Martin Bauer Group: Pflanzensorten aus 80 Ländern

Ihren 90. Geburtstag hätte die MB-Holding GmbH & Co. KG in Vestenbergsgreuth, besser bekannt als Martin Bauer Group, gerne anders gefeiert.

 Das Unternehmen, zu deren Produktportfolio u. a. Tees, pflanzliche Extrakte für Getränke und Lebensmittel sowie pflanzliche Rohstoffe und Pflanzenpulver gehören, hätte gerne ein Familien-Sommerfest und eine Feier für die Mitarbeiter abgehalten. Wegen der Corona-Pandemie waren andere Ideen gefragt: So startete das Jubiläumsjahr am 24. August, dem Geburtstag von Firmengründer Martin Bauer, und bot den Beschäftigten seitdem u. a. virtuelle Vorträge der Geschäftsführung, eine Sonderausgabe des Mitarbeitermagazins und eine Kunstausstellung. Bis zum nächsten 24. August plant die Firmengruppe mit ihren mehr als 4 000 Mitarbeitern weitere Aktionen.

Den Grundstein für das Unternehmen legte Martin Bauer. Er befasste sich schon in jungen Jahren mit dem Suchen und Sammeln von wilden Kräutern und transportierte sie per Fahrrad zu Apotheken, Drogerien, Kranken- und Reformhäusern. Später begann er, selbst Felder anzulegen und eigene Kräuter anzubauen. 1930 gründete Bauer mit 28 Jahren sein Kräuterverarbeitungswerk, für das die Kräuter bald nicht mehr nur selbst angebaut, sondern zugekauft und weiterverarbeitet wurden. 1952 stieg Schwiegersohn Hans Wedel ins Geschäft ein. Er wandelte die Kräutergroßhandlung in einen produzierenden Betrieb um, sodass Kräuter- und Früchtetees zur wichtigsten Ware wurden. In den 60er Jahren wuchs das Unternehmen schnell, auch dank moderner Schneideanlagen für Tee, die täglich zehn Tonnen feine Kräuter produzieren konnten, mit denen fünf Mio. Teebeutel befüllt wurden. Außerdem baute Hans Wedel Geschäftsbeziehungen in Osteuropa auf. 1980 stiegen die Teespezialisten mit der Gründung der Tochterfirma Plantextrakt ins Extraktionsgeschäft ein. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Gruppe weltweit durch Akquisitionen und weitere Standorte in Europa.

Heute betreibt die Martin Bauer Group 20 Vertriebs- und Produktionsstandorte weltweit und setzt nach eigenen Angaben jährlich mehr als 500 Mio. Euro um. Für seine Produkte beschafft das Unternehmen 200 verschiedene Pflanzensorten aus 80 Ländern, in den Lagerhallen werden 40 000 Tonnen pflanzliche Rohstoffe aufbewahrt. So machen sich die Vestenbergsgreuther auch unabhängig von einzelnen Ernteausfällen. Die Produktentwicklung Kräuter- und Früchtetee kreiert jährlich 7 000 Produkte je nach Wunsch der Kunden, die u. a. aus der Tee-, Getränke- und Lebensmittelbranche stammen.

Käseecke Waltmann: Der Laibhaftige

Der „Maître fromager affineur“ Volker Waltmann schickt jährlich 200 Tonnen verfeinerten Rohmilchkäse an Gourmets in aller Welt.

Der Käse-Affineur Volker Waltmann aus Erlangen zählt 1 500 Hotels und Restaurants der Spitzenklasse und 3 500 Privatleute zu seinen Kunden. Die Liste reicht vom „Adlon“ in Berlin bis zur Allianz-Arena in München – und mancher Dax-Vorstand macht extra einen Abstecher ins Mittelfränkische, um Nachschub zu besorgen. Waltmann liefert nicht nur in viele Länder Europas, sondern auch nach Südafrika, Thailand und auf die Malediven. Mit seiner „Käse-Ecke“ hat er sich als Lieferant einen Ruf erarbeitet, der ihm mitunter sehr ausgefallene Aufträge einbringt. So wurde ihm einmal ein Flug in den Nahen Osten spendiert, um eine besondere Lieferung zu übernehmen: Ein 21 Jahre lang gereiftes und 800 Gramm schweres Exemplar eines „Tomme de Chèvre“ aus Ziegenmilch, von Waltmann in einem Metallkoffer mitgebracht, lieferte er zu Silvester auf den Tisch eines Scheichs in Dubai – zu dünnen Chips gehobelt und auf einem Thunfisch-Carpaccio verteilt.

