Evosys: Mehr Raum für Lasertechnik

Die Evosys Laser GmbH, die in Erlangen Systeme für das Laserschweißen von Kunststoffen fertigt, hat ihre neuen Räumlichkeiten in der Schallershofer Straße bezogen. Damit reagiert das vor drei Jahren gegründete Unternehmen, das in diesem Jahr den IHK-Gründerpreis Mittelfranken gewonnen hat, auf das stete Wachstum bei Mitarbeiterzahl und Umsatz.

Die Belegschaft zählt derzeit über 40 Mitarbeiter und in den nächsten Jahren will Evosys weiter wachsen – allerdings nur bis zu einer Betriebsgröße von rund 80 Mitarbeitern.

Mit der offiziellen Eröffnung, zu der auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Erlangens Bürgermeisterin Dr. Elisabeth Preuß und Wirtschaftsreferent Konrad Beugel zugegen waren, wurde die letzte Phase des Umzugs abgeschlossen. Nun stehen dem jungen Technologieunternehmen nach Angaben der Geschäftsführer Frank Brunnecker und Holger Aldebert mehr als 2 000 Quadratmeter für Entwicklung und Produktion von Laseranlagen zur Verfügung. Evosys ist international bereits stark engagiert und unterhält eine Tochtergesellschaft in China.

KUM | Möbius & Ruppert: In der Welthauptstadt der Bleistiftspitzer

Auf fast jedem Schreibtisch sind Bleistiftspitzer zu finden. Seine Ursprünge hat das Zeichengerät in einer mittelfränkischen Stadt.

Erlangen gehört zu den Städten mit den meisten Patentanmeldungen in Europa. Heute sorgen der Siemens-Konzern sowie die universitären Einrichtungen und wissenschaftlichen Institute für den Erfinderreichtum, doch die Tradition reicht weit zurück. So gilt die Stadt auch als Geburtsort eines so profanen Geräts wie des kegelförmig gebohrten Bleistiftspitzers, 1908 erfunden von dem damals in einer Bürstenfabrik tätigen Konstrukteur Theodor Paul Möbius. Er war es eines Tages leid, seine abgeschriebenen Bleistifte mit dem Taschenmesser anspitzen zu müssen. Daraus hat sich in Erlangen eine kleine Industrie entwickelt, die heute noch durch die Firmen KUM sowie Möbius & Ruppert repräsentiert wird. Sie beliefern zusammen nach wie vor zu etwa 75 Prozent den Weltmarkt für Bleistiftspitzer.

Die Erfindung des heute alltäglichen Gebrauchsgegenstands, in jedem Büro und Schulmäppchen zu finden, gilt als Revolution in der 450-jährigen Geschichte des Bleistifts. Dieser besteht  entgegen dem Volksglauben und Sprachgebrauch nicht aus weichem und giftigem Blei, sondern aus einem Grafit-Ton-Gemisch, das bei 1 000 Grad Hitze gebrannt wird. So muss der Spitzer außer dem Holz auch die steinharten Tonpartikel abraspeln, was stabile Messer erfordert. Diese sind aus chromlegiertem, mit rund einem Prozent Kohlestoff angereichertem Stahl, werden auf rotglühende 800 Grad erhitzt, dann herunter gekühlt und wieder auf 200 Grad aufgeheizt, was dem Messer hohe Flexibilität verleiht. Bei der anschließenden Politur liegen die erlaubten Toleranzen bei höchstens 0,03 Millimetern. Bevor das Messer in den keil- oder quaderförmigen Korpus aus Magnesium oder Messing eingebaut wird, wird es mit Ultraschall gereinigt und einer hauchdünnen Ölschicht überzogen.

Quelle und Fortsetzung in der Wirtschaft in Mittelfranken WiM 09|2018: https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-09/unternehmen/in-der-welthauptstadt-der-bleistiftspitzer

Autohaus Pickel: Weichen für dritte Generation gestellt

Das familiengeführte Autohaus Josef Pickel GmbH & Co. KG mit Sitz in Erlangen feiert in diesem Jahr 85-jähriges Bestehen.

