Bayerisches Laserzentrum in Erlangen: Mit hoher Strahlkraft

Innovationen seit 25 Jahren: Das Bayerische Laserzentrum (BLZ) eröffnet neue Möglichkeiten in der industriellen Produktion.

Lasertechnik, Beleuchtung, Mikroskopie oder Bildgebung: Die Photonikbranche boomt weltweit mit hohen Wachstumsraten, deutsche Unternehmen sind vorne mit dabei. Sie benötigen wissenschaftliche Partner, um Innovationen zu entwickeln und im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. Das Bayerische Laserzentrum (BLZ) in Erlangen, das jetzt sein 25-jähriges Jubiläum feierte und eng mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zusammenarbeitet, ist solch ein Partner. Die Wissenschaftler agieren als anwendungsorientierte Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung.

IHK stark engagiert

Die IHK Nürnberg für Mittelfranken hat die Gründung und den Ausbau des Laserzentrums von Anfang an aktiv unterstützt. Das wird bis heute dadurch deutlich, dass die Geschäftsführung des „Förder- und Freundeskreises für den Ausbau der Lasertechnologie an der FAU e. V.“, dem aktuell 30 Mitglieder angehören, vom IHK-Geschäftsbereich Innovation | Umwelt wahrgenommen wird. Vorsitzender des Vereins ist Prof. Dr. Mathias Glasmacher, bei Diehl in Nürnberg verantwortlich für den Bereich „Zentrale Technologie“. Hauptgesellschafter der Bayerisches Laserzentrum gemeinnützige Forschungsgesellschaft mbH – so die offizielle Bezeichnung – ist der Förder- und Freundeskreis. Die Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA) und die IHK Nürnberg für Mittelfranken sind Gründungs- und Minderheitsgesellschafterinnen der gemeinnützigen GmbH.

Die Photonik mit dem Schwerpunkt Laser gilt als Schlüsseltechnologie in Gegenwart und Zukunft. Drei Nobelpreise aus diesem Bereich in den letzten Jahren dokumentieren die Bedeutung dieses Forschungsfeldes. Erlangen hat sich dabei als ein Zentrum in Deutschland herauskristallisiert – mit Unternehmen wie Erlas, Evosys oder Optocraft. Nach Worten von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wurde Erlangen vor 25 Jahren von der Staatsregierung bewusst als Standort des BLZ gewählt: „Heute ist Erlangen die bayerische Laser-Hauptstadt.“ Flankiert wurde der Aufbau des BLZ durch entsprechende wissenschaftliche Schwerpunktsetzungen an der Universität Erlangen-Nürnberg, an der vor zehn Jahren der Lehrstuhl für Photonische Technologien eingerichtet wurde. Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Michael Schmidt hatte bereits vier Jahre zuvor die Geschäftsführung des BLZ übernommen, das er seit 2010 gemeinsam mit Dr. Stephan Roth leitet. Heute sind 40 Mitarbeiter beim BLZ beschäftigt, das jährlich einen Gesamtertrag von rund drei Mio. Euro erzielt. Das BLZ arbeitet damit eigenständig und kommt ohne öffentliche Grundfinanzierung aus.

Enge Kooperation mit der Universität

Als Vater der Lasertechnologie in Erlangen gilt Prof. Dr. Manfred Geiger, der ab 1982 den neu eingerichteten Lehrstuhl für Fertigungstechnologie (seit 2008 Prof. Dr. Marion Merklein) zur Weltgeltung führte. Zahlreiche Innovationen in den Bereichen Laserstrahlschneiden, -schweißen und -umformen gehen auf Geiger und seine Mitarbeiter zurück und haben sich in der industriellen Praxis durchgesetzt. Am 25. November 1993 gründete Geiger schließlich das BLZ, unter dessen Kunden sich heute so prominente Unternehmen wie Schaeffler, Continental und Diehl befinden. Mit diesen Aktivitäten habe Geiger die Strahlkraft der Universität gestärkt, so FAU-Präsident Prof. Dr. Joachim Hornegger anlässlich des BLZ-Jubiläums. Seit der Gründung arbeite das BLZ eng mit Lehrstühlen der Universität Erlangen-Nürnberg zusammen.