Seine Spezialitäten lagert Waltmann in einem 200 Quadratmeter großen, in Deutschland einmaligen Backsteinkeller mit fast 100-prozentiger Luftfeuchtigkeit dank eingebauter Sprinklerrohre und dauerhaften neun Grad Celsius Temperatur. Dort kümmert er sich mit seinem achtköpfigen Mitarbeiterstab täglich liebevoll um seine „Rohlinge“ aus Ziegen-, Schafs- und Kuhmilch. Sie stammen meist von kleinbäuerlichen Betrieben aus Frankreich und werden über Wochen, Monate oder gar Jahre gepflegt, gewendet und verfeinert bis zum geschmacklich idealen Reifepunkt. Sie werden in Cidre gewaschen, in Calvados und Champagner getränkt, mit Rosenblüten ummantelt, gebürstet oder auf Stroh und in Fässern gereift, in denen vorher 15 Jahre lang Slyrs-Whiskey vom Schliersee gelagert hatte. Zahlenmäßig handelt es sich um rund 2 000 Laibe von bis zu 250 Sorten.

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Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 01|2021 – 12|2020, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2020-12/Koepfe/der-laibhaftige

Tymwork: Partner, Projekte und Maschinen finden

Fachkräftemangel, fehlendes Spezialwerkzeug und eine Flut von Anfragen für Projekte – vor Problemen wie diesen stehen viele Betriebe. Sie möchten einerseits – mit Rücksicht auf die Mitarbeiter – die Auftragsauslastung optimieren, zum anderen wollen sie ihren Maschinenpark optimal nutzen, denn oft stehen Anlagen und Geräte lange Zeit ungenutzt herum oder die Investition lohnt sich kaum.  Das Start-up Tymwork UG in Erlangen, das im Frühjahr 2018 gegründet wurde, hat deshalb die Online-Plattform tymwork.de gestartet, die seit vergangenem Juli online ist.

Dort können Unternehmen Partnerfirmen für Projekte finden oder ihre Dienstleistungen anbieten. Zudem können sie Spezialwerkzeuge zum Verleih anbieten oder suchen. Die Mitglieder haben die Möglichkeit, sich erst unverbindlich über die Chat-Funktion kennenzulernen und dann zu entscheiden, ob sie kooperieren wollen. Das Erlanger Start-up möchte so ein Netzwerk für Handwerk, Landwirtschaft und Dienstleistungen aufbauen. Dafür hat das vierköpfige Team um die Geschäftsführer Thomas Steinl und Yildirim Güzel auch eine Partnerschaft mit der Versicherungsgesellschaft VHV abgeschlossen, die mit verschiedenen Versicherungen sicherstellt, dass die Geschäftsabwicklung zwischen den Partnerfirmen ohne Risiko abläuft.

Invent: 25 Jahre Technik für sauberes Wasser

Jubiläumsjahr bei der Invent Umwelt- und Verfahrenstechnik AG in Erlangen: Das Unternehmen entwickelt seit 25 Jahren Technologien zur Reinigung von Wasser und Abwasser.

Zur Produktpalette für die biologische Abwasserreinigung gehören u. a. Rührwerke, Rühr- und Begasungssysteme, Belüftungssysteme, Wasserfilter und Strömungssimulationen.