Michael und Franz Pickel, die Geschäftsführer des Mercedes-Benz-Autohauses, planen in den nächsten beiden Jahren umfangreiche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen für das Firmengelände. Dabei wollen sie vor allem in den Service für alternative Antriebe, die digitale Präsentation sowie eine bessere Ablauforganisation investieren. Außerdem fördert das Autohaus den eigenen Nachwuchs: Derzeit sind 29 Auszubildende in diversen technischen und kaufmännischen Berufsrichtungen beschäftigt.

Die Weichen für die Zukunft des Familienunternehmens sind bereits gestellt: Michael Pickels Tochter Andrea, die derzeit als Assistenz der Geschäftsführung tätig ist, soll es in der dritten Generation weiterführen.

Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 09|2018, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-09/Koepfe/weichen-fuer-dritte-generation-gestellt

Schloss Hemhofen: Ökologisch feiern

Ein barockes Schloss als Veranstaltungsort und eine Firmengruppe rund um ökologische Produkte: Mit diesem Konzept überzeugte Dr. Hannah Winkler von Mohrenfels beim IHK-Gründerpreis.

Was macht man, wenn man ein kaum genutztes Schloss geschenkt bekommt? Vor dieser Frage stand vor fünf Jahren Dr. Hannah Winkler von Mohrenfels, als ihr Vater ihr das traditionsreiche Schloss Hemhofen im Landkreis Erlangen-Höchstadt überschrieb. Sie beschloss, dem im Jahr 1714 errichteten Gebäude neues Leben einzuhauchen, gründete die Schloss Hemhofen GmbH. Nur wenige Monate später übernahm sie auch die familieneigene Direktvermarktung Abokiste und sukzessive das ökologisch wirtschaftende Landgut Schloss Hemhofen. Sie stellte sich der Herausforderung der Unternehmensnachfolge und optimierte die schon bestehenden Betriebe. „Unsere Firmengruppe deckt eine breite Produktpalette rund um das nachhaltige, ökologische und sozial bewusste Leben ab“, so die Unternehmerin.

Das Barockschloss hatte lange Jahre als Kirche gedient, nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte es Flüchtlinge, später eine Kommune und eine Arztpraxis. Zuletzt blieb das historische Gebäude jahrelang größtenteils ungenutzt. Das hat sich grundlegend geändert: „Heute bilden das Schloss und die umliegenden historischen Räume und Plätze wieder ein stilvolles Ambiente für Veranstaltungen aller Art“, so die promovierte Diplom-Kauffrau, deren Familiengeschlecht sich bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Als „Schlossherren für einen Tag“ können Privatleute oder Unternehmen das Schloss für Feiern, Hochzeiten, Tagungen, Fachmessen, Oldtimertreffen etc. mieten. In den Räumen finden rund 300 Personen Platz, davon 100 alleine im Barocksaal. Je nach Art der Veranstaltung werden die Räumlichkeiten stilvoll in Szene gesetzt, z. B. für Sektempfänge und Kaffeetafeln im Schlosshof, für romantische Abendessen im Barocksaal oder für Tanzveranstaltungen in der historischen Schlosshalle. Außerdem werden eigene Großveranstaltungen wie das jährliche Hoffest und die Landweihnacht organisiert.

Zum Familienbesitz gehört auch das Landgut, auf dem seit über 30 Jahren auf 145 Hektar ökologisch gewirtschaftet wird (Anbau von Freilandgemüse und Getreide, Schweine- und Karpfenzucht sowie Forstwirtschaft). Dazu gehört ein Unternehmensverbund, der zu 100 Prozent in Familienbesitz ist: Die hofeigene Abokiste GmbH wurde vor 25 Jahren gegründet und vermarktet eigene Erzeugnisse sowie die anderer regionaler Öko-Bauern, Bäcker und Veredler. Mit eigenen Fahrzeugen werden über 2 000 Haushalte, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen im Umkreis von mehr als 50 Kilometern beliefert. Rund 10 000 Kinder in Krippen, Kindergärten und Schulen werden mit ökologisch erzeugtem Obst und Gemüse versorgt.