Die vom BLZ initiierten Projekte sind vielfältig: So spielt der Laser im Fahrzeugbau als modernes Fügewerkzeug eine Schlüsselrolle, etwa bei der Produktion von Brennstoffzellen. Nach Worten von Vincent Mann, der beim BLZ den Bereich Prozesstechnik Metalle leitet, ermöglicht der Einsatz des Lasers neue Werkstoffkombinationen. Außerdem trage die Integration der Lasertechnik in automatisierte Produktionsanlagen dazu bei, dass auch im Hochlohnland Deutschland eine wirtschaftliche Fertigung möglich sei. Nach Worten laut Tobias Laumer, der beim BLZ für den Bereich Prozesstechnik Kunststoffe verantwortlich ist, eröffnet die Lasertechnik zudem neue Möglichkeiten im Leichtbau.

In den letzten Jahren forscht das BLZ gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Erlangen-Nürnberg auf dem vergleichsweise jungen Gebiet der Ultrakurzpulslaser. Das sind spezielle Laser, die Pulse im Bereich von Piko- und Femtosekunden aussenden und ein großes Potenzial für die Bearbeitung von Mikro- und Nanomaterialien bergen. Weitere Schwerpunkte setzt das BLZ auf Metall- und Kunststoffbearbeitung, Elektronikproduktion und Additive Fertigung. Heute ist der Laser längst als flexibles Werkzeug in der Fertigung angekommen. Um ihn zu beherrschen, braucht es jedoch mehr als klassische ingenieurwissenschaftliche Kompetenzen. Komplexe physikalische, chemische und werkstofftechnische Einflüsse spielen zusammen und stellen hohe Ansprüche an die Anwender. Prof. Dr. Michael Schmidt: „Wir müssen externes Expertenwissen frühzeitig in erforderliche Veränderungen von Fertigungsabläufen und -anlagen einbinden, um technisch und wirtschaftlich geeignete Lösungen zu realisieren.“

Für die wirtschaftliche Entwicklung der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) sei das BLZ ein eminent wichtiger Anlaufpunkt, so Dr.-Ing. Robert Schmidt, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Innovation | Umwelt. Die dort entwickelten Lösungen passten hervorragend zu den Kompetenzfeldern des Entwicklungsleitbilds der EMN. Mit der Querschnittstechnologie „Laser/Optik/Photonik“ würden z. B. die Kernkompetenzen der Region in den Bereichen Automation und Produktionstechnik, Neue Materialien und Medizintechnik bestens unterstützt, so Schmidt.

Autor:

ug.

Arbeitskreis SchuleWirtschaft: Kontaktbörse für Schulen und Unternehmen

Die Arbeitskreise SchuleWirtschaft in der Region verstehen sich als Kontakt- und Informationsbörse für Schulen und Unternehmen. Der Erlanger Arbeitskreis trifft sich nun zum Jahresabschluss am Donnerstag, 13. Dezember 2018.

Auf der Tagesordnung stehen die Berufsinformationsbörsen in Stadt und Landkreis, Schülerprojekte der Wirtschaftsjunioren Erlangen sowie das Qualifizierte Praktikum. Gleichzeitig ergeben sich dabei gute Gespräche zwischen Schul- und Unternehmensvertretern.

Firmen gesucht
Für die Betriebe bieten sich so direkte Kontakte zu den Erlanger Schulen. Dabei könnten an den Treffen durchaus noch weitere Unternehmensvertreter teilnehmen. Firmen sind deshalb eingeladen, sich aktiv an dem Austausch zu beteiligen. Anmeldung gerne über die IHK-Geschäftsstelle Erlangen.

Link zur Veranstaltung: https://wirtschaft-in-erlangen.de/events/arbeitskreis-schulewirtschaft-erlangen/

Evosys: Mehr Raum für Lasertechnik

Die Evosys Laser GmbH, die in Erlangen Systeme für das Laserschweißen von Kunststoffen fertigt, hat ihre neuen Räumlichkeiten in der Schallershofer Straße bezogen. Damit reagiert das vor drei Jahren gegründete Unternehmen, das in diesem Jahr den IHK-Gründerpreis Mittelfranken gewonnen hat, auf das stete Wachstum bei Mitarbeiterzahl und Umsatz.