Die Ursprünge des Unternehmens liegen etwa zehn Jahre vor der Gründung im Jahr 1995, denn es begann als Projekt von Wissenschaftlern des Lehrstuhls für Strömungsmechanik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dort entwickelte man Produkte für die Wasser- und Abwasserreinigung, die sich der Strömungsmechanik bedienen. Damit gingen die Forscher um den heutigen Invent-Chef Dr.-Ing. Marcus Höfken in die freie Wirtschaft und expandierten in der kommunalen und industriellen Wasser- und Abwasserreinigung. Die Akzeptanz für die neuartige Technologie mussten sich die Firmengründer Ende der 90er Jahre hart erarbeiten. Der Grund: Die Abwasserreinigung stellte sich als sehr konservativer Markt heraus, in den man neue Produkte nur sehr mühsam einführen kann.

2003 wandelte sich die vormalige GmbH in eine AG um, um anschließend weiter weltweit zu expandieren. So wurden in den Folgejahren mehrere Tochterfirmen in den USA, Australien, Italien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründet. Dazwischen, im Jahr 2008, wurde das neu errichtete Firmengebäude im Erlanger Stadtteil Eltersdorf bezogen. 2016 erwarb Invent die Geppert Rührtechnik GmbH in der hessischen Gemeinde Erzhausen. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit etwa 120 Mitarbeiter.

Aufgrund zunehmender Umweltprobleme wird Invent auch künftig vor vielfältigen Aufgaben stehen. „Wir haben in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Produkte entwickelt, die wir nun sukzessive in den Markt einführen, mit denen wir die nächsten Jahre viel Freude haben und auch mehr Umsätze erzielen werden“, so Höfken. Weiterhin will das Unternehmen in den nächsten Jahren noch drei Tochterfirmen für High-Speed-Turbo-Gebläse, für Filtration und für Industrierührwerke gründen, die jeweils zehn Mio. Euro zum Gruppenumsatz beitragen sollen.

hl-Studios: Mit neuem Format auf Wachstumskurs

Die hl-Studios GmbH trotzt der Corona-Krise und investiert in die Erweiterung ihres Firmensitzes.

Ein vor Kurzem eröffneter Neubau am Standort Erlangen-Tennenlohe lässt die räumlichen Kapazitäten der Agentur für Industriekommunikation wachsen. Ihr stehen nun weitere 2 000 Quadratmeter auf vier Etagen zur Verfügung. Insgesamt zwölf neue Mitarbeiter stellte das Unternehmen seit Beginn der Corona-Pandemie ein.

Ein Grund für den Wachstumskurs ist die in den letzten Monaten Corona-bedingt gestiegene Nachfrage nach digitaler Kommunikation. „Gerade jetzt ist der Bedarf an virtuellen Events besonders hoch, deshalb haben wir zügig reagiert“, sagt Alfons Loos, Geschäftsführer der hl-Studios. Um die Wünsche der Kunden nach virtuellen Live-Veranstaltungen zu befriedigen, hat die Agentur ihr Aufnahmestudio kurzerhand aufgewertet. Mit den sogenannten „Hybrid Shows“ entwickelte hl-Studios ein neues Format, das reale und virtuelle Komponenten in Echtzeit kombinieren kann. So sind neuerdings etwa digitale Pressekonferenzen in einer 3D-Umgebung möglich, die live im Netz gestreamt werden können.

Auto Berlacher: Auf Mercedes-Klassiker spezialisiert

Die Auto Berlacher GmbH in Erlangen blickt auf 50 Jahre Firmengeschichte zurück. Spezialisiert hat sich das von Ernst Berlacher gegründete Unternehmen auf Wartung und Reparatur sowie Restauration und Handel von Auto-Klassikern von Mercedes-Benz.

Dazu gehören Oldtimer aus den 50er- und 60er-Jahren und Youngtimer von den 70er bis Anfang der 2000er Jahre. Damit ist das Autohaus, das über 4 000 Fahrzeuge pro Jahr betreut, eine Anlaufstelle für Nostalgie-Fans aus der Metropolregion Nürnberg und dem gesamten Bundesgebiet. Seit 2019 ist Auto Berlacher einer von bundesweit 46 zertifizierten „Classic Partnern“ von Mercedes-Benz.