Zum Firmenverbund gehört außerdem die Ökost GmbH, die Kloßteig, Spätzle und andere Kartoffelprodukte für die Abokiste sowie für den Bio-Groß- und -Einzelhandel herstellt. Der jüngste Spross in der Unternehmensfamilie ist die Gaumenfreunde GmbH: Sie ist auf frische, vorportionierte Lebensmittel und Zutaten in Bio-Qualität für klassische, vegetarische und vegane Gerichte spezialisiert. Die bisher über 100 Rezepte, die im wöchentlichen Wechsel an die Kunden mitgeliefert werden, hat die Schlossherrin gemeinsam mit Köchen und Food-Bloggern selbst erarbeitet. Sie will mit den Gaumenfreunden eine neue Zielgruppe ansprechen, aber auch neue Kunden für die Abokiste gewinnen, da diese die Bio-Kochkisten regional ausliefert.

Autor: leo.

www.schloss-hemhofen.de
www.abokiste.de
www.oekost.de
www.gaumenfreun.de
Zum Portrait des Schlosses Hemhofen (www.ihk-gruenderpreis-mittelfranken.de)

Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 09|2018, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-09/business/oekologisch-feiern

Pfeiffer Leder & Mode: Maßkleidung für die Hände

Mit dem Handschuhmacher-Handwerk wurde Erlangen einst weit über Franken hinaus bekannt. Heute ist Jürgen Pfeiffer einer der letzten seines Standes.

Erlangen hat durch die Ansiedlung hugenottischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich im 17. Jahrhundert wirtschaftlich enorm profitiert. Ein Beispiel ist die Zunft der Handschuhmacher: Jacques Colliveaux und Daniel Hugot aus der Stadt Vitry-le-François in der Champagne brachten sie 1686 nach Erlangen. Im 18. und 19. Jahrhundert erlebte sie ihre Blütezeit: Aufzeichnungen dokumentieren, dass um 1774 über 120 000 Paar in acht Werkstätten hergestellt und über Süddeutschland hinaus bis nach Russland und in die USA vertrieben worden sind. Um 1870 gab es 31 Betriebe mit 69 Gesellen und 52 Lehrlingen.

Heute hält nur noch Jürgen Pfeiffer als einer der letzten seines Fachs in Deutschland die Tradition hoch. Der 76-Jährige fertigt im ersten Stock eines Sandsteinhauses in der Erlanger Altstadt gerade noch ein paar Dutzend Exemplare nach Maß – statt der sechsstelligen Produktionszahlen seiner hiesigen Vorgänger Ende des 18. Jahrhunderts. Meist sind es ungewöhnliche Größen oder Modelle für orthopädische Zwecke. Eine treue Mitarbeiterin ist ihm dabei Heidi Haas, die seit 62 Jahren die Handschuhe zusammennäht.

Noch 1951 waren in dem 1876 gegründeten Familienbetrieb 60 Leute beschäftigt gewesen, darunter 13 Handschuhmacher, die etwa tausend Paar in der Woche schnitten. Jürgen Pfeiffer selbst begann 1954 als Lehrling, zwei Jahre nach dem plötzlichen Tod seines Vaters durch einen Verkehrsunfall. „Ich habe diesen Beruf schon als Bub gewollt“, sagt er. Neun Jahre später legte er die Meisterprüfung ab. Er leitete neben dem Hauptsitz in der Erlanger Hauptstraße 52 weitere Filialen in Erlangen, Nürnberg, Fürth, Konstanz und Regensburg, zusätzlich um Damenoberbekleidung erweitert. Diese Niederlassungen mit den jeweils relativ kleinen Verkaufsflächen waren jedoch dem zunehmenden Wettbewerb nicht mehr gewachsen und mussten in den 70er und 80er Jahren schließen. Heute verdient die Pfeiffer Leder & Mode e. K. das Geld im gut sortierten Lederwarengeschäft in Erlangen mit Schwiegertochter Anette als Pächterin und Chefin. Handtaschen und Rucksäcke, Mäntel und Regenschirme, Geldbörsen, Gürtel, Schmuck und andere Accessoires sorgen dafür, dass der Familienbetrieb überlebt hat, ja optimistisch in die Zukunft blicken kann.