Die Belegschaft zählt derzeit über 40 Mitarbeiter und in den nächsten Jahren will Evosys weiter wachsen – allerdings nur bis zu einer Betriebsgröße von rund 80 Mitarbeitern.

Mit der offiziellen Eröffnung, zu der auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Erlangens Bürgermeisterin Dr. Elisabeth Preuß und Wirtschaftsreferent Konrad Beugel zugegen waren, wurde die letzte Phase des Umzugs abgeschlossen. Nun stehen dem jungen Technologieunternehmen nach Angaben der Geschäftsführer Frank Brunnecker und Holger Aldebert mehr als 2 000 Quadratmeter für Entwicklung und Produktion von Laseranlagen zur Verfügung. Evosys ist international bereits stark engagiert und unterhält eine Tochtergesellschaft in China.

KUM | Möbius & Ruppert: In der Welthauptstadt der Bleistiftspitzer

Auf fast jedem Schreibtisch sind Bleistiftspitzer zu finden. Seine Ursprünge hat das Zeichengerät in einer mittelfränkischen Stadt.

Erlangen gehört zu den Städten mit den meisten Patentanmeldungen in Europa. Heute sorgen der Siemens-Konzern sowie die universitären Einrichtungen und wissenschaftlichen Institute für den Erfinderreichtum, doch die Tradition reicht weit zurück. So gilt die Stadt auch als Geburtsort eines so profanen Geräts wie des kegelförmig gebohrten Bleistiftspitzers, 1908 erfunden von dem damals in einer Bürstenfabrik tätigen Konstrukteur Theodor Paul Möbius. Er war es eines Tages leid, seine abgeschriebenen Bleistifte mit dem Taschenmesser anspitzen zu müssen. Daraus hat sich in Erlangen eine kleine Industrie entwickelt, die heute noch durch die Firmen KUM sowie Möbius & Ruppert repräsentiert wird. Sie beliefern zusammen nach wie vor zu etwa 75 Prozent den Weltmarkt für Bleistiftspitzer.

Die Erfindung des heute alltäglichen Gebrauchsgegenstands, in jedem Büro und Schulmäppchen zu finden, gilt als Revolution in der 450-jährigen Geschichte des Bleistifts. Dieser besteht  entgegen dem Volksglauben und Sprachgebrauch nicht aus weichem und giftigem Blei, sondern aus einem Grafit-Ton-Gemisch, das bei 1 000 Grad Hitze gebrannt wird. So muss der Spitzer außer dem Holz auch die steinharten Tonpartikel abraspeln, was stabile Messer erfordert. Diese sind aus chromlegiertem, mit rund einem Prozent Kohlestoff angereichertem Stahl, werden auf rotglühende 800 Grad erhitzt, dann herunter gekühlt und wieder auf 200 Grad aufgeheizt, was dem Messer hohe Flexibilität verleiht. Bei der anschließenden Politur liegen die erlaubten Toleranzen bei höchstens 0,03 Millimetern. Bevor das Messer in den keil- oder quaderförmigen Korpus aus Magnesium oder Messing eingebaut wird, wird es mit Ultraschall gereinigt und einer hauchdünnen Ölschicht überzogen.

Quelle und Fortsetzung in der Wirtschaft in Mittelfranken WiM 09|2018: https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-09/unternehmen/in-der-welthauptstadt-der-bleistiftspitzer

Der City-Gutschein Erlangen: Einkaufsgutschein startet in Erlangen mit 200 Akzeptanzstellen

Ab Oktober einlösbar ist der neue Einkaufsgutschein des City-Management Erlangen, gefördert durch finanzielle Mittel der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach, der Städtebauförderung von Bund, Ländern und Gemeinden, der Stadt Erlangen sowie den Erlanger Stadtwerken.

