigem Blei, sondern aus einem Grafit-Ton-Gemisch, das bei 1 000 Grad Hitze gebrannt wird. So muss der Spitzer außer dem Holz auch die steinharten Tonpartikel abraspeln, was stabile Messer erfordert. Diese sind aus chromlegiertem, mit rund einem Prozent Kohlestoff angereichertem Stahl, werden auf rotglühende 800 Grad erhitzt, dann herunter gekühlt und wieder auf 200 Grad aufgeheizt, was dem Messer hohe Flexibilität verleiht. Bei der anschließenden Politur liegen die erlaubten Toleranzen bei höchstens 0,03 Millimetern. Bevor das Messer in den keil- oder quaderförmigen Korpus aus Magnesium oder Messing eingebaut wird, wird es mit Ultraschall gereinigt und einer hauchdünnen Ölschicht überzogen.

Quelle und Fortsetzung in der Wirtschaft in Mittelfranken WiM 09|2018: https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-09/unternehmen/in-der-welthauptstadt-der-bleistiftspitzer