Jürgen Pfeiffer, letzter Obermeister seiner Innung, hat Höhen und Tiefen seines Gewerbes aus Aufzeichnungen erfahren oder selbst hautnah miterlebt. Zu Spitzenzeiten benannte man damals Glacé-Handschuhe – heute noch beim Wiener Opernball gefragt – nach der Stadt, aus der sie kamen: die „Erlanger Glacé-Handschuhe“. Die Massenproduktion zunächst aus Süditalien und Rumänien, heute aus Ungarn und vor allem Asien, hat die Maßhandarbeit verdrängt und unrentabel werden lassen. Denn um ein Paar Handschuhe zu fertigen und in Form zu bringen, sind etwa 90 Arbeitsgänge notwendig – die sich in den Jahrhunderten nicht verändert haben. Das Leder muss makellos sein, stammt u. a. vom Haarschaf – laut Anette Pfeiffer „das beste Handschuhleder, das es gibt“ –, vom neuseeländischen Curlylamm oder von südamerikanischen Peccary-Wildschweinen und wird über englische Großhändler bezogen. Pfeiffer wickelt es in ein nasses Tuch, kontrolliert es auf Narben und „allongiert“ es, d. h. er zieht es immer wieder über die Tischkante, bis es sich nicht mehr in die Länge ziehen lässt. Nur so ist gesichert, dass sich das Leder später nicht mehr ausdehnt, auf fränkisch „ausleiert“. Mit Hilfe einer Schablone werden die Rohlinge ausgeschnitten bzw. mit einer Handhebelpresse ausgestanzt. Die Näherin setzt die Einzelteile zusammen. Pfeiffer: „Jeder Stich muss sitzen, denn im Leder sieht man jedes Nadelloch.“ Zum Schluss wird der Handschuh „dressiert“, also über eine erhitzte Metallform gezogen, damit er glatt wird.

Mit seiner Handwerkskunst ist Handschuhmacher Jürgen Pfeiffer einer der letzten Vertreter einer hugenottischen Tradition, die nach dem Dreißigjährigen Krieg in Erlangen durch diese französischen Flüchtlinge fortgeführt worden ist und die Stadt in vergangenen Zeiten zu wirtschaftlicher Blüte führte – neben Weißgebern, Hutmachern, Strumpfwirkern und Kammmachern.

Autor:

(ug.)

Clearaudio: Tonmeister aus Erlangen

Trotz Musik-Downloads und -Streaming: Clearaudio stellt erfolgreich hochwertige Vinyl-Abspielgeräte her.

Es passt auf den ersten Blick nicht in die heutige Zeit: Die Erlanger Plattenspieler-Manufaktur Clearaudio electronic GmbH verkauft ihre Geräte aktuell in 81 Ländern der Erde und erzielt damit zwölf Mio. Euro Umsatz mit steigender Tendenz. Eigentlich war 1989 der Tod der Schallplatte eingeläutet, als der Technologieriese Sony den Abschied von Vinyl verkündete und auf die damalige Weltneuheit Compact Disc setzte. Heute ist die CD auf den absteigenden Ast gerutscht, die Schallplatte dagegen erlebt ein für viele unerwartetes Comeback. Sony baut in Tokio ein Presswerk. Der weltweite Großhandelsumsatz mit Vinyl erreichte 2016 rund 560 Mio. US-Dollar und damit 23,5 Prozent mehr als im Vorjahr, in Deutschland hat sich der Umsatz zwischen 2008 und 2016 verachtfacht. Das nach eigenen Angaben weltweit größte Schallplattenpresswerk im tschechischen Lodenice stellt mit 1 400 Mitarbeitern im Dreischichtbetrieb täglich 65 000 der wieder heiß begehrten Scheiben her – auch wenn sich der runde Tonträger hierzulande mit einem Marktanteil von 4,4 Prozent immer noch in der Nische befindet.