Der heutige Geschäftsführer Frank Minnich und Standortleiter Michael Stünzendörfer haben den Betrieb in den letzten zwei Jahren deutlich umgestaltet: So wurde eine zweite Fahrzeughalle für die Pflege und Aufbereitung der Oldtimer errichtet, der Bereich für den Kundenkontakt modernisiert und die Dialogannahme erneuert. Insgesamt wurde die Betriebsfläche um 30 Prozent erweitert. Auch beim Dienstleistungsangebot gibt es Neuerungen: So stellt die Erlanger Firma beispielsweise Leihtaxis für selbstständige Taxifahrer zur Verfügung, wenn sich ihr Fahrzeug wegen eines Unfallschadens in Reparatur befindet und daher nicht einsatzfähig ist. Aktuell beschäftigt Auto Berlacher knapp 20 Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende.

HempAge: Mode aus Hanf

Das Adelsdorfer Unternehmen setzt auf Kleidung aus einem Rohstoff, der in der Modebranche bisher wenig Beachtung findet.

Mode aus Hanf führt hierzulande ein Nischendasein. Das liegt daran, dass die Pflanze überwiegend mit illegalem Cannabiskonsum und Drogenkriminalität assoziiert wird. Das kritisiert Robert Hertel, Alleinvorstand der HempAge AG in Adelsdorf. Der Hanf-Pionier beschäftigt sich beruflich seit gut einem Vierteljahrhundert mit diesem Textilrohstoff. Aber auch die vielseitige Geschichte der Pflanze mit einjährigem Lebenszyklus hat es ihm angetan – immerhin wurde das Nutzgewächs schon vor Jahrtausenden kultiviert. Im mittelalterlichen Nürnberg verarbeitete die erste Papiermühle auch Hanffasern zu Papier, auf dem dann die Bibel gedruckt wurde. Entdeckertouren per Schiff waren ohne die Segel, Takelage und andere Seile aus dem gegen Salzwasser widerstandsfähigen Material nicht denkbar. Und selbst manche Könige, so weiß es Hertel, hätten sich in Gewänder aus Hanf gekleidet.

Sein Geschäft startete er Anfang der 1990er Jahre, als der gelernte Zentralheizungs- und Lüftungsbauer mit Freunden eine Firma gründete, mit der sie sogenannte Dritte-Welt-Produkte aus fairem Handel verkauften, u. a. auch Bekleidung aus Alpaka-Wolle. Ein paar Jahre später kamen Produkte aus Hanf dazu. Allerdings sei in der westlichen Welt mit dem Cannabisverbot in den 1940er Jahren die Verarbeitungstechnik weitgehend verloren gegangen, berichtet Hertel. In der Mode traten Baumwolle und Kunstfaser ihren Siegeszug an. In Rumänien fand er dagegen Mitte der 90er Jahre noch eine funktionierende Hanflandwirtschaft mit der dazugehörigen Verarbeitungsindustrie, die aber nach der Wende im Zuge der Privatisierung der Betriebe weitgehend vom Markt verschwunden sei: „Das Land spielt heute in diesem Bereich keine Rolle mehr.“

Auf der Suche nach Betrieben

1999 gründete Hertel, Jahrgang 1964, die HempAge AG als Modespezialisten für Hanf. Zugleich sollten unter dem Dach der AG Neuentwicklungen rund um Hanf gebündelt und das Netzwerken mit anderen nachhaltigen Firmen gestärkt werden. Anfang der 2000er Jahre entdeckte er zufällig im Norden Chinas eine Baumwollnäherei, die auch Hanf aus lokalem Anbau verarbeiten konnte. Zwar gibt es in Süden Chinas eine florierende Hanfindustrie, mit der war Hertel aber nicht zufrieden. Man durfte die Fabriken bis dato nicht selbst besuchen, erinnert er sich. Er wollte sich aber bei potenziellen Geschäftspartnern vor Ort überzeugen, ob seine ökologischen und sozialen Ansprüche auch eingehalten werden. Außerdem hatte er zuvor nur Stoffmuster bekommen, die entgegen der Angabe als reines Hanfprodukt nur rund ein Drittel Hanfgewebe enthielten. Die Stoffmuster des nordchinesischen Betriebes waren dagegen einwandfrei. Doch während die Produktion in Fernost anlief, kam es in der Heimat zu einem heftigen Konflikt: Eine Auseinandersetzung mit dem Aufsichtsratschef legte das Geschäft praktisch für Jahre lahm. „Wir waren wegen der Sperrminorität nicht handlungsfähig“, erklärt Hertel. Eine der Lektionen nach dieser Hängepartie ist für ihn, heute keine Beteiligungen mit Sperroptionen innerhalb der Gesellschaft mehr zuzulassen.