Die Gutscheine (drei Motive, Wert: 10 Euro) sind in der Tourist-Information in der Goethestraße 21 a, den Sparkassenfilialen am Hugenottenplatz sowie am Martin-Luther-Platz, bei Intersport und Modehaus Eisert sowie dem Kitzmann BräuKontor erhältlich. In allen Verkaufs- und Akzeptanzstellen liegen die Informationsbroschüren zum City-Gutschein Erlangen aus. Zum Start beteiligen sich ca. 200 Akzeptanzstellen, von A wie Apotheke bis W wie Wohnen.

Immer wieder wurde in der Vergangenheit von Gästen, Bürgern und vor allem den Händlern, Gewerbetreibenden, Dienstleistern, Gastronomen, den Hoteliers und Freiberuflern und vielen anderen der Wunsch geäußert, einen Einkaufsgutschein für das gesamte Stadtgebiet Erlangen ins Leben zu rufen. Der neue City-Gutschein Erlangen bündelt nun diese Idee mit der entspannten Suche nach einem passenden Geschenk für Jedermann. Nebeneffekt: Das Geld bleibt in der Stadt.

Und nicht nur für Privatpersonen ist der City-Gutschein attraktiv. Auch für Unternehmen kann dieser eine elegante Möglichkeit darstellen, Zuwendungen und Standortförderung zu verknüpfen. Mit bis zu 44 € pro Mitarbeiter und Monat ist die Herausgabe des Gutscheines sogar
steuerfrei.

Mehr unter http://www.erlangen.info/city-gutschein_erlangen/

Autohaus Pickel: Weichen für dritte Generation gestellt

Das familiengeführte Autohaus Josef Pickel GmbH & Co. KG mit Sitz in Erlangen feiert in diesem Jahr 85-jähriges Bestehen.

Michael und Franz Pickel, die Geschäftsführer des Mercedes-Benz-Autohauses, planen in den nächsten beiden Jahren umfangreiche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen für das Firmengelände. Dabei wollen sie vor allem in den Service für alternative Antriebe, die digitale Präsentation sowie eine bessere Ablauforganisation investieren. Außerdem fördert das Autohaus den eigenen Nachwuchs: Derzeit sind 29 Auszubildende in diversen technischen und kaufmännischen Berufsrichtungen beschäftigt.

Die Weichen für die Zukunft des Familienunternehmens sind bereits gestellt: Michael Pickels Tochter Andrea, die derzeit als Assistenz der Geschäftsführung tätig ist, soll es in der dritten Generation weiterführen.

Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 09|2018, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-09/Koepfe/weichen-fuer-dritte-generation-gestellt

Pfeiffer Leder & Mode: Maßkleidung für die Hände

Mit dem Handschuhmacher-Handwerk wurde Erlangen einst weit über Franken hinaus bekannt. Heute ist Jürgen Pfeiffer einer der letzten seines Standes.

Erlangen hat durch die Ansiedlung hugenottischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich im 17. Jahrhundert wirtschaftlich enorm profitiert. Ein Beispiel ist die Zunft der Handschuhmacher: Jacques Colliveaux und Daniel Hugot aus der Stadt Vitry-le-François in der Champagne brachten sie 1686 nach Erlangen. Im 18. und 19. Jahrhundert erlebte sie ihre Blütezeit: Aufzeichnungen dokumentieren, dass um 1774 über 120 000 Paar in acht Werkstätten hergestellt und über Süddeutschland hinaus bis nach Russland und in die USA vertrieben worden sind. Um 1870 gab es 31 Betriebe mit 69 Gesellen und 52 Lehrlingen.

Heute hält nur noch Jürgen Pfeiffer als einer der letzten seines Fachs in Deutschland die Tradition hoch. Der 76-Jährige fertigt im ersten Stock eines Sandsteinhauses in der Erlanger Altstadt gerade noch ein paar Dutzend Exemplare nach Maß – statt der sechsstelligen Produktionszahlen seiner hiesigen Vorgänger Ende des 18. Jahrhunderts. Meist sind es ungewöhnliche Größen oder Modelle für orthopädische Zwecke. Eine treue Mitarbeiterin ist ihm dabei Heidi Haas, die seit 62 Jahren die Handschuhe zusammennäht.