Robert Suchy ist bei Clearaudio für den Export zuständig und seit 2005 in der Geschäftsführung tätig – zusammen mit seinen Geschwistern Veronika, die im Personal arbeitet, und Patrick, der bei Entwicklung und Design aktiv ist. Suchy sieht als Ursache des Booms das „GänsehautFeeling, wenn man Musik in ihrer Reinheit und Klarheit erlebt“. Er merke das bei Schulklassen, die die Firma besuchen und denen er zuerst die blecherne Musik aus dem Handy vorspielt. Dann legt er eine Platte in die 400 Kilo schwere Anlage namens „Statement“ und liefert den klaren und wuchtigen Clearaudio-Sound: „Als ob die Band mit im Raum wäre“, sagt er. Der Nachwuchs sei dann schier aus dem Häuschen.

Vater Robert Suchy, Jahrgang 1945, einst Ingenieur im Kraftwerksbau, hatte 1978 in Fürth die Firma ins Leben gerufen und zuerst Lautsprecher sowie Tonabnehmer produziert. Schon im ersten Jahr erntete er weltweite Popularität, als er sich einen vollsymmetrischen Tonabnehmer mit Bor-Nadelträger patentieren ließ – bis heute Maßstab für viele Hersteller. Ab 1990 konzentrierte er sich auf Plattenspieler. Für sein Lebenswerk erhielt er von der Zeitschrift „Stereoplay & Audio“ die in der Branche begehrte Auszeichnung „Das Goldene Ohr“.

Seine Kinder schwimmen auf der Erfolgswelle weiter, sammeln Preise en masse und folgen dabei der Devise des Unternehmens, wonach dessen Produkte global einzigartig und unverwechselbar seien und sich den Anforderungen der audiophilen Musikliebhaber in aller Welt individuell anpassten. Clearaudio-Geräte – zwischen 1 200 Euro und in Sonderanfertigung für weit über 100 000 Euro zu haben – werden von einer 50-köpfigen Belegschaft in Handarbeit gefertigt, mit hochwertigen Materialien, berührungslosen Magnetantrieben sowie mit Panzerholz, das unter dem Druck von 60 Tonnen verleimt wurde, was zum „absolut ruckel- und rumpelfreien Lauf“ führt. 90 Prozent der Produkte gehen in den Export – jeweils ein Drittel nach Amerika, nach Europa/Afrika und nach Asien/Pazifik, wobei sich die USA, China, Großbritannien und die Philippinen zu Wachstumstreibern entwickeln.

Die 2001 bezogene Zentrale am Rande des Erlanger Meilwalds – wo 55 bis 60 Prozent der Teile der Plattenspieler selbst hergestellt werden – platzt bei nur 2 800 Quadratmetern Nutzfläche aus allen Nähten. So bezog man ein Teilelager in Tennenlohe und ein Archiv in Forchheim, das hauptsächlich alte Prototypen beheimatet. „Vielleicht mal was für ein Museum“, sagt Suchy. In diesem könnte die Nachwelt dann erfahren, dass es einen Wirtschaftszweig gegeben hat, bei dem Analog gegen Digital gewinnen konnte – aus heutiger Sicht ein äußerst seltenes Phänomen.

Autor:

(ug.)

4Plus: Software unterstützt bei Knie- und Hüft-Operationen

Es ist eine Software- und Ingenieurschmiede mit typisch Erlanger Geschichte: Die 4Plus GmbH im Tennenloher Goldbeck-Bau wurde vor 20 Jahren durch ehemalige Siemens-Ingenieure gegründet, die ihre Kernkompetenz heute in der Entwicklung medizintechnischer Geräte und Anwendungen sehen.

Sie nutzen die Synergieeffekte des Medical Valley in Erlangen, wobei sie auf ein Dutzend Kunden aus dem süddeutschen Raum zurückgreifen können. Die beiden Geschäftsführenden Gesellschafter Karl Kapp und Tibor Takacs, die je zur Hälfte am Unternehmen beteiligt sind, beschäftigen 53 Mitarbeiter. Sie steigerten den Umsatz im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 4,2 Mio. Euro.