Im vergangenen Geschäftsjahr machte HempAge mit 16 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2,2 Mio. Euro, ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von gut zehn Prozent. Der Großteil des Geschäfts wird mit dem Einzelhandel gemacht. Rund zehn Prozent werden über den eigenen Online-Shop verkauft, der erst 2019 an den Start ging. Der digitale Vertriebskanal hat zwar in Corona-Zeiten zweistellig zugelegt, kann aber das Minus im stationären Handel nicht kompensieren. Staatliche Corona-Hilfe kommt für die kleine AG allerdings nicht in Frage. Eigentlich wollte der Vorstand in diesem Jahr auf einem naheliegenden Grundstück ein größeres Firmengebäude bauen – das Eigenkapital für den Bau muss jetzt als Puffer in der Krise herhalten.

Das Sortiment der bunten Ökohanf-Mode für Damen und Herren plus Accessoires umfasst rund 250 Artikel. Darunter findet sich auch ein besonders fein gewebter Schal aus Hanf. Das Garn ist so fein gesponnen, dass ein einziges Gramm Hanfgarn 40 Meter Länge erreicht. „Das fühlt sich an wie Seide“, schwärmt Hertel. Zudem lässt er aus chinesischer Rohware in Ungarn Socken und in Tunesien Jeans produzieren. Seine Vision zu der aktuell im Vergleich zu Baumwolle deutlich teureren Mode: „Jeder Schüler soll sich das einmal leisten können.“

Hertel führt das Geschäft nach seinen eigenen Wertvorstellungen. Ein Grund dafür ist ein prägendes Erlebnis beim Besuch einer südindischen Spinnerei in den 1990er Jahren: Mit dem Garn der Inder nähten soziale Initiativen Produkte für seine erste Firma. Doch bei dem Rundgang in dem Betrieb entdeckte er auch tote Arbeiter, an denen sich keiner störte. „Das war eine traumatische Erfahrung“, sagt er. Sie bestärkte Hertel in seinem fairen Handels- und Lieferkettenansatz: 2009 wird HempAge das zweite Mitglied der „Fair Wear Foundation“ in Deutschland. In dieser Stiftung arbeiten Bekleidungsunternehmen und Nichtregierungsorganisationen zusammen, um faire Arbeitsbedingungen entlang der Wertschöpfungskette bei der Textilproduktion rund um den Globus zu schaffen.

Potenzial von Hanf aufzeigen

Hertel sieht sich selbst weniger als Kaufmann, sondern als Techniker, auch wenn er vor seiner Ausbildung die beiden Studiengänge Maschinenbau und Bauingenieur abgebrochen hat. Er beschäftigt sich mit der Maschinentechnik, die quasi auf dem Stand von vor über 70 Jahren stehen geblieben ist. HempAge würde zwar gern in Europa produzieren, aber moderne Strickmaschinen laufen nur mit einem Hanf-Kunstfasergemisch. Den Einstieg in die Produktion mit Hanf und recyceltem Polyester verwirft er aus ökologischen Gründen, weil sich beim Waschen zu viele Plastikfasern lösen.