Noch 1951 waren in dem 1876 gegründeten Familienbetrieb 60 Leute beschäftigt gewesen, darunter 13 Handschuhmacher, die etwa tausend Paar in der Woche schnitten. Jürgen Pfeiffer selbst begann 1954 als Lehrling, zwei Jahre nach dem plötzlichen Tod seines Vaters durch einen Verkehrsunfall. „Ich habe diesen Beruf schon als Bub gewollt“, sagt er. Neun Jahre später legte er die Meisterprüfung ab. Er leitete neben dem Hauptsitz in der Erlanger Hauptstraße 52 weitere Filialen in Erlangen, Nürnberg, Fürth, Konstanz und Regensburg, zusätzlich um Damenoberbekleidung erweitert. Diese Niederlassungen mit den jeweils relativ kleinen Verkaufsflächen waren jedoch dem zunehmenden Wettbewerb nicht mehr gewachsen und mussten in den 70er und 80er Jahren schließen. Heute verdient die Pfeiffer Leder & Mode e. K. das Geld im gut sortierten Lederwarengeschäft in Erlangen mit Schwiegertochter Anette als Pächterin und Chefin. Handtaschen und Rucksäcke, Mäntel und Regenschirme, Geldbörsen, Gürtel, Schmuck und andere Accessoires sorgen dafür, dass der Familienbetrieb überlebt hat, ja optimistisch in die Zukunft blicken kann.

Jürgen Pfeiffer, letzter Obermeister seiner Innung, hat Höhen und Tiefen seines Gewerbes aus Aufzeichnungen erfahren oder selbst hautnah miterlebt. Zu Spitzenzeiten benannte man damals Glacé-Handschuhe – heute noch beim Wiener Opernball gefragt – nach der Stadt, aus der sie kamen: die „Erlanger Glacé-Handschuhe“. Die Massenproduktion zunächst aus Süditalien und Rumänien, heute aus Ungarn und vor allem Asien, hat die Maßhandarbeit verdrängt und unrentabel werden lassen. Denn um ein Paar Handschuhe zu fertigen und in Form zu bringen, sind etwa 90 Arbeitsgänge notwendig – die sich in den Jahrhunderten nicht verändert haben. Das Leder muss makellos sein, stammt u. a. vom Haarschaf – laut Anette Pfeiffer „das beste Handschuhleder, das es gibt“ –, vom neuseeländischen Curlylamm oder von südamerikanischen Peccary-Wildschweinen und wird über englische Großhändler bezogen. Pfeiffer wickelt es in ein nasses Tuch, kontrolliert es auf Narben und „allongiert“ es, d. h. er zieht es immer wieder über die Tischkante, bis es sich nicht mehr in die Länge ziehen lässt. Nur so ist gesichert, dass sich das Leder später nicht mehr ausdehnt, auf fränkisch „ausleiert“. Mit Hilfe einer Schablone werden die Rohlinge ausgeschnitten bzw. mit einer Handhebelpresse ausgestanzt. Die Näherin setzt die Einzelteile zusammen. Pfeiffer: „Jeder Stich muss sitzen, denn im Leder sieht man jedes Nadelloch.“ Zum Schluss wird der Handschuh „dressiert“, also über eine erhitzte Metallform gezogen, damit er glatt wird.

Mit seiner Handwerkskunst ist Handschuhmacher Jürgen Pfeiffer einer der letzten Vertreter einer hugenottischen Tradition, die nach dem Dreißigjährigen Krieg in Erlangen durch diese französischen Flüchtlinge fortgeführt worden ist und die Stadt in vergangenen Zeiten zu wirtschaftlicher Blüte führte – neben Weißgebern, Hutmachern, Strumpfwirkern und Kammmachern.

Autor:

(ug.)

IHK-Gremium Erlangen: Positionen zur Verkehrssituation in der Erlanger Innenstadt

Im Verkehrsentwicklungsplan (VEP) Erlangen sind vernetzte Konzepte für den Autoverkehr, das Parken, den ÖPNV, den Fußgänger- und Fahrradverkehr erarbeitet worden. Derzeit steht hieraus insbesondere die Entlastung der Straßen vom Durchgangsverkehr zur Behandlung im Stadtrat. Beschlossen werden soll der sog. Planfall 8b, der dazu Maßnahmen in der Henkestraße (Geschwindigkeitsreduzierung und verkehrslenkende Maßnahmen) sowie in der Neuen Straße (Einbahnstraßenregelung, nur noch West-Ost-Verbindung) und Spardorfer/Essenbacher Straße (Geschwindigkeitsreduzierung) beinhaltet. Ein Handlungsdruck wird nicht zuletzt mit der Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte für NO2 begründet.