„Eine gemeinschaftliche Arbeitsweise, Bodenständigkeit und der Mut, manchmal unkonventionelle Wege zu gehen“ – darin sehen die beiden Chefs ihr Erfolgsrezept. Realisierte Kundenprojekte sind etwa eine neue Generation von Hautlasern, Augenlasersysteme, 3D-Funktionen für eine Dental-Software und ein kardiologischer Dicom-Viewer, also ein Anwendungsprogramm zur Darstellung medizinischer Bilddateien. Spezialisiert hat sich das Unternehmen auf die voroperative Planung von Hüft- und Knieendprothesen mit inzwischen dreidimensionalen Anwendungen. Zu diesem Zweck wurde 2010 die Tochtergesellschaft „modiCas“ gegründet, auch um das betriebswirtschaftliche Risiko zu minimieren, wie es seitens des Unternehmens heißt. Sie soll sich unter dem Dach von 4Plus zu einem gleichwertigen Standbein entwickeln, vermarktet eigene Software-Produkte und unterstützt damit Kliniken und Orthopäden bei anstehenden Operationen. Mit diesen und mit Forschungseinrichtungen wie der Universität Siegen sowie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) arbeiten 4Plus bzw. modiCAS zusammen, um die eigene Produktpalette zu optimieren.

Im laufenden Jahr steht der Wartungsservice von Röntgenröhren via App als neues Projekt an. Ebenso möchte das Erlanger Technologieunternehmen die Röntgengeneratoren eines Kunden mit anderen Herstellersystemen vornehmlich aus dem asiatischen Raum kompatibel machen. Auch der Einstieg in ein neues Forschungsgebiet in Zusammenarbeit mit der FAU ist geplant: die berührungslose Epilepsiediagnostik bei Kindern. Darüber hinaus möchte Kapp in den nächsten Jahren das Produktportfolio ausbauen und international tätig werden.

Autor:

(ug.)

Pension Solutions Group: Berater für betriebliche Vorsorge

Die PS-Pension Solutions GmbH aus Erlangen erwartet für das laufende Geschäftsjahr ein weiteres Wachstum beim Umsatz.

Im Geschäftsjahr 2016/2017 (Stichtag 30. Juni) belief er sich auf 8,7 Mio. Euro, im jetzigen werde er voraussichtlich auf 9,2 Mio. Euro steigen. Die Pension Solutions Group berät Mittelständler und Dax-Konzerne zum Thema betriebliche Altersvorsorge. Die Mitarbeiter der über 800 Firmenkunden haben zusammen Betriebsrentenansprüche von aktuell 3,3 Mrd. Euro. Einen Schub für das Geschäft erwartet sich der Erlanger Vorsorgeberater durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz, das seit Anfang 2018 gilt. Es soll die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung in den Unternehmen und die Akzeptanz unter Mitarbeitern erhöhen.

Die 2001 gegründete Pension Solutions Group will mit ihren Dienstleistungen Informationslücken bei Arbeitgebern und -nehmern schließen und Personalabteilungen entlasten. Zum Angebot gehören betriebliche Alters-, Berufsunfähigkeits- und Gesundheitsvorsorge, Entgeltoptimierung, Zeitwertkonten und Gruppenunfallschutz. Aktuell sind 81 Mitarbeiter in Erlangen, Hamburg, München sowie in Berlin tätig, wo ein neuer Standort geplant ist.

Autor: (ug.)
www.pension-solutions.de
Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 06|2018, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-06/unternehmen/berater-fuer-betriebliche-vorsorge

Invent Umwelt- und Verfahrenstechnik: Marktführerschaft bei Klärwerktechnik angestrebt

Kläranlagen waren lange Zeit Energiefresser – bis ein Erlanger Unternehmen die Technik dahinter effizienter gemacht hat.

Was haben Shanghai, New York und Erlangen gemeinsam? Die Invent Umwelt- und Verfahrenstechnik AG in der Hugenottenstadt hat die Kläranlagen aller drei Städte mit modernster Technik ausgerüstet – wie in den letzten 20 Jahren in mehr als 8 000 Kommunen und Industriebetrieben weltweit. Es ist vor allem die Energieeffizienz, mit der das im Eltersdorfer Industriegebiet angesiedelte Unternehmen punktet.