Zu HempAge gehört auch eine Minderheitsbeteiligung an der Bast und Faser GmbH in Adelsdorf, eine Art Denkfabrik für Hanfprodukte. „Wir wollen das Potenzial von Hanf für die Wirtschaft aufzeigen“, sagt Hertel. So wurde aktuell ein Prototyp für eine Maschine entwickelt, mit der sich bei einer Hanfpflanze vollautomatisch das äußere Fasermaterial schonend vom hölzernen Kern trennen lässt. Außerdem wird an einem Hanfverbundwerkstoff für die Automobilindustrie getüftelt. Dieser habe wegen seiner robusten Faserstruktur Vorteile gegenüber Glasfaser- oder Carbonbauteilen, weil Hanf sich zwar verforme, aber nicht splittere. Hertel will außerdem die Möglichkeiten von Hanf als Baumaterial demonstrieren, beispielsweise als Hanfdämmung, -ziegel oder auch -gips. Der anstehende Neubau des Firmengebäudes ist dafür eine gute Gelegenheit.

Autor:

tt.

Siemens Healthineers: Im Dienst der Medizin

Die Erlanger Siemens Healthineers AG stellt in der Corona-Krise Technologie, Innovation und Know-how bereit.

Seit Monaten schränkt das Corona-Virus das öffentliche Leben in Deutschland ein. Weder ein bewiesenermaßen wirksames Gegenmittel noch ein zugelassener Impfstoff existieren bisher. Die Furcht vor einer zweiten Infektionswelle bremst Teile der Wirtschaft aus. Während Betriebe einerseits trotz staatlicher Hilfe von Insolvenz bedroht sind, erleben andere eine gestiegene Nachfrage nach ihren Produkten – auch in Mittelfranken.

Eines dieser Unternehmen ist die Siemens Healthineers AG mit Sitz in Erlangen. Im April beauftragte das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege den mit gut 53 000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 14,5 Mrd. Euro (2019) weltweit führenden Hersteller für Medizintechnik mit der Ausstattung bayerischer Krankenhäuser. Zuvor hatte die Staatsregierung beschlossen, die Kapazitäten zur Diagnostik und Therapie von Covid-19-Patienten massiv aufzustocken.

„Dort zu unterstützen, wo immer wir können, um die so wichtige technologische Infrastruktur unserer Kunden aufrecht zu erhalten und weiterzuentwickeln, ist in der aktuellen Situation das oberste Ziel unseres Unternehmens“, bekräftigt Bernd Ohnesorge, Leiter Europa, Mittlerer Osten und Afrika bei der Siemens Healthineers AG. Neben Computertomographen (CT), mobilen Röntgengeräten und Blutgas-Analysesystemen lieferten die Mittelfranken auch molekulardiagnostische Tests zur Erkennung des Erregers Sars-CoV-2 an Kliniken im Freistaat.

Weltweite Nachfrage

Der Ausbau der medizinischen Infrastruktur erweist sich im Kampf gegen Corona als einer der zentralen Hebel, um das Virus besser kontrollieren zu können. Aus diesem Grund hat die Landesregierung unter Führung von Ministerpräsident Dr. Markus Söder der Ausstattung von Kliniken und Laboren hohe Priorität eingeräumt.

Die Healthineers sind dabei zu einem wichtigen Akteur in der Corona-Pandemie geworden – und zwar weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Mit den CT-Scannern des Global Players etwa überwachen Ärzte die Lungen von schwer erkrankten Patienten in Österreich, Portugal, dem Vereinigten Königreich und Polen. In China, wo Ende vergangenen Jahres die ersten Infektionen mit dem neuartigen Corona-Virus bekannt geworden waren, kamen die Geräte schon zu Beginn der Pandemie zum Einsatz.

Per Knopfdruck können mithilfe der Scanner in Sekundenschnelle Aufnahmen des Brustkorbs angefertigt und so Erkenntnisse über den Gesundheitszustand von Erkrankten gewonnen werden, teilt das Unternehmen mit. Eine mobile Ausführung erlaubt es zudem, infizierte und nichtinfizierte Patienten räumlich voneinander getrennt zu untersuchen, wodurch das Risiko einer Ansteckung sinke. Und auch der nötige Sicherheitsabstand zum medizinischen Personal bleibt gewahrt: Die Computertomographen lassen sich per Tablet aus der Ferne bedienen.