Das IHK-Gremium Erlangen hat die Pläne diskutiert und ein Papier mit fünf Positionen veröffentlicht. Sie können die Positionen des Gremiums hier im Wortlaut herunterladen. (pdf)

https://www.ihk-nuernberg.de/de/media/PDF/geschaeftsstellen/erlangen/positionen-des-gremiums-zu-vep-final-logo.pdf

Zusammenfassung der Positionen des IHK-Gremiums Erlangen:

  1. Autoverkehrs- und Parkkonzepte gemeinsam verwirklichen
    Eine Entlastung der innenstädtischen Straßen vom reinen Durchgangsverkehr wird vom IHK-Gremium Erlangen unterstützt. Verkehrseinschränkungen können aber auch abschreckend wirken und sollten nach Forderung des IHK-Gremiums nur „ganzheitlich im Zusammenhang und in einem positiv kommunizier- und erlebbaren Kontext“ realisiert werden.
  2. Flexible Lösungen für ein sich veränderndes Stadtbild
    Konkrete Maßnahmen müssen aus Sicht des Gremiums vorausschauend, anpassungsfähig und reversibel ausgelegt werden.
  3. Vermeidung von Sperrungen
    Die Sperrung in der Martinsbühler Straße im Rahmen der Bahnneubaustrecke hat eindringlich gezeigt, wie Einschränkungen der Erreichbarkeit negative Auswirkungen auf die in der Erlanger Innenstadt ansässigen Unternehmen haben. Sperrungen für Autofahrer sollten daher vermieden werden. Die Schaffung von positiven Alternativen ist laut Gremium zu bevorzugen.
  4. Initiative für die nördliche Altstadt
    Um die in der nördlichen Altstadt beheimateten Einzelhandelsbetriebe zu unterstützen, fordert das IHK-Gremium, die von der Verwaltung vorgesehene aktive Prarkraumsteuerung und -erweiterung schnell umzusetzen und zu kommunizieren. Für die ansässigen Unternehmen sollten subventionierte Parkgebührenerstattungen ermöglicht werden.
  5. Transparenz in der Kommunikation
    Das IHK-Gremium Erlangen wünscht sich in Bezug auf Gutachten zur Schadstoffbelastung eine transparentere Kommunikation sowie die Einholung tatsächlicher Messwerte zusätzlich zu den bisherigen Berechnungen.

Clearaudio: Tonmeister aus Erlangen

Trotz Musik-Downloads und -Streaming: Clearaudio stellt erfolgreich hochwertige Vinyl-Abspielgeräte her.

Es passt auf den ersten Blick nicht in die heutige Zeit: Die Erlanger Plattenspieler-Manufaktur Clearaudio electronic GmbH verkauft ihre Geräte aktuell in 81 Ländern der Erde und erzielt damit zwölf Mio. Euro Umsatz mit steigender Tendenz. Eigentlich war 1989 der Tod der Schallplatte eingeläutet, als der Technologieriese Sony den Abschied von Vinyl verkündete und auf die damalige Weltneuheit Compact Disc setzte. Heute ist die CD auf den absteigenden Ast gerutscht, die Schallplatte dagegen erlebt ein für viele unerwartetes Comeback. Sony baut in Tokio ein Presswerk. Der weltweite Großhandelsumsatz mit Vinyl erreichte 2016 rund 560 Mio. US-Dollar und damit 23,5 Prozent mehr als im Vorjahr, in Deutschland hat sich der Umsatz zwischen 2008 und 2016 verachtfacht. Das nach eigenen Angaben weltweit größte Schallplattenpresswerk im tschechischen Lodenice stellt mit 1 400 Mitarbeitern im Dreischichtbetrieb täglich 65 000 der wieder heiß begehrten Scheiben her – auch wenn sich der runde Tonträger hierzulande mit einem Marktanteil von 4,4 Prozent immer noch in der Nische befindet.

