Intego: Maschinen mit Adleraugen

Qualitätsprüfung durch High-tech: Die Anlagen des Erlanger Unternehmens spüren selbst kleinste Fehler in der Produktion auf.

Ökonomische Nischen, in denen man durch einzigartige Kompetenz zum Marktführer wachsen kann, sind in der deutschen Wirtschaft nach wie vor vorhanden – man muss sie nur finden. Die promovierten Ingenieure Thomas Wagner und Peter Plankensteiner wagten nach sechsjähriger Grundlagenforschung im Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) den Schritt in die Selbstständigkeit: Denn 1999 spezialisierten sie sich mit der Intego GmbH auf den Bau von Sondermaschinen für optische Qualitätsprüfaufgaben.

Anfangs war das Unternehmen noch im Innovations- und Gründerzentrum Nürnberg-Fürth-Erlangen (IGZ) angesiedelt. Die mehr als 500 Prüfanlagen, die seither in Erlangen fertiggestellt wurden und die in aller Welt zum Einsatz kommen, spüren kleinste Fehler in der Produktion auf – und ersparen den Auftraggebern durch die frühzeitige Entdeckung Millionenbeträge. Intego entwickelt schlüsselfertige Anlagen und Software, die beim Anwender konfiguriert und in den jeweiligen Produktionsprozess integriert werden.

Begonnen hat alles mit dem weltweiten Handy-Boom: Die Hersteller wollten vermeiden, dass sich die Käufer über nicht ganz klare Display-Abdeckungen oder unsauber ausgestanzte Lautsprecher-Öffnungen ärgern. Also mussten bei der Produktion die Fehler von vorneherein ausgeschlossen werden. Das schaffte das automatische Kameraprüfsystem von Intego: Spritzfehler wie schwarze Punkte, Materialeinschlüsse und Schlieren, Oberflächenfehler wie Staubabdrücke, Kratzer und Lackierfehler oder falsche Abmessungen bei Aufdrucken oder Folien – die in Erlangen entwickelte Technologie konnte solche Unsauberkeiten bis in den Bereich von einem Hundertstel Millimeter erkennen und so schadhafte Teile aussortieren. Dieser Anspruch, Premiumqualität zu garantieren, gilt bis heute. „Unser Markt ist da, wo sehr hohe ästhetische Anforderungen an ein Produkt gestellt werden und eine optische Fehlerfreiheit des Produkts zwingend erforderlich ist“, sagt Dr. Thomas Wagner.

Neue Branchenschwerpunkte

Innerhalb von zwei Jahrzehnten sind freilich andere Branchenschwerpunkte wichtig geworden: Bei der Fertigung von Solarwafern, -zellen und -modulen, von Airbags und LED-Beleuchtungseinheiten in der Automobilproduktion, aber auch in der Halbleiterindustrie gibt es Bedarf. Zunehmend attraktiv wird der von hohen Stückzahlen geprägte Labor- und Medizingerätemarkt, zumal es dabei nicht nur um die Optik, sondern um die Einhaltung von funktionalen Vorschriften geht: „Ein Oberflächenfehler eines Behältnisses kann z. B. zu falschen Laborergebnissen führen“, erklärt Wagner.

Auszeichnungen pflastern den Weg des Unternehmens – so der Gründerpreis der IHK Nürnberg für Mittelfranken im Jahr 2002 oder der „Semikron Innovationspreis 2016“, den Intego als Teil eines Konsortiums gewann, dem auch das Fraunhofer-Institut, die Universität Erlangen-Nürnberg und Infineon angehören. Diesem Quartett war es gelungen, einen kostengünstigen Test zu entwickeln, mit dem sich kleinste Defekte bereits auf Siliziumkarbid-Wafern, dem Rohmaterial für neuartige Bauelemente, nachweisen lassen. Die Entwicklung verfügt im Mikrometer-Bereich über eine Null-Fehler-Toleranz und ist damit hundertprozentig zuverlässig. Bauelemente, die später im Betrieb ausfallen würden, lassen sich so sicher identifizieren und markieren.

Permanent neu erfinden

Der Jahresumsatz von Intego schwankt – je nach Auslastung und Auftragseingang – zwischen fünf und zehn Mio. Euro. „Wir müssen uns permanent neu erfinden“, so Wagner angesichts der unterschiedlichen Anforderungen, die die etwa 30 Kunden pro Jahr stellen. Im Ausland erzielt das Unternehmen 30 bis 40 Prozent des Umsatzes, mit den US-amerikanischen Kunden als hauptsächliche Zielgruppe. 50 Beschäftigte sind für Intego in der 2008 bezogenen Unternehmenszentrale in der Henri-Dunant-Straße tätig, die Hälfte verfügt über einen beruflichen Hintergrund im Ingenieurwesen. 2009 folgte die Gründung einer Tochterfirma in Singapur, 2015 die Beteiligung als Investor an der Erlanger Evosys Laser GmbH und 2016 die Einweihung einer neuen Produktionshalle.

Erlangen sei aufgrund der Nähe zur Universität und zum Fraunhofer-Institut nach wie vor der ideale Standort. „Wir sind damit am Puls der Zeit“, sagt Wagner. Das gilt übrigens auch im Solarbereich: Intego baut nicht nur Prüfanlagen für andere, sondern setzt für die eigene Energieversorgung Solarmodule seiner Kunden auf den Gebäudedächern ein. Damit werde über das Jahr gesehen genug Energie für den internen Stromverbrauch sowie für Heizung und Kühlung erzeugt, wodurch Intego kohlendioxidneutral arbeite.

Autor: ug.