Schneller Virus-Nachweis

Doch um Covid-19 zu beherrschen, ist bei der Behandlung bereits erkrankter Personen nicht allein modernes Equipment gefragt. Als für Forscher und Behörden nicht minder bedeutsam gelten im Verdachtsfall effiziente Tests auf den Erreger der Krankheit. Laut Robert-Koch-Institut dauerte es bislang zwischen vier und fünf Stunden, Sars-CoV-2 im Labor nachzuweisen. Dass das schneller gehen kann, beweisen die Healthineers mit gleich mehreren Innovationen.

Ein vom eigenen Tochterunternehmen Fast Track Diagnostics mit Sitz in Luxemburg entwickelter Schnelltest auf das Virus liefert ein valides Ergebnis schon in zwei bis drei Stunden – und damit einen wertvollen Zeitgewinn, der sowohl bei der Behandlung als auch dem Verständigen von Kontaktpersonen von Infizierten relevant sein kann.

„Wir wollen einen Beitrag zur Bekämpfung der aktuellen globalen Covid-19-Pandemie leisten, indem wir einen schnellen und genauen Sars-CoV-2-Test bereitstellen“, erklärt Sebastian Kronmüller, Leiter Molekulardiagnostik bei Siemens Healthineers. Mittlerweile ist der Anfang April vorgestellte Test für den klinischen Betrieb in der Europäischen Union zugelassen. Er soll Fachpersonal in Krankenhäusern als Entscheidungsbasis für  die notwendige Behandlung dienen.

25 Mio. Tests pro Monat

Mit welcher Triebkraft und Geschwindigkeit die Healthineers in der Corona-Krise Entwicklungsarbeit leisten, zeigt die Bekanntmachung eines weiteren Tests zur Feststellung von Virus-Antikörpern im Blut. Ab Ende Mai soll er verfügbar sein und binnen 14 Minuten Aufschluss über das Vorliegen einer Covid-19-Infektion geben. Mit der Erweiterung der Produktionskapazitäten sei es möglich, ab Juni rund 25 Mio. Tests pro Monat herzustellen, um künftig noch mehr Menschen in kurzer Zeit auf das Virus testen zu können. „Unser Anspruch, Innovationen voranzutreiben, damit Menschen gesünder und länger leben, ist heute gültiger denn je“, beschreibt Bernd Montag, CEO der Siemens Healthineers AG, die Rolle des Medizintechnikunternehmens in der Krise.

Dass die Erlanger der Corona-Krise bisher nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich trotzen, belegen die aktuellen Geschäftszahlen. So stieg der Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2019/2020 um 3,3 Prozent. Deutliche Zuwächse verzeichneten die Healthineers in den Bereichen Bildgebung und „Advanced Therapies“, zu denen beispielsweise Verfahren zur Bildübertragung während einer Operation gehören. Sie stehen einem krisenbedingten Minus im Segment Diagnostics gegenüber.

Wohin die Reise in den kommenden Monaten führt, ist auch abhängig vom Verlauf der Corona-Pandemie. Wie lange diese die Welt noch beschäftigen wird, können derzeit selbst Experten nicht seriös vorhersagen. International forschen Wissenschaftler mit Hochdruck nach Lösungen, um die Krankheit zu überwinden. Dabei ist weiterhin Geduld gefragt – und das Know-how von Siemens Healthineers.

Autor: ch.

Method Park: Neueinstellungen trotz Corona

Das Erlanger Software- und Systemhaus Method Park Holding AG hat seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr auf über 21 Mio. Euro gesteigert. Das entspricht einem Plus von 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Grund waren die deutlich gestiegenen Umsätze mit Engineering-Dienstleistungen, die Umsatzsteigerungen auf dem US-Markt sowie die Verdopplung der Erlöse mit Inhouse-Trainings. Vom Gesamtumsatz erwirtschaftete der Unternehmensbereich „Products“ 28 Prozent, bei „Training & Consulting“ waren es 32 Prozent. Der Umsatzanteil des Engineering-Bereichs wuchs auf 40 Prozent.