Die Ausgangslage ist klar: Für die Städte und Gemeinden sind die Stromkosten, die für Kläranlagen anfallen, in der Regel der höchste Posten aller kommunalen Einrichtungen. Im Durchschnitt verschlingen sie laut Wikipedia 20 Prozent des gemeindlichen Energieverbrauchs. So benötigte man Anfang der 90er Jahre sechs bis sieben Watt Rührleistung pro Kubikmeter Wasser. Die Invent AG hat dies revolutioniert: Ihre Rührwerke aus glasfaserverstärktem Kunststoff statt teurem Edelstahl sind leicht, flexibel einsetzbar und korrosionsbeständig und benötigen in den von ihr ausgestatteten Abwasseranlagen nur noch eine Leistung von ein bis zwei Watt pro Kubikmeter – was unter dem Strich deutschlandweit Einsparungen in Millionenhöhe bedeutet. „Die Generation 7, seit zwei Jahren im Einsatz, ist um 30 Prozent effizienter und sparsamer als das ohnehin schon beste Rührwerk der Welt, unsere Generation 6“, sagt Vorstandsvorsitzender Dr.-Ing. Marcus Höfken. Statt vorher einteilig, werden die neuesten Rührwerke aus acht Einzelteilen produziert, die Rippe wurde entgegen der Strömungsrichtung konstruiert. Bei einer Kläranlage ist es wichtig, dass der Beckeninhalt sicher umgewälzt wird und sich am Boden kein Schlamm absetzt. Invent hat daher ein neues Rührwerk entwickelt, das sich zentrisch in der Mitte des Beckens befindet und der natürlichen Strömung nachempfunden ist – laut Höfken „ein radikaler Ansatz, der heute Standard in der Wasser- und Abwasserreinigung ist“.

Und auch bei der Belüftung – in den Klärbecken ist eine bestimmte Sauerstoffkonzentration notwendig – wirken sich die Entwicklungen der Erlanger Experten aus. So befindet sich beim Regelsystem von Invent die Messsonde in einer Haube über statt im Wasser, misst also den Sauerstoffgehalt in der Abluft statt im Becken. Das liefert bei den Sauerstoff- und Kohlendioxid-Analysen erheblich genauere Daten. Ergebnis: 30 Prozent weniger Energieaufwand durch eine feinere Dosierung der Sauerstoffzugabe. Höfken: „Mit revolutionär besseren Produkten haben wir einen Vorsprung von vielen Jahren gegenüber unseren Mitbewerbern.“

Kläranlagen waren lange Zeit im Spitzenbereich der Energiefresser angesiedelt, ohne dass jemand viel Aufhebens um dieses Problem gemacht hätte. Es gab keine echten Innovationen, lediglich leicht modifizierte Kopien altbekannter Produkte – bis Invent Mitte der 80er Jahre als Spin-Off des Lehrstuhls für Strömungsmechanik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unter Prof. Dr. Franz Durst gegründet wurde und sich des Problems annahm. Denn, so Höfken: „Gute Ideen können nur ihre Wirkung entfalten, wenn man sie zu kommerziell vermarktbaren Produkten oder Dienstleistungen entwickelt.“ 1995 entstand Invent in seiner heutigen Ausrichtung durch ein Management-Buy-out, 2003 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Heute gehört die AG vornehmlich drei Hauptgesellschaftern, angeführt von Marcus Höfken.

Mittlerweile wuchs Invent zu einem global tätigen Unternehmen mit einem Gruppenumsatz von etwa 27,5 Mio. Euro, davon wird ein knappes Drittel in den USA, und zwei bis drei Mio. Euro in China erzielt. Pro Jahr ist ein Wachstum von fünf Prozent eingeplant. Der Marktanteil an Rührwerken in Europa könnte in einzelnen Ländern bis zu 70 Prozent betragen, vermutet Höfken. Zwei Drittel der weltweit 125 Mitarbeiter sind in Eltersdorf, auf dem im Dezember 2008 errichteten, 7 000 Quadratmeter großen Firmengelände tätig. Zur Unternehmensgruppe gehört seit 2016 auch die Geppert Rührtechnik GmbH im südhessischen Erzhausen, die sich mit mehr als 40-jähriger Erfahrung auf die Lieferung von Prozessrührwerken für alle Anwendungen in stoffverarbeitenden Industrien spezialisiert hat. Invent-Tochterfirmen existieren außerdem in New Jersey in den USA, im australischen Orange, im italienischen Monza und in Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese Niederlassung befasst sich auch mit Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung – ein Unternehmensbereich, der etwa zehn bis 15 Prozent zum Umsatz beiträgt.