Robert Suchy ist bei Clearaudio für den Export zuständig und seit 2005 in der Geschäftsführung tätig – zusammen mit seinen Geschwistern Veronika, die im Personal arbeitet, und Patrick, der bei Entwicklung und Design aktiv ist. Suchy sieht als Ursache des Booms das „GänsehautFeeling, wenn man Musik in ihrer Reinheit und Klarheit erlebt“. Er merke das bei Schulklassen, die die Firma besuchen und denen er zuerst die blecherne Musik aus dem Handy vorspielt. Dann legt er eine Platte in die 400 Kilo schwere Anlage namens „Statement“ und liefert den klaren und wuchtigen Clearaudio-Sound: „Als ob die Band mit im Raum wäre“, sagt er. Der Nachwuchs sei dann schier aus dem Häuschen.

Vater Robert Suchy, Jahrgang 1945, einst Ingenieur im Kraftwerksbau, hatte 1978 in Fürth die Firma ins Leben gerufen und zuerst Lautsprecher sowie Tonabnehmer produziert. Schon im ersten Jahr erntete er weltweite Popularität, als er sich einen vollsymmetrischen Tonabnehmer mit Bor-Nadelträger patentieren ließ – bis heute Maßstab für viele Hersteller. Ab 1990 konzentrierte er sich auf Plattenspieler. Für sein Lebenswerk erhielt er von der Zeitschrift „Stereoplay & Audio“ die in der Branche begehrte Auszeichnung „Das Goldene Ohr“.

Seine Kinder schwimmen auf der Erfolgswelle weiter, sammeln Preise en masse und folgen dabei der Devise des Unternehmens, wonach dessen Produkte global einzigartig und unverwechselbar seien und sich den Anforderungen der audiophilen Musikliebhaber in aller Welt individuell anpassten. Clearaudio-Geräte – zwischen 1 200 Euro und in Sonderanfertigung für weit über 100 000 Euro zu haben – werden von einer 50-köpfigen Belegschaft in Handarbeit gefertigt, mit hochwertigen Materialien, berührungslosen Magnetantrieben sowie mit Panzerholz, das unter dem Druck von 60 Tonnen verleimt wurde, was zum „absolut ruckel- und rumpelfreien Lauf“ führt. 90 Prozent der Produkte gehen in den Export – jeweils ein Drittel nach Amerika, nach Europa/Afrika und nach Asien/Pazifik, wobei sich die USA, China, Großbritannien und die Philippinen zu Wachstumstreibern entwickeln.

Die 2001 bezogene Zentrale am Rande des Erlanger Meilwalds – wo 55 bis 60 Prozent der Teile der Plattenspieler selbst hergestellt werden – platzt bei nur 2 800 Quadratmetern Nutzfläche aus allen Nähten. So bezog man ein Teilelager in Tennenlohe und ein Archiv in Forchheim, das hauptsächlich alte Prototypen beheimatet. „Vielleicht mal was für ein Museum“, sagt Suchy. In diesem könnte die Nachwelt dann erfahren, dass es einen Wirtschaftszweig gegeben hat, bei dem Analog gegen Digital gewinnen konnte – aus heutiger Sicht ein äußerst seltenes Phänomen.

Autor:

(ug.)

Jobwalk in Erlangen: Karrierewege in neuem Format

Rund 10 000 Besucher kamen am 16. Juni zum ersten Jobwalk auf den Erlanger Schlossplatz. Über 70 regionale und überregionale Aussteller, darunter auch die IHK Nürnberg für Mittelfranken, informierten dort über mögliche Berufswege in ihren Unternehmen.

Mehr als 400 offene Stellen waren ausgeschrieben. Organisator war die Agentur „Augenmaß“ aus Bubenreuth, die im Bereich Personalmarketing tätig ist. Laut einer Aussteller- und Besucherumfrage zeigten sich die Teilnehmer sehr zufrieden mit den Gesprächen und Kontakten.

Quelle: Wirtschaft in Mittelfranken 07|2018, https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2018-07/ihk-welt/karrierewege-in-neuem-format