Connect Mobility: Start-up will Pendlerautos besser auslasten

Mit einer App möchte das Erlanger Unternehmen Beschäftigte mobil machen und gleichzeitig das Verkehrsaufkommen senken.

Die Benzinpreise sind aktuell in schwindelerregenden Höhen. Viele Pendler überlegen deshalb, wie sie ihre Kosten reduzieren können. Eine Möglichkeit ist, sie mit anderen Pendlern, die die gleiche Strecke fahren, zu teilen. „Gerade im Nahverkehr ist ein Großteil der Autos im Durchschnitt nur mit 1,1 Personen besetzt“, sagt Malte Andree, Geschäftsführer der Connect Mobility GmbH in Erlangen. „Wir wollen die Auslastung der privaten Pkw erhöhen und damit die Privatfahrten reduzieren.“ Mit ihrer App „uRyde“ will die Ausgründung aus der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gemeinsam mit Arbeitgebern deren Beschäftigte mobil machen und gleichzeitig das Verkehrsaufkommen senken: „Unsere Mission ist es, Menschen und Organisationen zu vernetzen, um gemeinsam eine nachhaltige und geteilte Mobilität zu schaffen“, so der Firmengründer.

Die Software kombiniert dabei die Navigation mit der Mitfahrgelegenheit. „Wir bringen die Navigation mit Carpooling zusammen und machen so das Fahrzeug spontan für andere verfügbar“, so Andree. Damit werden Autofahrer auf alltäglichen Routen zu „uRyde“-Nutzern und helfen so, die Auslastung der Autos zu verbessern. „uRyde“ bringt dadurch keine neuen Fahrzeuge in den Verkehr, sondern nutzt die bestehenden freien Kapazitäten auf den Straßen. Dazu verfügt die Anwendung über eine In-App-Navigation, über die jeder Nutzer in Echtzeit Fahrten teilen kann. Über eine Bezahlfunktion in der App können die Fahrtkosten digital verrechnet werden. Außerdem sind der gesamte öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sowie alle Shuttle- und Pendelbusse von Siemens Healthineers in die App integriert.

Die Autofahrer bekommen von ihren Mitfahrern 14 Cent pro Kilometer. Allerdings ist das System nicht für jeden zugänglich: „uRyde ist kein Modell für den B2C-Markt, sondern ein Lizenz-Modell für teilnehmende Partnerunternehmen“, erklärt der Geschäftsführer. Das bedeutet: Nur Mitarbeiter der Partnerfirmen können sich per E-Mail anmelden. Erst nachdem die Adresse verifiziert ist, erhalten sie einen Zugang. Damit können sie andere Teilnehmer mitnehmen oder bei anderen mitfahren. „Dieses geschlossene System schafft auch Sicherheit und Vertrauen“, glaubt Andree. Auf Wunsch ist es jedoch möglich, sich auch die Teilnehmer von anderen Firmen anzeigen zu lassen.

Eine Lizenz kostet etwa einen bis 1,80 Euro pro Monat. Etwa 15 Firmen beteiligen sich bisher in der Region Nürnberg, mit Hamburg und Berlin sind es 20 Arbeitgeber. Während „uRyde“ in Hamburg bereits seit Sommer 2021 für eine Reederei im Einsatz ist, steht der Start in Nürnberg und Berlin noch bevor: Der Start wurde wegen Corona in Nürnberg auf Mai 2022 und in Berlin auf Juni 2022 verschoben. In der Region haben ab Mai über 100 000 Menschen Zugang zu „uRyde“, erwartet Andree, der die Firma gemeinsam mit seinem Bruder Johannes und dem Software-Entwickler Nino Handler gegründet hat. Partnerunternehmen sind in der Region u. a. die Stadt Erlangen, Siemens Healthineers, alle Sparkassen und VR-Banken sowie die FAU. Große Mitfahrdienste sieht Andree nicht als wirkliche Konkurrenz: „Andere Anbieter sind eher im Fernverkehr aktiv. Für die Kurzstrecke oder den Pendelweg, der am schlechtesten ausgelastet ist, gibt es bisher keine andere Lösung“.

Autor: (leo.)