Die Zukunft sieht Höfken positiv: „Wir sind in unserem Markt absoluter Technologieführer. Ich wünsche mir, dass wir in ein paar Jahren, ohne rot zu werden, behaupten können, Weltmarktführer zu sein“, sagt der Vorstandsvorsitzende. „Dazu müssen wir zwar noch etwas wachsen, aber wir arbeiten hart daran.“ Die geplanten Zuwächse scheinen realistisch angesichts des hohen Bedarfs an Kläranlagen, die neu gebaut oder erweitert werden müssen – gerade auch in Entwicklungsländern, wo mancherorts entsprechende Anlagen fehlen und erst ein kleiner Teil der Bevölkerung angeschlossen ist. Und neben öffentlichen Auftraggebern warten Kunden aus der gesamten stoffverarbeitenden Industrie auf die effizienten, robusten und verschleißarmen Anlagen aus Eltersdorf. Dort kann man in verschieden großen Modellen Strömungen simulieren und in einem Tank mit zehn Metern Durchmessern und bis zu acht Metern Wassertiefe die echten Rührwerke praxisnah in Augenschein nehmen. Die Technik des 3D-Druckers hat auch bei Invent Einzug gehalten. „Heute kann man damit innerhalb von ein oder zwei Tagen ein Rührwerk oder einen Propeller herstellen und gleich testen. In den 90er-Jahren musste man wochenlang dafür dengeln und löten“, erklärt Höfken, der den Vorstand zusammen mit Volker Horst und Erin Donze bildet. Je nach Kundenwunsch übernimmt sein Unternehmen auch das komplette Anlagendesign, Engineering, Projektmanagement, die Lieferung und Montage sowie die Inbetriebnahme der Gesamtanlage.

„Wasser ist der Ursprung und Quell allen Lebens“, sagt der Vorstandsvorsitzende und meint damit die Verantwortung, Wasser auch künftigen Generationen in hoher Qualität zur Verfügung zu stellen. „Der Schutz, die Erhaltung und – wo notwendig – die Wiederherstellung unserer Umwelt wird auch in Zukunft eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft bleiben.“

Autor: (ug.)
www.invent-uv.de
Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 06|2018, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-06/unternehmen/marktfuehrerschaft-bei-klaerwerktechnik-angestrebt

Method Park: Wachstum in Europa und Asien

Die Method Park Holding AG aus Erlangen hat im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von 16,3 Mio. Euro und damit ein Plus von neun Prozent erzielt.

Als Grund nannte das Software- und Systemhaus die außerordentlich guten Geschäfte im Bereich Engineering, bei Seminaren, Trainings und Workshops sowie bei den Lizenzverkäufen für ein Produkt zum Management komplexer Prozesse.

Das Unternehmen ist spezialisiert auf Software für sicherheitskritische Systeme, zum Beispiel in der Automobilindustrie oder der Medizinbranche. Ihre Umsätze erwirtschaftete die Method Park Gruppe vorwiegend in Europa, daneben lag der Fokus im vergangenen Jahr auf dem asiatischen Markt. Die Firma ist an den Standorten Erlangen, Frankfurt am Main, Hannover, München und Stuttgart vertreten, daneben gibt es Niederlassungen in Detroit, Miami und Pittsburgh in den USA. Zum Jahreswechsel beschäftigte das Softwarehaus 167 Mitarbeiter, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu gehörten auch 22 Trainees und fünf Auszubildende.

Autor: (ug.)
www.methodpark.com
Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 05|2018, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-05/Koepfe/wachstum-in-europa-und-asien