Deutschland bleibt für Method Park der Kernmarkt: Mit knapp 14 Mio. Euro erzielte die Gruppe hier im vergangenen Jahr fast 70 Prozent seines Umsatzes. Großbritannien folgte auf dem zweiten Platz mit rund 2,3 Mio. Euro, was einem Umsatzanteil von elf Prozent entspricht. In den USA waren es rund zwei Mio. Euro und damit zehn Prozent. Auf dem asiatischen Markt legte Method Park vor allem in Südkorea zu, wo der Umsatz um 83 Prozent stieg. Das Erlanger Unternehmen wolle sein Engagement in Asien ausbauen, erklärte Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Bernd Hindel.

Das Software-Haus ist mit einem guten Auftragsbestand von mehr als neun Mio. Euro in das Geschäftsjahr 2020 gestartet. „Gerade in der momentanen Situation gibt uns dieses Auftragspolster die Gewissheit, dass Method Park krisenfest aufgestellt ist“, sagte Finanzvorstand Robin Hees. Um das Wachstum von 2019 fortzusetzen, plant das Unternehmen trotz der Corona-Krise auch im laufenden Jahr weitere Neueinstellungen. Zum Ende des vergangenen Jahres arbeiteten rund 200 Beschäftigte bei dem IT-Dienstleister.

Proleit: Franzosen übernehmen Experten für Prozessleittechnik

Der französische Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric SE übernimmt – vorbehaltlich der kartellrechtlichen Prüfung – die Herzogenauracher Proleit AG.

Peter Herweck, seit 2016 Vorstand des Schneider-Geschäftsbereichs Industrie, will dadurch dessen Konsumgüter-Segment optimieren. Er war früher bei Siemens tätig, zuletzt als Vorstandsvorsitzender der Division „Process Industries & Drives“. In Deutschland zählt der Konzern aus dem Nachbarland knapp 5 000 Beschäftigte in 15 Gesellschaften und Standorten. Weltweit arbeiten rund 135 000 Mitarbeiter bei Schneider, wo in der elektrischen Energieverteilung und industriellen Automation zuletzt 27,2 Mrd. Euro umgesetzt wurden.

Wolfgang Ebster und Manfred Czepl hatten Proleit 1986 in Erlangen gegründet, sind sechs Jahre später nach Herzogenaurach umgezogen und haben das Unternehmen zu einem der führenden Hersteller von Prozessleittechnik und Steuerungssoftware insbesondere für Brauereien aufgebaut. Aber auch die weitere Getränkeindustrie, Großbäckereien und Hersteller von Kosmetik und Reinigungsmittel sowie von Farben und Lacken zählen zum Kundenstamm. Von Proleit entwickelte Software-Lösungen kommen in über hundert Ländern in der automatisierten Produktion zum Einsatz – beispielsweise bei Coca-Cola, Danone, Müllermilch, Bayer, Heineken, Henkel und Unilever. „Die konsequente Fokussierung auf die Technologien der Kunden und die Spezialisierung auf wenige Kernbranchen sind das Geheimnis unseres Erfolgs“, sagt Ebster. Proleit erzielt mit weltweit rund 570 Beschäftigten einen Umsatz von rund 50 Mio. Euro. In Deutschland hat das Unternehmen vier Standorte in Leverkusen, Halle/Saale, Hannover und Kitzingen. Weitere zehn Dependancen und Tochtergesellschaften gibt es in den USA, den Niederlanden, Ukraine, Mexiko, Russland, Brasilien, Spanien, China und Bulgarien.

Quasi als vorzeitige Morgengabe haben Ebster und Czepl, die bislang rund 85 Prozent der Anteile halten, einen Neubau in die Transaktion eingebracht: Sie vergrößerten im September 2018 die Firmenzentrale in Herzogenaurach durch ein zehn Mio. Euro teures zusätzliches Bürogebäude auf insgesamt knapp 7 000 Quadratmeter Nutzfläche

Autor: ug.